Veröffentlicht: 01.11.2026. Rubrik: Abenteuerliches
Sabotage bei den Arkadenkindern
Stefan war ein Jugendlicher von 17 Jahren. Er war 1,75 m groß, braunhaarig, hatte graue Augen, war recht dünn und ungepflegt. Stefan teilte das Schicksal vieler deutscher Jugendlicher, er war ein Straßenkind. Seine Eltern waren beide dem Alkohol erlegen und lebten in ihrer eigenen Welt. Irgendwann ertrug Stefan es nicht mehr länger zu Hause und haute ab.
Er wusste nicht mehr wie lange er schon auf der Straße lebte aber er kam irgendwie über die Runden. Stefan war trotz der Eltern, die er hatte, ein recht cleverer pfiffiger Kerl. Er wusste sich stets zu helfen und er wand sich immer geschickt aus der Affäre, wenn es mal brenzlig wurde zum Beispiel, wenn er mal wieder beim Klauen erwischt wurde. Stefan hatte kein genaues Ziel aber eine innere Unruhe trieb ihn immer von Moment zu Moment und von Ort zu Ort. Er tat immer das, was er gerade tun wollte und dachte selten lange darüber nach.
Es war ein grauer Maitag als es Stefan zu einer Einkaufspassage in einem der Sozialviertel der Stadt zog. Hier lungerten viele Jugendliche in den unterschiedlichsten Alters- und Größenvarianten herum. Sie waren alle von seinem Schlag. Die Einkaufspassage bestand aus 2 Etagen die über 2 Metalltreppen miteinander verbunden waren eine lag an der Südseite und eine an der Westseite.
Als Stefan an der Südseite zu einer größeren Gruppe von Straßenkindern dazu stieß wurde er von einigen skeptisch von anderen schon eher kritisch beäugt, wiederum anderen war er egal. Ein kleiner Junge er war ca. 12 Jahre alt eilte schnell mit einem breiten Grinsen auf ihn zu „Tachchen Neuer!“ meinte der aufgeweckte Junge mit einer Selbstverständlichkeit in der Stimme die Stefan irritierte.
„Ich bin Fritz und du mein Freund befindest dich hier inmitten der verlorenen Kinder der `Weißspornarkaden `. Ich führ dich am besten mal ein wenig rum damit du mal nen Überblick bekommst. Also hier....“ Fritz machte eine Drehung mit seinem Arm um sich herum. Hier wäre ich an deiner Stelle vorsichtig hier spielt sich nämlich gern Franky als Obermuffti auf.“ Fritz schaute sich kurz um und schob Stefan auch schon die Treppen hinauf. „ Franky mag keine Neuen aber das Gesetz der verlorenen Kinder sagt jeder ist willkommen, der auch auf der Straße lebt. Sie kamen am oberen Ende der Treppe an wo ein knurrender Boxer und ein nicht weniger grimmiger Pitbull sie begrüßten die am Gelände an sehr kurzen Leinen angebunden waren. „Ruhig Jacko, bleib locker Horst!“ Gab Fritz den Hunden beschwichtigend an „Das ist nur ein Neuer, den ich rumführe.“ Fritz schob Stefan weiter zeigte dabei kurz auf ein Mädchen, welches auf dem Rand der Mauer der oberen Arkadenetage saß und nachdenklich zu den Häusern auf der anderen Straßenseite blickte. Sie war ungefähr sein Alter hatte schwarze wilde Haare, ein schönes Gesicht und grüne Augen die ihre nachdenklichen Züge nun noch mehr unterstrichen. „Das ist Jessy sie hat das Sagen über diesen Bereich der verlorenen Kinder die Hunde gehören übrigens ihr und die kräftige brünette die da so gelangweilt zu Jessys Füßen am Boden fletzt ist Tabby, Jessys Adjotantin und beste Freundin. Tabby kommt übrigens von Tabea aber nur wer nen Zahn loswerden will und Jessy, wenn sie sauer ist nennen sie Tabea.“
Stefan war erstaunt über die geordneten Verhältnisse in der „Gemeinschaft“ Die Bereiche waren deutlich getrennt aber alle arbeiteten Hand in Hand miteinander und konnten in den verschiedenen Bereichen hin und her gehen wie es ihnen passte. „Wir kommen jetzt in das Revier von Julius. Wie du bisher gesehen hast, ist das Areal in einzelne Gebiete aufgeteilt aber Julius ist quasi der Chef, auch wenn er immer sagt im gehört nur der dritte Teil aber er hat Einfluss auf die anderen. Nur Franky will das wohl nicht ganz wahrhaben.“ Sie bogen gerade um eine Ecke die zu einer weiteren langen Passage führte in deren Mitte die zweite Treppe befand als sie zu ihrer linken eine hitzige Diskussion mitbekamen. Die Diskussion ging zwischen zwei Jugendlichen. Der eine war vielleicht ein oder zwei Jahre älter als Stefan und ungefähr so groß wie er und hatte dunkelblonde Haare und blaue Augen die seinem hitzigen Gegenüber nun aufmerksam und besonnen entgegenblickten. Der Andere war einen Kopf kleiner als Stefan hatte hellblonde haare braune Augen und war von muskulöser Statur.
