Veröffentlicht: 30.10.2026. Rubrik: Unsortiert
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Dancer in the Dark – Eine unerträglich optimistische Zumutung
ine alleinerziehende Mutter verliert ihr Augenlicht, wird bestohlen, von der Justiz zermalmt und schließlich hingerichtet.
So weit, so gut.
Dabei muss man Lars von Trier zugutehalten, dass ihm mit der gesamten Sequenz vom Diebstahl bis zum Tod des Polizisten eine der grandiosesten Szenen der Filmgeschichte gelungen ist. Die ausweglose Eskalation, die Verzweiflung, die schier unerträgliche Länge des Geschehens – das ist von einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Eine Szene, die sich tief ins Gedächtnis einbrennt. Meisterhaft.
Umso unverständlicher ist es, dass von Trier am Ende der Mut verlässt.
Die Augenoperation ihres Sohnes gelingt.
Man muss sich das einmal vorstellen. Da wird eine Frau systematisch zugrunde gerichtet, und ausgerechnet das, wofür sie all diese Qualen auf sich genommen hat, soll am Ende funktionieren?
Was für ein sentimentaler Schwachsinn.
Offenbar konnte selbst von Trier es nicht ertragen, seinem Publikum die letzte Hoffnung zu nehmen.
Dabei hätte die Operation scheitern können. Der Chirurg hätte versehentlich das falsche Auge operieren können. Oder der Junge hätte sich nach erfolgreicher Operation auf dem Heimweg bei einem Verkehrsunfall beide Augen verletzt.
Stattdessen kann er jetzt sehen.
Vielleicht kann er sich sogar die Hinrichtung seiner Mutter noch einmal auf Video anschauen.
Was für ein Glück, dass die moderne Medizin so weit fortgeschritten ist.
Aber nein, von Trier musste unbedingt noch eine christliche Erlösungsfantasie unterbringen. Die Mutter stirbt, damit der Sohn sehen kann. Ihr Leiden war also nicht umsonst.
Als könnten Menschen nicht einfach alles verlieren, ohne dass irgendjemand irgendetwas dafür bekommt.
Fazit: Ein über weite Strecken vielversprechender Film, der durch einen vollkommen überflüssigen medizinischen Erfolg seine letzte Konsequenz verspielt.
Zwei Sterne.
Einen für die Hinrichtung.
Und einen für die immerhin weitgehend gelungene Aussichtslosigkeit.
Immerhin: Das einzig ansehnliche Musical aller Zeiten.
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Geschichte Nummer 11216



