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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Jule (Jule).
Veröffentlicht: 05.02.2017. Rubrik: Unsortiert


ALDI

Aldi,
Letztens im Supermark stand ich mit bereits schon vollgepackten Händen, halb in den Knien versunken, um meiner bereits auserwählten Ware den nötigen Halt zu geben, dass sie doch bitte hoffentlich nicht und ich betone nicht,
auf den grau, weiß melierten und mit Dreck sowie klebrigem Restalkohol überzogenen Boden fällt, vor der Warenauslage der Konservendosen und fragte mich still, aber bedacht welche der vorzüglichen Speisen mich heute Abend wohl am längsten sättigen würden und nicht schon wieder den allseits verhassten Brechreiz des Jahrtausends verursachen könnten.
Meine Gedanken schnellten Stoßgebets ähnlich zu Gott empor, doch als eine Sekunde später die Sauerkirschen im Glas aus meiner linken Hand zu Boden preschten und meine Schuhe, die meines Nachbarn und den eh schon dreckigen Boden in einem frischen rot erstrahlen ließen, wurde ich wieder Atheist, konnte
einmal mehr klar denken und mich erneut mit der immer noch bestehenden Konservenfrage beschäftigen.
Nun, geistesgegenwärtig und gerissen wie ich war, schaute ich natürlich nicht nach Konserven auf Augenhöhe, da diese 97 Cent Preisknaller mich komplett ruinieren würden und fixierte die beiden untersten Reihen der bereits, oder schon immer man weiß es nicht, angestaubten Dosenleckereien, die noch jungfräulicher als die heilige Mutter Gottes schienen und wahrscheinlich noch nie,
außer vom armen Auszubildenden Thorsten, der übrigens just in diesem Moment an der Kasse zwei Leggins tragenden 14-jährigen, Primarkt-shopperinen ohne weiteres 7 Schachteln Palmal-blau verkaufte,
berührt worden waren.
Ach ja, der Thorsten macht sich aber auch nichts aus Konventionen und
Normen der Gesellschaft.
Thorsten, ja Thorsten macht sein Ding.
Und das schon des öfteren, denn einmal da hörte ich wie der dünne Thorsten einer Frau, die ihn nach Bio-Bananen fragte,
erzählte, dass er doch vorhabe eine Papierstadt zu bauen und dass er sich zu ihr jetzt so conected fühlt, ihre Energie so richtig spüren kann, denn sein erster großer Gedanke wäre es gewesen Bananenbäume zu erschaffen, um seine Untertanen zu nähren und die Früchte der Altpapierstauden, dann natürlich ganz fairtraded zu ernten und mit seinen eigenen Biosiegel zu Ehren.
Thorsten sei, aber noch in der Brainstormphase und könne ihr noch nicht sagen welche Art von Verifizierung es werden solle
und so lange der Prozess noch nicht abgeschlossen sei, könne sie ihm, aber schon mal Altpapier da lassen,
sodass die Mutter Theresa in Person, Thorsten wenigsten schon einmal Suchtpräventionsstätten für seine leider zum Teil arbeitslose Bevölkerung erbauen könne, denn diese Thorsianer, wie er sie zu nennen pflegt, fielen der List des flüssigen Glückes, des Alkohols den sie aus den Bananen des Reiches gewannen, in Thorstens zahlreichen Bars mit einer Happyhour jeden Freitag von 20-20.30
leider zum Opfer.

Er verwirrte die arme Frau anscheinend so sehr und zog sie offensichtlich, wie alle großen Machthaber in seinen Bann und sie übergab dem großen Thorsten eine leere Eierpappe, die sie nur Sekunden zuvor komplett und ziemlich hektisch ausgeräumt hatte.
Ich ähm weiß nicht ob der Frau im Vorfeld bewusst war, dass sie nun alle 12 Eier einzeln tragen musste, aber Thorsten schien dieses Problem nicht zu kümmern, denn er können nun, so versicherte er der Dame, endlich für mehr Sicherheit und vor allem Zufriedenheit in Thosrstistan sorgen.

Zuerst dachte ich, dass Thorsten wohl verrückt sei, nicht Geistesgegenwärtig und wohl total benommen von den Gasen des Flüssigklebers, den er zum leimen seiner Papierschnipsel gebrauchte, doch dann Brainstormte auch ich, rund eine viertel Stunde neben dem Kühlregal des Warenmarkes, so wie Thorsten es einmal tat und kam zu dem Entschluss, dass Thorsten keines Falls verrückt,
sondern viel eher ein Denker und Erschaffer sei.
Ich wünschte mir auch ein bisschen Thorsten zu sein.
Vor allem wünschte ich mir dann Thorsten zu sein, als ich das verrotzte Ergebnis meines Kühlregal-brainstorms in Gestalt einer 39,8 auf meinem Fieberthermometer eine Woche später erblicken konnte.