„Und ich sage dir Julius, wir brauchen dieses verdammte Sozialprojekt nicht. Wir sind bisher ganz gut allein zurechtgekommen und werden es auch weiterhin, also setz endlich verdammt noch mal ein Zeichen und spray die blöde Wand an!“ fauchte der kräftige Kerl den Schlanken an. „Ah, wenn man von den werten Herren spricht.“ Gab Fritz gut hörbar und betont lässig von sich. „Na Franky wieder mal am Stänkern beim richtigen Chef?“ Franky drehte sich zu dem Kleinen, stapfte auf ihm zu packte ihn am Kragen und zog ihn bedrohlich nahe an sich heran. „Vorsicht Fritzchen, irgendwann werde ich nicht mehr über deine armseligen Sprüchen lachen können.“ knurrte der kräftige Junge düster. Stefan baute sich schnell zwischen Franky und Fritz auf und bohrte Franky seinen Daumen und Zeigefinger so geschickt in dessen Handgelenk das dieser schmerzverzerrt Fritz loslassen musste. „Ach ich denke da kann Fritzchen beruhigt sein, für den Fall hat er ja noch mich da.“ Gab Stefan ruhig aber entschlossen zur Antwort. „Und wer bist du?“ Zischte Franky verächtlich der sich noch immer die Hand rieb. „Der Freunde ist’n Neuer. Sag mal wie heißt’n du überhaupt?“ Wollte Fritz jetzt erst wissen. „Ich bin Stefan.“ Antwortete er ruhig. „Ist mir egal wer der ist wir brauchen nicht noch einen Neuen“, knurrte Franky. „Franky du kennst die Richtlinien der verlorenen Kinder der Weißspornarkaden! Wir weißen niemanden ab!“ mischte sich nun auch Julius ein. „Na schön soll er halt bleiben.“ Gab Franky missmutig zurück. „Aber du solltest mir besser nicht in die Quere kommen Typ“ gab Franky Stefan grimmig zu verstehen und tippte ihn dabei mehrmals auf die Brust. Dann blickte er kurz über die Schulter zurück zu Julius und sagte „Und du Julius überlege dir gut was ich dir gerade gesagt habe.“ Dann zog Franky wütend ab. „Bitte verzeih Franky seine ungehaltene Art. Er ist schon recht lange hier und ist wie ich nur besorgt um unser ´kleines Reich` nur teilen wir nicht die Ansicht wie man es schützen sollte er denkt mir meiner Meinung nach zu radikal.“ Julius trat zu den Zweien, musterte Stefan aufmerksam fuhr dann Fritz durch die Haare „Na Fritz hast du endlich jemanden gefunden, der dich aus dem Ärger heraus holt, in den du dich gern selber bringst?“ fragte Julius mit einem milden Lächeln. „ Neee meine Suppen löffel ich immer noch selber aus aber einer muss doch den Neuen zeigen wie was hier abläuft und der hier scheint wirklich vernünftig zu sein Julius.“ , antwortete Fritz und wischte dabei Julius Hand von seinem Kopf. „ Hmmm den Eindruck habe ich auch. Aber nun zeig ihm auch wo wir essen, er muss hungrig sein.“ Zwei Tage sind mittlerweile vergangen. Stefan fing langsam an Gefallen an dem Leben in einer Gemeinschaft zu finden. Fritz wich ihm dabei kaum von der Seite, außer er wurde in Gespräche verwickelt oder einer der Beiden wollte, doch mal seine Ruhe haben. In den zwei Tagen hatte Stefan aber auch die Aufmerksamkeit von Franky auf sich gezogen, welcher ihm nicht verzeihen konnte, dass er ihn so vor Julius vorgeführt hatte. Franky hielt immer großen Abstand zu Stefan ließ ihn aber nie aus den Augen. Am dritten Tag hatte Franky dann einen Entschluss gefasst wie er den Neuen hoffentlich loswerden könnte am späten Vormittag erstattete Franky Jessy einen Besuch ab. Jessy saß wieder auf der Mauer und sah gedankenverloren in die Ferne, Franky lehnte sich lässig neben sie gegen die Mauer. „Was willst DU hier!“ Fauchte Tabby verächtlich. „Auch wenn es dich wohl nix angehen dürfte Tabea …“ Über Frankys Gesicht zog sich bei dem Namen ein fieses Grinsen. Er genoss es immer sie zu ärgern wusste aber das sie es nicht wagen würde ihn anzugreifen. „Aber ich möchte mit deiner Chefin sprechen.“ „Franky du solltest mittlerweile wissen, dass ich es nicht mag, wenn du mich so nennst Tabby und ich sind Freundinnen klar?“ Jessy blickte ihn ernst und durchdringend an. Ihre Stimme verriet ihm das er seine Worte nun besser wohldurchdacht wählen sollte. „Außerdem wer sagt dir das ich mit DIR sprechen will“ Während Jessy die Worte aussprach, blickte sie schon wieder abwesend in die Ferne. Tabby fragte sich manchmal was Jessy durch den Kopf ging, wenn sie auf der Mauer saß aber sie ließ ihr diese Privatsphäre. Franky sagte nun mit betonter Gleichgültigkeit: „Eigentlich wollte ich dich ja nur warnen, aber wenn es dir egal ist das du in eine soziale Einrichtung kommst meinetwegen.“ Er machte ein paar Schritte von der Mauer weg als wolle er gehen. In diesem Moment sprang Jessy von der Mauer und hielt ihn an der Schulter fest. „Was sagst du da?“, fragte sie ihn erschrocken. Franky führte Jessy wieder zur Mauer und zeigte auf Stefan der sich gerade unten mit Fritz und ein paar anderen Kindern unterhielt. „Siehst du den Typ da?“ Jessy nickte wortlos und Franky konnte genau erkennen, dass sie Stefan gründlich musterte. „Der Kerl schnüffelt hier rum. Ich denke, er assistiert den Leuten von diesem Sozialprojekt.“ Jessys Gesichtszüge entspannten sich. „Soll er doch. Was geht mich das an?“
In Frankys Augen funkelte nun etwas Durchtriebenes. „Er fragte auch nach dir.“ Franky versuchte Jessys Gesicht zu lesen und die zusammengezogene Stirn verrieten ihm das seine Worte ihre Wirkung zeigten, also setzte er nach. „Mensch Mädchen versteh doch die Leute von dem Projekt wollen uns nicht helfen. Sie sagen das als Vorwand um uns nur in irgend so ein Heim zu stecken und der da soll, uns aus spitzeln und du stehst ganz oben auf seiner Liste.“ Jetzt nahm Jessys Gesicht wütende Züge an. „Dazu wird es nicht kommen.“ In Jessys Stimme lag kalte Entschlossenheit während sie Stefan weiterhin musterte. „Tabby lass dir von Franky zeigen, wer Probleme macht und hetz meine Babys auf diesen Teufel!“ Franky triumphierte innerlich, zeigte Tabby Stefan und ging dann in Richtung Julius Revier. Er wollte nicht mit dem Vorfall in Verbindung gebracht werden.
