Veröffentlicht: 30.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Ihr Kopf hämmert (Grusel)
Ihr Kopf hämmert
Der süßherbe Duft der Hyazinthen in der Vase neben ihrem Schreibtisch verstärkt noch ihre Kopfschmerzen.
Schon vor mehreren Tagen wollte sie an ihrer Geschichte weiter schreiben.
Eine Schreibblockade verhinderte es, meint sie.
Jetzt massiert sie ihre kalten Hände.
Ihre erwärmte rechte Hand ballt sie zur Faust und donnert sie auf den Schreibtisch aus Massivholz.
Die Tasse Kaffee fällt zum Glück nicht um. Ihr Notizblock mit wichtigen Wortfetzen erreicht jedoch mehrere Spritzer.
Wie verrückt hämmert sie jetzt auf ihrer schwarzen Tastatur die Buchstaben für ihre Geschichte ein.
Ihre Schreibblockade löst sich gerade, glaubt sie.
Entsetzt muss sie feststellen, dass der Bildschirm vor ihrem Gesicht leer ist.
Verdammt, schreit sie.
Ihr Kopf hämmert.
Ein Gedankenblitz lässt sie laut sprechen.
„Hatte man nicht für heute schwere Gewitter vorausgesagt?“
Ihrer Wetterfühligkeit ist sie sich im Moment mehr denn je bewusst.
Unermütlich hämmert / tippt sie erneut, jedoch bleibt der Bildschirm leer.
Ein flüchtiger Blick auf ihren Notizblock, ihre einzige Rettung, glaubt sie.
Ein erneuter Aufschrei.
Der Block ist leer.
Ihr Kopf hämmert.
Woher kommt dieses andere Donnern?
Panik macht sich in ihr breit.
Erschöpft steht sie vom Schreibtischstuhl auf und läuft an das offene, bodentiefe Fenster.
Normalerweise liebt sie diesen Ausblick, heute nicht.
Sie möchte auch nicht von draußen begafft werden.
Ihr Kopf hämmert.
Sollte ihre Geschichte sich einfach so in Luft aufgelöst haben. Fragen, auf die sie keine Antwort hat.
In Tränen aufgelöst verharrt sie am Fenster.
Sie spürt, dass irgendetwas passieren wird.
Nein, ich möchte das nicht, schreit sie.
Niemand hört sie.
Jetzt ein Wolkenbruch. Unzählige Regentropfen laufen an den bodentiefen Fenstern hinunter.
Hunderte Blitze sind am Himmel zu erkennen.
Ihre Augen fangen an zu flimmern.
Erschrocken hält sie sich die Hände vor ihren Mund, um nicht erneut zu schreien.
Sie sieht Regentropfen, die wie Buchstaben aussehen, und langsam die Fensterscheibe hinunterrutschen.
In Pfützen tanzen sie die verlorenen Buchstaben.
Wollen Sie ihr etwas sagen?
Das darf nicht sein, schreit sie.
Niemand hört sie.
Sie kann nicht aufhören zu weinen.
Der Regen hat aufgehört, die dunklen Wolken sind verschwunden.
Beängstende Stille. Eine ihr bekannte Stimme ruft ihren Namen.
„Bitte wach auf, du bist hier bei mir.“
Sie atmet flach und ängstlich.
Langsam öffnet sie ihre Augen, dabei schaut sie in besorgte braune Augen, welche ihr vertraut sind.
Ihre nun gesagten Worte sind sehr leise.
Was für ein schrecklicher Albtraum.
Ihr Kopf hämmert nicht mehr.
Die braunen Augen ihr gegenüber schauen sie mitfühlend an.
Sie haucht. „Gute Nacht.“
Jetzt greift sie nach ihrer Bettdecke am Fußboden.
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Geschichte Nummer 11221



