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geschrieben von Lushin.
Veröffentlicht: 03.11.2026. Rubrik: Unsortiert

Diese Geschichte wurde vom Autor als ganz oder überwiegend mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt gekennzeichnet.


Das Tofu-Komplott (Die Akustiksteppe)

In der WG von Malte, Sören und Klara herrschte tiefe Harmonie. Ihre Lebensweise war konsequent gewaltfrei, zukunftsorientiert und von tiefem Respekt für die Empfindungsfähigkeit aller Lebewesen geprägt. Sie gehörten zu den Menschen, die eine Stechmücke auf dem Arm erst fertig saugen ließen, um sie danach behutsam zum offenen Fenster zu begleiten.

Doch seit drei Wochen stellte ein neues WG-Mitglied ihre Ethik auf eine harte Probe: Godzilla, eine Venusfliegenfalle, die Sörens noch nicht vollständig dekonstruierte Verwandtschaft ihnen zum Einzug geschenkt hatte.

Die drei weigerten sich, lebendige Stubenfliegen zu fangen, um sie an Godzilla zu verfüttern. Jedes Lebewesen besaß das Recht, nicht für den Nutzen eines anderen instrumentalisiert zu werden. Doch die Natur der Pflanze war nun einmal, wie sie war. Godzilla hungerte. Ihre grünen Mäuler hingen schlaff über den Topfrand.

Am vierundzwanzigsten Tag siegte das pure Mitgefühl.

„Wi müffn fi rethn, Fören! Pflanfn-Fpefiefifmuf ift auch keine Löfung!“ (Wir müssen sie retten, Sören! Pflanzen-Speziesismus ist auch keine Lösung!), nuschelte Malte aufgeregt.

Malte war Veganer in der dritten Generation. Seine Familie lebte so lange gewaltfrei, dass die Evolution einen bemerkenswerten Sprung nach vorne gemacht hatte: Seine Eck- und Schneidezähne hatten sich vollständig zurückgebildet. Stattdessen verfügte er nun auch im vorderen Mundbereich über breite, flache Backenzähne, perfekt optimiert zum hocheffizienten, friedlichen Mahlen von Rohkost. Ein medizinisches Wunder des Pazifismus, das lediglich seine Aussprache von Zischlauten etwas erschwerte.

Sören eilte zum Kühlschrank und holte die Allzweckwaffe der pflanzlichen Küche: Räuchertofu. Mit einem Messer schnitt er ein winziges Klötzchen ab und griff nach einer Pinzette.

Klara, die gerade ihren Soja-Latte umrührte, legte die Stirn in Falten.

„Moment mal. Ist das nicht kulturelle Aneignung?“

Sören hielt inne.

„Was?“

„Na, Tofu. Ein jahrtausendealtes asiatisches Kulturgut. Und wir verfüttern es an eine europäische Moorpflanze, um unser westliches Gewissen zu beruhigen?“

„Die Pflanze stammt aus Nordamerika“, bemerkte Sören.

Klara erbleichte.

„Das macht es ja noch schlimmer.“

Malte mahlte nachdenklich auf seinen vorderen Backenzähnen.

„Ef ift eine Notfituation, Klara. Die Intention ift Nächftenliebe.“

Vorsichtig platzierte Sören den Tofu im größten Maul von Godzilla.

*Klapp.*

Die Falle schnappte zu.

Die drei klatschten gerührt Beifall.

Doch die Freude währte kurz. Godzilla begann zu zittern. Ein leises, pflanzliches Würgen schien durch den Stängel zu gehen. Innerhalb weniger Minuten verfärbte sich die Falle tiefschwarz.

„Sie tritt in den Hungerstreik“, flüsterte Klara.

„Vielleicht verträgt sie das Räucheraroma nicht“, meinte Sören.

„Du willst ihr jetzt auch noch eine Lebensmittelunverträglichkeit absprechen?“

Sören schwieg betroffen.

Die Lage war ernst. Wenn Godzilla in ihrer Obhut starb, war das nicht nur eine persönliche Niederlage, sondern eine moralische Katastrophe für das gesamte Ökosystem der Wohnung.

Nach einer zweistündigen Krisensitzung stand fest: Godzilla musste in die Freiheit entlassen werden.

Ein Stadtpark kam nicht infrage. Zu viele Menschen, freilaufende Hunde und institutionalisierte Eingriffe in natürliche Lebensprozesse.

Sie brauchten einen Ort, an dem Godzilla einfach Pflanze sein durfte.

Um drei Uhr morgens brachen sie auf.

Ihr Ziel war das grüne Innere einer riesigen Autobahnkreuz-Schleife am Stadtrand.

Die Expedition erforderte sorgfältige Vorbereitung. Sie trugen wetterfeste Bio-Baumwoll-Anoraks, führten eine Taschenlampe mit Kurbelbetrieb und eine wiederverwendbare Trinkflasche mit sich. Godzilla reiste in einem Jutebeutel.

Im geeigneten Moment überquerten sie eine leere Abbiegespur und stiegen über die Leitplanke.

Es herrschte ein ohrenbetäubender Höllenlärm. Die Reifen vereinzelter Nacht-LKWs peitschten über den Asphalt. Motoren heulten auf, Druckluftbremsen zischten, und irgendwo schepperte eine lose Metallverkleidung im Takt der vorbeidonnernden Schwertransporter.

Sie waren in einer lebensfeindlichen Akustiksteppe gelandet, einem kargen Ödland aus Beton und Dröhnen.

Und doch war es ein genialer Zufluchtsort.

Inmitten des asphaltierten Kurvenradius erstreckte sich eine beispiellose, unfreiwillige Wildnis. Kein Spaziergänger, kein Hundebesitzer, kein Landschaftsgärtner hatte hier etwas verloren. Seit Jahrzehnten wucherte die Vegetation ungestört zwischen den Fahrbahnen.

Es war ein vergessenes Biotop, in dem statistisch gesehen weniger los war als an der berüchtigten Rupal-Wand am Nanga Parbat.

In ihren Bio-Baumwoll-Anoraks duckten sie sich ins Unterholz. Nach einer längeren Suche fanden sie ein Fleckchen feuchter Erde, das Klara für ausreichend ursprünglich erklärte.

Sören grub mit einem mitgebrachten Holzlöffel ein kleines Loch.

Behutsam setzten sie Godzilla hinein.

Malte kniete nieder. Ein vorbeirasender Sattelschlepper ließ den Boden erzittern.

„Werd glüchlif in der Wildnif!“, brüllte er gegen das Dröhnen an und wischte sich eine Träne von der Wange. „Fuch dir fette, freilaufende Bio-Fliegen!“ (Such dir fette, freilaufende Bio-Fliegen!)

Klara legte ihm eine Hand auf die Schulter.

Dann kehrten sie schweigend zur Leitplanke zurück.

Godzilla blieb allein in der Akustiksteppe. Ihre geschwärzte Falle hing schlaff im Fahrtwind. Aus dem Inneren drang noch immer ein schwacher Geruch nach Räuchertofu.

Ein Vierzigtonner donnerte vorbei.

Godzilla wartete auf eine Fliege.

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Geschichte Nummer 11273

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