Stefan hatte sich gerade aus einem wortreichen Gespräch mit Fritz und ein paar anderen Kindern gelöst und wollte es sich auf der Treppe bequem machen, als er über sich lautes bedrohliches Gebelle hörte was schnell näherzukommen schien. Er blickte über sich um und sah wie die zwei Hunde sich schon auf der letzten Treppenebene befanden und auf ihn zu steuerten, er konnte noch im letzten Moment die Stufen über ihn erfassen und sich daran hochziehen so das Jacko und Horst die gerade zum Sprung ansetzten ins Leere segelten. Diesen Moment nutzte Stefan aus, er ließ sich fallen und verpasste beiden Tieren einen Tritt, der sie ein Stück von ihm weg fliegen ließ. Er wollte sie nicht verletzen aber ihnen zeigen, dass es nicht gut ist sich mit ihm anzulegen. Doch Horst der Pitbull ließ nicht locker. Er setzte erneut zum Sprung an bekam, diesmal aber Stefans Faust auf die Nase geschlagen und zog erschrocken ab. Das Glück war eindeutig auf seiner Seite, er wusste zwar das die Nase bei vielen Tieren ein sehr empfindliches Organ war, aber dass das Timing und die Genauigkeit so perfekt stimmten, dass musste er sich eingestehen war pures Glück. Nun taten die Tiere ihm aber trotzdem Leid, denn auch sie waren ja nur Mitglied dieser Gemeinschaft also suchte er etwas zu Essen und warf es ihnen vor die Füße. Sie nahmen es dankbar an.
Stefan stapfte entschlossen die Treppe hinauf, er wusste genau wem er diesen Angriff zu verdanken hatte aber er wollte nun noch herausfinden warum. Er ging zielstrebig auf Jessy zu, die ihn recht überrascht ansah. Tabby stellte sich ihm in dem Weg, sie wollte ihn zwischen die Beine treten aber er drehte sich zur Seite und sie trat ins Leere. Noch in seiner Ausweichbewegung presste er ihr fest seinen Daumen zwischen Hals und Schulter und erwischte genau den Nerv, den er treffen wollte. Die Schmerzen zwangen Tabby in die Knie. „Ich will keinen Ärger also mach es dir an deinem Stammplatz bequem“, sagte Stefan tonlos und sah Tabby dabei direkt und bestimmt in die Augen. Jessy nickte und Tabby gab Ruhe. „Meine Babys würden etwas anderes sagen, könnten sie sprechen.“ Gab Jessy spitz zurück. „Wenn zwei wütende Hunde die andere als Kampfhunde bezeichnen würden mich angreifen, muss ich mich zur Wehr setzen.“ er blickte ihr tief und ernst in die Augen. „Aber keine Sorge es geht ihnen gut. Sie essen gerade und wissen für die Zukunft das ich tabu bin.“ Stefan verschränkte die Arme vor der Brust. „Könntest du mir nun bitte erklären, was das sollte?“ „Einem Spitzel vom Sozialamt erkläre ich nichts.“ Gab Jessy trotzig zurück. Stefan war verwirrt. „Ich ein Spitzel vom Sozialamt? Findest du nicht das ich zu jung bin, um für die zu arbeiten?“ Jessy dachte einen Moment lang nach, hatte dann doch aber eine Erklärung dafür parat. „Vielleicht hat man dich ja angeworben das du quasi freiberuflich für die aktiv bist denn Spitzel gibt es in jeder Ebene der Gesellschaft.“ „Pah du spinnst doch! Ich bin ein Straßenkind genau wie ihr auch. Ich will selber in kein Heim gesteckt werden und tue so einen Scheiß auch keinen anderen an, ist das klar? Ha und ich habe dich für cleverer gehalten, na so kann man sich eben täuschen.“ Jessys Augen wurden groß. „Du hast also nix mit dem Sozialprojekt oder deren Vertretern zu tun?“ Stefan war leicht genervt „Wie oft denn noch? NEIN! Wie kommst du nur auf so einen Mist?“ Jessy senkte den Kopf, strich sich die Haare nach hinten. „Verdammt dann hat Franky mich also reingelegt“, sagte sie verärgert. Dann legte sie eine Hand auf Stefans Schulter und reichte ihm die andere zum Handschlag. „Es tut mir leid, dass ich dir nicht vertraut habe du scheinst in Ordnung zu sein.“ Jacko und Horst kamen herauf getapst und schmiegten sich kurz an Stefan bevor sie sich links und rechts neben Tabby niederließen. Jessy die das Szenario mitbekam, ergänzte dann „Ok jetzt WEIß ich das du in Ordnung bist.“ Stefan erwiderte den Handschlag und antwortete: „Gut doch das nächste Mal, pass besser auf wen du vertraust.“
Anschließend lief Stefan in Richtung Julius Revier. Er hatte Fragen und hoffte das Julius ihm diese beantworten könnte, denn dieser Franky würde wohl nichts verraten. Als Stefan Julius fand, erklärte er ihm was geschehen ist. Julius schien wenig verwundert, wurde während der Schilderungen aber immer ernster. „Ich hätte es wissen müssen Franky kann sehr nachtragend sein und du hast ihn am ersten Tag schon vor mir blamiert, außerdem konnte er so noch mal Missgunst gegen das Sozialprojekt streuen aber, das er so weit geht, hätte nicht einmal ich gedacht.“ Stefan dachte nach. „Sag mal Julius, ich habe seit ich hier bin schon oft gehört wie dieses Sozialprojekt erwähnt wurde und das die Meinungen darüber sich spalten, aber ich weiß immer noch nicht was es damit auf sich hat.“ Julius erklärte Stefan das es sich bei dem Sozialprojekt um ein Projekt der Stadt handelt, in dem die Straßenkinder umgesiedelt werden sollten. Die Kinder würden nicht einfach in ein Heim gesteckt. Sie bekämen einen eigenen Platz, in dem sie so leben konnten, wie bisher, nur das sie dort eben nicht mehr die Passanten belästigen würden, die in der Passage einkaufen wollten. „Beide Seiten hätten dann ihre Ruhe“, sagte er. „Wir würden nicht mehr als Schnorrer beschimpft und die Leute nun sie müssten sich nicht mehr an uns stören.“ Bei diesen Worten zuckte er mit den Schultern. Julius erklärte weiter, dass der neue Platz in der Nähe einer Sozialstation wäre, die vielen obdachlosen Kindern Hilfe und Unterkunft anbieten. Niemand wäre gezwungen in die Station zu gehen. Ab und zu würden sich ein paar freiwillige Mitarbeiter der Station dort blicken lassen um zu schauen, ob jemand irgendwie Hilfe benötigt aber sie würden sich nicht einmischen nur beraten oder helfen falls notwendig.
„Nun weißt du über das Projekt Bescheid. Wie du schon sagtest, ist die Meinung geteilt. Ein Teil ist dafür, ein Teil dagegen und ein paar Leuten ist das Projekt egal sie folgen einfach der Mehrheit. Franky ist dagegen. Er sagt, dass er nicht daran glaubt, dass man uns in Ruhe lassen würde aber ich denke, er hat einfach nur Angst das ein neuer Ort auch neue Machtverhältnisse bedeuten könnten. Er drängt darauf das ich mit einem Schmähgraffitti ein Zeichen gegen das Projekt setzten soll. Jessy enthält sich noch der Stimme. Sie ist sich nicht sicher was der Umzug für unsere Gemeinschaft wirklich bedeuten würde.“ „Ach deswegen starrt sie immer auf die Wand gegenüber der Passage sie weiß was Franky von dir erwartet.“ „Ja“, antwortete Julius ernst.
„Und du? Was hältst du von dem Projekt?“ Julius senkte den Kopf und raufte sich die Haare, seine Stimme klang nachdenklich als er antwortete: „ Ich....kann die Kinder verstehen die Zweifel haben. Viele sind von zu Hause weg gelaufen um vor den Entscheidungen und Bestimmungen über ihr Leben zu entfliehen, oder weil sie aus einer kaputten Familie rauswollten und sie haben nun Angst das dies `Sozialhelfer` sie in ein Heim oder Pflegefamilien stecken wollen, wo doch wieder über sie bestimmt wird. Aber ich habe eine jüngere Schwester Cynthia heißt sie und ist 11 Jahre alt, sie lebt auch in unserer Gemeinde. Ich muss vor allem an sie denken. Es wäre gut, wenn hin und wieder ein Erwachsener auch nach ihr sieht und sie jederzeit die Möglichkeit auf ein richtiges Bett hat. Wir würden ja trotzdem noch unabhängig bleiben, darum bin ich für das Projekt.“ Das Gespräch der Beiden wurde jeher unterbrochen als Tom ein 13-jähriger Junge aus Jessys Lager aufgeregt zu Julius kam.
„Julius Cynthia ist bei der westlichen Treppe gestürzt! Es sieht wirklich übel aus!“ Alle drei rannten sofort zu der erwähnten Treppe wo sich bereits eine Traube an Kindern gebildet hatten. Sie ließen die Drei durch als diese ankamen. Eine tiefe klaffende Wunde am Hinterkopf ließ Blut auf dem Boden unter Cynthia fließen. Stefan erkannte sofort das jede Hilfe zu spät kam da ihr Brustkorb sich nicht mehr hob und senkte und die Blutlache schon zu groß war. Julius der neben Cynthia kniete, hob behutsam ihren Kopf an, seine Hände zitterten. Tonlos fragte er „Wie ist das passiert!“ Von hinten konnte man aus der Menge die Stimme von Franky hören „Es war ein Unfall Julius zwei Jungs haben sich gestritten um dieses verfluchte Projekt. Aus dem Streit wurde eine Prügelei. Als deine Schwester dazu kam um zu schlichten, erwischte sie ein Ellenbogen unglücklich am Kopf und sie taumelte nach hinten verlor den Halt und stürzte die Treppe hinunter. Julius dein Verlust ist schlimm aber du musst der Unsicherheit ein Ende setzten sonst passiert noch Schlimmeres.“ Julius konnte noch den Kopf seiner Schwester behutsam niederlegen bevor er wütend die Treppe hinauf rannte Franky am Kragen packte und ihn mit voller Wucht gegen die Wand drückte. „Du wagst es in dieser Situation erneut so anstandslos deine Forderung an mich zu äußern?“, schrie er Franky an und ballte seine Faust, die er nun zum Schlag ausholte. Stefan eilte dazu und hielt Julius davon ab Frankys Gesicht zu verunstalten. „Julius, auch wenn ich diesen Idioten nicht besonders mag, aber das hätte deine Schwester doch sicher nicht gewollt. So wird sie dich sicher auch nicht gekannt haben.“ Versuchte Stefan Julius zu beruhigen. Julius atmete schnell. Stefan der ihn mit einer Hand am Brustkorb und der anderen am rechten Oberarm versuchte von Franky wegzuziehen spürte deutlich wie Julius Herz rarste und der Oberarm vor Anspannung zitterte. Tränen rannen aus Julius Augen, doch trotz der Tränen war eindeutig tiefe unbändige Wut in seinem Blick zu erkennen. Stefan wusste genau, würde Julius jetzt zu schlagen wäre Franky ausgeknockt. Nur mühsam schaffte es Stefan, Julius von Franky wegzuziehen und er brauchte viele beruhigende Worte um ihn wieder so weit herunterzuholen, dass er sich zumindest wieder etwas beruhigen konnte. Er gab Julius Trost so gut er konnte und als sich dieser langsam wieder gesammelt hatte sagte Stefan: „Niemand kann sich vorstellen wie du dich jetzt fühlen musst aber umso wichtiger ist es jetzt das du nichts Unüberlegtes tust. Vor allem da jetzt einige deine Situation ausnutzen werden, um dich für ihre Sache zu gewinnen. Für viele stehst du jetzt im Mittelpunkt des Geschehens, jeder wird genau darauf achten wie du nach dieser schlimmen Situation reagieren wirst. Ich bitte dich um deiner Schwesterwillen bleib stark und lasse dich nicht beeinflussen. Bitte lasse dich nicht zu einer unüberlegten Tat hinreißen“. Es fiel Stefan schwer Julius zu diesem Zeitpunkt und in diesem Zustand allein zu lassen, aber er war sich einfach zu sicher, dass die Vorkommnisse folgen haben würden und er hatte eine Ahnung, der er unbedingt unauffällig nachgehen musste. Vorher holte er sich noch Julius Einverständnis den Todesfall von Cynthia den Behörden zu melden damit sie ein anständiges Begräbnis erhalten sollte.
Am Nachmittag des darauffolgenden Tages passte Stefan einen Moment ab, in dem alle anderen mit sich beschäftigt waren, um sich von den Weißspornarkarden zu entfernen. Er suchte die Polizeizentrale der Stadt auf und trat ohne zu klopfen in das Büro von Hauptkommissar Kramer ein. „Manche Dinge ändern sich wohl nie und du hast immer noch die lästige Angewohnheit nicht anzuklopfen wie Stefan?“ Der Hauptkommissar ließ die Akten auf den Tisch fallen dir gerade noch in seinen Händen hielt und lehnte sich entspannt in seinen Bürostuhl zurück als Stefan im gegenüber Platz nahm. „Du kannst froh sein das ich nicht gerade an einem Fall dran bin und somit Zeit für dich habe. Also erzähl mir, weswegen suchst du mich auf?“ Hauptkommissar Kramer und Stefan verband eine langjährige Zweckkooperation. Es fing alles mit einem Banküberfall an, in einer Straße in der auch Stefan gerade herumlungerte. Die damaligen Zeugenaussagen waren eher ungenau und wenig hilfreich da fiel Kramers Blick auf diesen Jungen, der entgegen der Angewohnheit der anderen Neugierigen, sich eher in den Hintergrund drängte und nicht auffallen wollte. Das Treiben schien dem Jungen egal zu sein doch sein Blick verriet Kramer, dass der Junge etwas wusste. Mit viel Geduld und den richtigen Worten konnte er dem Jungen wertvolle Informationen entlocken, die zum Ergreifen der Bankräuber führten. Seit damals suchte er Stefan immer wieder in zivil auf, wenn er Informationen bei großen Delikten benötigte. Er wusste kleine Fische wie Diebe, die sich einfach nur über Wasser halten wollten, würde Stefan nicht verpfeifen aber auch Stefan hatte etwas gegen Drogen in seinem Revier oder wenn Gewalt mit im Spiel war. Als Gegenleistung sorgte Kramer dafür das Stefan von der Polizei unbehelligt blieb, um die Vertrauensbasis aufrechtzuerhalten. „Herr Hauptkommissar ich benötige ihre Hilfe bei einem Todesfall von einem Mädchen!“, sagte Stefan mit ernstem Blick. „Nun wenigstens hast du bei der Anrede dazu gelernt.“ Gab Kramer zurück. Stefan ignorierte die spitze Bemerkung und fuhr mit seinem Anliegen fort. „Gestern Abend wurde der Tod eines Mädchens bei den Weißspornarkaden gemeldet. Ist das richtig?“ „Ja genau!“ Antwortete der Hauptkommissar verblüfft. „Doch was hast du damit zu tun?“ „Wohin wurde das Mädchen gebracht?“ Fragte Stefan hektisch. Die Miene des Hauptkommissars wurde nun ernst und er beugte sich nach vorn über seinen Schreibtisch und sah Stefan eindringlich an. „Ich möchte wissen, was du damit zu tun hast!“ Wiederholte Hauptkommissar Kramer seine Frage noch einmal langsam und eindringlich als Aufforderung. „Ich war der Melder. Aber ich glaube, dass irgendetwas nicht stimmt. Bitte lassen Sie die Leiche umgehend auf Blutergüsse untersuchen.“ Kramer kam der Bitte des Jungen nach. Er veranlasste telefonisch die Untersuchung. Während sie eine Stunde auf die Resultate warteten, schilderte Stefan dem Hauptkommissar die Ereignisse der letzten Tage. „Du vermutest also, der Unfalltod des Mädchens war kein Unfall?“ Fragte Kramer ernst. „Ich bin mir nicht sicher, aber wenn ich richtig liege müssten da handgroße Blutergüsse auf ihren Oberkörper sein und keine kleinen von einem Ellenbogen.“ „Dann müssten wir aber die Ermittlungen aufnehmen.“ Erwiderte der Hauptkommissar nachdenklich. „Das würde den Kindern aber nur schaden. Außerdem haben die meisten von denen ohnehin schon kein Vertrauen in den Staat und seine Beamten. Mir trauen sie mittlerweile eher über den Weg. Ich bitte sie ermitteln sie von hier aus und lassen sie mich vor Ort Augen und Ohren sein!“ Stefan war sichtlich nervös, er hatte das Gefühl die anderen verraten zu haben, dabei wollte er doch nur das Richtige tun. „Nun warten wir erstmal das Ergebnis der angeordneten Tests ab.“ Versuchte Hauptkommissar Kramer zu beruhigen. Kurz darauf klingelte das Telefon und nach wenigen Minuten legte Kramer auch schon dankend auf. Er stand auf und ging in seinem Büro hin und her Stefan folgte seinen Schritten mit aufmerksamem Blick. „Also die Leute aus der Leichenhalle klangen recht überrascht als sie mir die Ergebnisse mitteilten.“ Begann Kramer ernst. „Sie gingen anfangs wie gemeldet von einem Unfall aus. Aber die Blutergüsse, die sie fanden, wiesen eindeutig auf Vorsatz hin. Allerdings gab es vier Abdrücke auf ihren Oberkörper wovon 2 Abdrücke den Schluss zulassen das jemand versuchte sie wiederzubeleben und die Sanitäter können wir ausschließen da der Tod beim Eintreffen bereits festgestellt wurde.“ Kramer blieb neben dem Stuhl von Stefan stehen lehnte sich an den Schreibtisch und sah Stefan fragend an. „Ist dir etwas aufgefallen oder warst vielleicht sogar du....?“ Stefan unterbrach ihn sofort: „Nein es herrschte so ein Chaos, das ich nichts mitbekam, aber ich muss gestehen ich hatte bereits dieselbe Vermutung wie sie andeuten. Wer auch immer das getan hat, er hat seine Tat unmittelbar danach bereut und versucht es rückgängig zumachen aber ohne Erfolg und hat das Chaos genutzt, um sich zu verbergen.“ „Mir gefällt die Sache nicht so wie du es schilderst, wird noch mehr Chaos entstehen.“ Kramer verschränkte nachdenklich die Arme und blickte Stefan ernst an. „Wir müssen unserer Pflicht als Ermittler nachkommen.“ Sagte er entschlossen. „Aber ich bitte sie ermitteln sie erst einmal von hier lassen sie mich vor Ort mich umschauen. Mir vertrauen die Kinder, ich kann vor Ort mehr erfahren als sie.“ Der Ermittler seufzte: „Aber du bist kein Polizist Stefan und das ist nun einmal Polizeiarbeit. Ich weiß, du willst die Kinder schützen und nur das Richtige tun aber.....“ Wieder fiel Stefan dem Beamten ins Wort: „Sie haben mich schon so oft als Spitzel benutzt, warum nicht auch jetzt? Befragen sie einfach mich als Stellvertreter für die anderen.“ Der Polizist schwieg und dachte angestrengt nach. Ihm gefiel die ganze Geschichte eindeutig nicht. Nach unerträglich langen 2 Minuten gab er dann seufzend nach: „Na schön ich lasse dir den Spielraum aber wir werden, wenn es notwendig wird einschreiten!“ „Ich danke ihnen!“, antwortete Stefan erleichtert und schüttelte euphorisch Kramers Hand. Als Stefan wieder bei den Arkaden ankam, suchte er umgehend Fritz und Julius auf. Fritz teilte ihm mit, dass fast alle Julius ihr Beileid ausgedrückt haben. „Sogar die grimmige Tabby hat mal ihre harte Schale abgelegt.“ Meinte Fritz anerkennend. „Nur Franky der Arsch hat sich nicht mehr bei uns blicken lassen. Hat wohl vermutlich Angst das ihn dann nichts mehr vor Julius schützt, wenn du nicht da bist.“ sagte Fritz grinsend und ging runter zu den Anderen. Stefan trat zu Julius. „Wie geht es dir?“ Fragte Stefan und ärgerte sich sofort darüber. Er hielt die Frage nach so einem Schicksalsschlag für die dümmste Frage schlechthin und erhielt auch die passende Antwort. „Wie soll es mir schon gehen?“ Antwortete Julius kraftlos. Er war bleicher als sonst und starrte apathisch auf seine Hände, die wieder sauber waren, nachdem sie noch vor einem Tag blutüberströmt den verletzten Kopf seiner toten Schwester gehalten hatten. „Jeder fragt mich, seit sie auf der Treppe lag, wie es mir geht oder ob man mir helfen könne. Aber keiner kann mir dabei helfen meine Schwester wieder lebendig zu machen. Ich war, ihr älterer Bruder sollte immer für sie da sein und konnte sie doch nicht schützen.“ Er schlug vor Wut auf die Terrassenbrüstung. „Und das alles nur wegen dieses dummen Projekts.“ Stefan nahm all seinen Mut zusammen, er wusste nicht wie Julius auf die folgende Frage reagieren würde. „Julius stehst du immer noch zu dem Sozialprojekt?“ Julius drehte sich zu Stefan um, trat dicht an ihn ran schaute ihn tief in die Augen. „Der Tod meiner Schwester, ändert nichts an meiner Einstellung zu diesem Projekt, denn sie teilte meine Ansichten.“ Sagte er ernst. „Dann mach was Franky gesagt hat, setze ein endgültiges Zeichen was jeder sehen kann.“ Für eine Sekunde lächelte Julius, schaute dann aber wieder trostlos drein. „Ich verstehe, was du meinst aber was soll ich sprayen?“ „Du sagst, deine Schwester teilte deine Ansichten? Dann setz ihr ein Denkmal.“ Stefan wollte Julius noch fragen, ob er vor dem tödlichen „Unfall“ Franky gesehen hatte aber er erinnerte sich an Julius Wutausbruch gegenüber Franky und wollte vermeiden das Julius Franky etwas antut. Stefan war der Meinung, dass Justiz doch besser nicht selber ausgeführt werden sollte. Stefan wollte auf Nummer sicher gehen und Franky im Auge behalten, denn falls Franky wirklich wie vermutet mit Schuld am Tod von Cynthia war, wollte Stefan verhindern, dass er auch anderen Schaden zufügen würde. Franky war nirgends zu entdecken und daher versuchte Stefan missmutig etwas Schlaf zu finden, denn er wusste, dass er in den nächsten Tagen noch viel zu tun hatte und nur wenig Zeit dafür hatte. Es war Nacht alle schliefen manche unruhig, andere friedlich, nur einer war entschlossen seine Aufgabe voranzutreiben und ging mit mehreren Spraydosen auf die Wand gegenüber der Arkaden zu. Schliefen wirklich alle außer Julius? Jessy beobachtete aufmerksam und nachdenklich von ihrem Stammplatz aus wie Julius Werk voranschritt. Sonnenstrahlen kündigten den neuen Tag an und an der erwähnten Hauswand war in hellen wunderschönen Farben Cynthia zu sehen mit Flügeln den Zeigefinger nach links ausgestreckt. „Sie will wohl in eine neue Zukunft zeigen.“ Sagte ein Kind, dass das Werk bestaunte. „Unsinn dort wo sie hinzeigt, soll der neue Platz sein, wo man uns hinschicken will.“ Erwiderte ein anderes Kind. Stefan trat zu ihnen und wuschelte ihnen durch die Haare „Vielleicht trifft ja sogar beides zu, auf jeden Fall sieht das Graffiti sehr gelungen aus.“ sagte er und strahlte dabei zufrieden. Bevor Stefan sich Jessys Revier zuwenden wollte, fragte er die Kinder noch ob sie wüssten, wo Tom, der Junge der Julius und ihn zu dem Unfall führte, sei. Die Kinder zeigten Richtung Treppe und tatsächlich stand Tom gleich vor der Treppe und unterhielt sich mit ein paar anderen Kids. Als Stefan Tom erreichte, fragte er ihn: „Hey Tom weißt du noch ob du als der tragische Unfall mit Cynthia passiert ist Franky in der Nähe der Treppen gesehen hast?“ Tom dachte angestrengt nach dann sagte er langsam als erinnere er sich wieder: „Ja ich glaube er lief als ich dazu kam von der Treppe weg, aber ich kann dir wirklich nicht mehr genau sagen, ob er an dem Streit beteiligt war.“ Stefan bedankte sich und schritt die Treppe hinauf zu Jessy. Jessy nickte Stefan freundlich zu, doch sie wirkte müde. „Hallo Stefan! Du willst zu mir?“ fragte sie freundlich. „Ja. Du warst doch vorgestern auch an der Treppe wo Cynthia gestützt ist, nicht wahr?“ Jessys Lächeln wich erkennbarer Nervosität und Stefan erinnerte sich das sie genauso schaute, als er sie in der Menge an der Treppe sah. Nun wusste er das er sich bei Hauptkommissar Kramer geirrt hat. Es war nicht der Täter, der Julius Schwester wiederbeleben wollte. „Du weißt doch schon die Antwort auf die Frage.“ Antwortete sie aufgeregt. „Ja das schon...“ Erwiderte Stefan „aber ich wollte von dir wissen hast du eventuell Franky auch dort gesehen?“ Jessys Augen wurden größer. Stefan konnte erkennen wie sich ihre ganze Haltung anspannte, auch ihre Hunde bekamen das mit und hoben aufmerksam die Köpfe. „Ich weiß nicht, wovon du redest.“ Nervosität lag in der Stimme der sonst so taffen jungen Frau. „Ich denke, du weißt sehr gut, wovon ich rede.“ hakte Stefan nach. „Ich glaube sogar, dass du Cynthia noch retten wolltest!“ Stefans Stimme war auf Konfrontation geschaltet, er schaute Jessy tief und herausfordernd an. Sie tat ihm leid schließlich wusste er das sie nichts Böses im Sinn hatte aber er brauchte dringend Antworten, wenn er Schlimmeres verhindern wollte. „Ich kann dir keine Antwort darauf geben du kennst Franky nicht. Du weißt nicht, wozu er fähig ist, wenn er in die Ecke getrieben wird und ich denke jetzt solltest du besser nicht weiter fragen. Tabby kannst du bitte Stefan freundlich von hier weg bitten?“ Stefan verabschiedete sich noch bevor Tabea sich mühevoll erheben konnte. Stefan lehnte sich gerade an eine Wand am anderen Ende des Fußgängerbereichs, um seine Gedanken neu zu ordnen als ihm ein ihm bekannter Passant auffiel der mit einem fast leeren Einkaufswagen den nahegelegenen Parkplatz ansteuerte. Er vergewisserte sich das er unbeobachtet war und passte den Mann ab.„Kramer sie haben mir ihr Wort gegeben das sie sich vorerst zurückhalten“, sagte Stefan wütend. Der Hauptkommissar grinste nur frech. „Aber irgendwie muss ich dich doch über eine neue Wendung in der Geschichte informieren.“ „Eine neue Wendung?“ Kramer hatte nun Stefan voll und ganz neugierig gemacht. „Was für eine neue Wendung?“, fragte er ungeduldig. „Nun nachdem ich mir deine Geschichte aufmerksam angehört habe kam ich zu dem Entschluss ein paar Leute, um die Arkaden zu postieren, die in zivil nur die Einkaufspassage im Auge behalten sollte mehr nicht.“ Stefan unterbrach ihn aufgebracht „Sie haben sich nicht an unsere Abmachungen gehalten.“ „Lässt du mich mal bitte ausreden?“ Forderte Kramer ihn in Ruhe auf. „Erstens ich habe versprochen die Kinder vorerst in Ruhe zu lassen und hast du irgendjemanden von uns bemerkt? Nein! Zweitens und das ist der wichtigere Teil. Hast du dich nicht gefragt, wo dieser Franky plötzlich abgeblieben ist? Nun nach deinem Gesichtsausdruck zu urteilen hast du das. Wir hatten ja eine Beschreibung aller Personen von dir und haben ihn in der Innenstadt gefunden. Er unterhielt sich mit einigen zwielichtigen Gestalten. Wir sind nicht eingeschritten da wir sie auf frischer Tat ertappen müssen, aber dieser Franky plant etwas soviel steht fest.“ Stefan hörte aufmerksam zu. Was er da hörte, bestätigte seine Vermutung trotzdem wollte er die Bestätigung das auch der Hauptkommissar so dachte. „Herr Kramer sie glauben auch das Franky Schuld am Tod von Julius Schwester ist stimmts?“ Der Kommissar seufzte und nickte. „Nur durch Vermutungen können wir leider keinen Kriminellen verhaften wir brauchen Beweise oder wenigstens Zeugen.“ Stefan musste an die Aussage von Jessy über Frankys Gemütszustand denken. „Herr Kramer halten sie und ihre Männer sich bitte unauffällig in meiner Nähe bereit. Ich denke, sie werden bald schon ein Geständnis bekommen.“ Der Hauptkommissar runzelte die Stirn „Mir gefällt das nicht. Du hast doch bestimmt irgendeine Dummheit vor.“ Stefan lächelte vielsagend „Keine Sorge Herr Hauptkommissar, wenn sie und ihre Kollegen das Geld wert sind, dass der Steuerzahler täglich zahlt, dann bin ich doch in sicheren Händen.“ Diesen Seitenhieb konnte sich Stefan nicht entgehen lassen. Am späten Abend schlich sich Franky an der westlichen Treppe hinauf. Doch am oberen Ende versperrte ihn Stefan mit verschränkten Armen den Weg. „Was willst du hier?“ Fauchte Franky Stefan an. „Lass mich gefälligst durch.“ „Es stimmt also was immer gesagt wird. Die Täter kommen immer ein zweites Mal an dem Tatort zurück!“ sagte Stefan vorwurfsvoll. „Was soll das heißen?“ Fragte Franky grimmig. „Ach komm nun tu doch nicht so dämlich wie du aussiehst Franky. Die Schlinge um deinen Hals wird enger, ich habe dich durchschaut.“ Franky blieb wie angewurzelt stehen Wut war in seinen Augen zu erkennen. „Es muss dir ja sauer aufgestoßen haben das ein Neuer dich vor Julius blamiert hat, es könnte ja sein das dieser Moment schon der Beginn des Zerfalls deiner Herrschaft über dein Gebiet sein wird.“ fuhr Stefan ruhig fort. „Und was hat das mit Cynthias Unfall zu tun?“ Franky hatte große Mühe seine Wut zu unterdrücken, ´offenbar will er wissen wie viel ich weiß` dachte sich Stefan. „Nun das kann heißen das der Neue tatsächlich für deinen Untergang sorgen kann, in dem er all deine Schandtaten aufdecken kann.“ Stefan machte eine Pause Franky war nicht der Hellste und die Worte sollten wirken. „All meine Schandtaten?“ Fragte Franky grimmig. ´Bingo!` dachte sich Stefan und fuhr entschlossen fort. „Gibt es hier ein Echo? Ja ich rede von dem Mord an Julius Schwester. Du glaubtest, wenn sie aus dem Weg geräumt ist, wäre Julius so gebrochen und beeinflussbar, dass er das Projekt ablehnt. Sie war ein Störfaktor, weil sie Julius in seiner Meinung über das Sozialprojekt bestärkte. Es wird sicher genug Zeugen geben, die dich dort gesehen haben und wenn die Polizei ermittelt und die Zeugen aussagen. Hmmm, das sieht dann nicht gut für dich aus. Wusstest du, dass jede Hand einen besonderen Abdruck hat? Und wenn man kräftig genug nachhilft wie du es getan hast entstehen Blutergüsse, die diesen Handabdruck aufweisen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis man auf dich kommen wird. Ach und die andere Tat, die ich erwähnte. Glaubst du wirklich, dass du unbemerkt von hier abhauen kannst? Ich bin dir gefolgt und konnte dein Treffen mit den Schlägern mitbekommen, die du angeheuert hast, um die Kinder hier einzuschüchtern.“ Stefan sah Franky deutlich an das es nur noch wenige Provokationen dauern würde ehe dieser die Beherrschung verlieren würde. „Wie wohl die anderen reagieren, wenn sie von deinem Sabotageversuch, dem Mord und das du sie versucht hast zu manipulieren erfahren? Was wird Julius wohl mit dir anstellen, wenn er erfährt, dass du der Mörder seiner Schwester bist?“ Franky ballte die Faust, seine Zähne knirschten, er stemmte das linke Bein auf die obere Stufe. Stefan setzte zum beleidigenden Finale an. „Ich muss ja zugeben ich hätte einem Spatzenhirn wie dir niemals so viel Durchtriebenheit zugetraut ich hielt dich dafür zu dämlich. Nur Muskeln kein Hirn.“ Franky sprang Stefan entgegen, presste ihn gegen die Wand und rammte ihm seine Faust in den Magen. „Wage es ja nicht mich zu verraten, sonst wirst du die nächste Leiche auf meiner Liste sein. Die blöde Göre ging mir eh auf den Zeiger. Immer musste sie sich überall einmischen und mir widersprechen. Ich musste sie loswerden, ich konnte ja nicht ahnen, dass das nach hinten losging.“ Franky presste seinen linken Arm fest gegen Stefans Kehle. „Weißt du was? Warum warten? Du wirst mir auch langsam zu lästig.“ Franky kramte mit der Rechten in seiner Hosentasche herum und holte ein Schnappmesser heraus. Gerade als die Klinge herausschnellte, kamen auch schon die Beamten ums Eck der Terrasse gestürmt und nahmen Franky der laut fluchte und schimpfte fest.
Fünf Tage lag die Festnahme von Franky nun zurück Stefan fühlte sich etwas unwohl als er den Julius, Jessy, Fritz, Tabea und den anderen Kindern erzählte, was sie noch nicht wussten. Er hatte das Gefühl, der Spitzel gewesen zu sein, für den Jessy ihn wegen der Aussagen Franky hielt. Er hatte das Gefühl sie verraten zu haben, weil er die Polizei einschaltete ohne das Wissen der anderen. Die Geschehnisse der letzten Tage würden wohl nie ganz vergessen werden.... allein das Graffiti an der Wand würde immer daran erinnern doch rückten jetzt neue Aufgaben in den Vordergrund. Julius, der einfach nur froh, war das, der Mord an seiner Schwester aufgeklärt war und der Schuldige gefunden wurde, trieb die Umsetzung des Sozialprogramms von seiner Seite her voran und die Kinder wurden an einen neuen Ort gebracht. Sie blieben immer noch so unabhängig wie sie es schon in den Arkaden waren, doch nun störten sie keinen und wurden selber nicht mehr blöd angegafft. Sie schienen sich alle schnell in dem neuen Gebiet einzuleben und auch die gelegentlichen Besuche der Sozialbetreuer wurden positiv aufgenommen. Auch in dem neuen Gebiet gab es dieselben Hierarchien wie schon zuvor. Eines Tages kam Jessy auf Stefan zu, der sich gerade mit Fritz unterhielt. Sie gab ihm einen sanften Kuss auf die Wange. „Danke das du mich bei der Sache mit Franky herausgehalten hast.“ Sie schickte sich schon an zu gehen als sie sich noch einmal umdrehte. „Ach übrigens das Gebiet hier ist ja recht groß und in unserer Hierarchie ist eine Lücke entstanden da Franky, nun sagen wir nicht mehr verfügbar ist. Julius und ich sind der Meinung, dass du der Richtige für den Posten wärst. Fritzchen könnte dir ja dabei helfen.“ „Ich fühle mich geehrt“, antwortete er, „Aber ich muss mir das erstmal durch den Kopf gehen lassen.“ „Na gut ich denke ein paar Tage können wir noch überbrücken“, sagte sie lachend und ging. Stefan blickte ihr nach. Er fühlte sich recht wohl in der kurzen Zeit, die er hier war, warum sollte er dann also nicht auch wie Jessy und Julius daran Teil haben, das jeder wer hier herkommen, würde anständig behandelt werden sollte.
Ende


Geschichte Nummer 11254