Aber genug von Thorsten, denn ich beschäftigte mich ja derzeitig mit einer viel wichtigeren Frage, und zwar: welche der wie schon geklärt fast unberührten Dosenspeisen, ich denn heute Abend mit zu mir nehmen solle.
Und mein Blick zog immer wieder in die Richtung der virgin-Tortellini in Tomatensauce.
Dieses rot erinnerte mich an meinen Sauerkirsch Unfall und wie ich
und der fremde Mann von vorhin, jetzt im Partnerlook durch die Stadt laufen werden.
Warum ich eigentlich Sauerkirschen haben wollte weiß ich selber nicht so genau, aber jetzt habe ich in meinen Armen endlich wieder Platz für einen, maximal zwei Magenfüller aus Gluten ummantelte Hackbällchen getränkt, äh Pardon ertränkt in Tomatensauce.
Bevor ich zu griff schaute ich noch einmal zu Thorsten an die Kasse und fragte mich was Thorsten wohl tun würde.
Würde auch Thorsten den Konservenkrebs, den er hier so nett drapierte verspeisen oder bin ich die einzige, die sich so dermaßen schlecht ernährt?
Warum koch ich eigentlich nicht selber..
Bin ich zu faul?
Na so faul kann ich ja nicht sein, denn ich bin ja schließlich hier und der Fakt, dass ich keinen Einkaufswagen benutze und lieber riskiere alles 30000 mal fallen zu lassen, sagt auch nichts über mich aus, denn ich benutze schon ewig keinen Einkaufswagen mehr, denn unser allseits geschätzter und äußerst kompetenter Thorsten ist nun mal leider für die Reinigung dieser zuständig und wenn er sie genau so säubert wie sich selbst, vermeide ich lieber jeglichen Kontakt mit diesen Wägen, die in Thorstens Zuständigkeitsbereich fallen und überhaupt fällt mir gerade auf, dass Thorsten viele Zuständigkeitsbereiche hat, Thorsten scheint ja ziemlich vielfältig zu sein.
Mal sitzt er an der Kasse, mal räumt er die Regale ein.
Ein anderes Mal sah ich Thorsten sogar am Flaschenautomaten stehen.
Wenn er weiter so macht wird Thorsten hier bestimmt mal ganz groß rauskommen.
Die Überlegungen bezüglich Thorstens Arbeitsmoral dauerten wahrscheinlich nur einige Sekunden, doch für den von mit dabei angestarrten Thorsten muss es sich angefühlt haben wie Stunden, denn er schien ziemlich verwirrt und fast ein bisschen unsicher oder verängstigt, als ich wieder zu mir kam und ihn nun klar vor mir sah.
Oh Gott war das peinlich.
Ich schaute schnell nach unten, um den von mir eigentlich nicht gewünschten, aber von Thorsten anscheinend geduldeten Augenkontakt zu vermeiden.
Jedoch wurde es nicht besser, da es unter mir so aussah, als hätte ich meine Periode bekommen und sie nicht so früh erwartet.
Ich musste hier raus.
Der Laden machte mich verrückt.
Ich ließ also alles aus meinen Armen in das beistehende Regal gleiten und beschloss mich auf den Weg zum Altpapierhof meines Kumpels Ronny zu machen, denn Ronny war ein Typ der mit Mitte 20 noch bei seiner Mutter lebte und das ist in diesem Kontext ausnahmsweise mal nichts schlechtes, denn Ronnys Mutter konnte kochen und dies sogar sehr gut, sodass ich beschloss Ronny ein weiteres Mal auf das Essen seiner Mutter anzupumpen.
Natürlich fragt ihr euch jetzt warum Ronnys Mutter auf einem Altpapierhof lebt, dass tut sie natürlich nicht, aber es gab da schon einmal eine äußerst ´´außergewöhnliche`` Situation mit mir, Ronnys Mutter und ihren 37 Katzen in deren Esszimmer, weshalb ich Ronny jetzt erst mal abholte.
Seitdem vermeide ich es nämlich allein dort zu verweilen und dass egal wie hungrig ich bin, denn Katzen haben Krallen und gefühlt haben auch diese Krallen, Krallen und die Krallen krallen sich noch fester in deinen Oberschenkel, wenn du versucht weg zu laufen, aber noch deine Milchnudeln mit dir trägst, weil du eine verfressene Sau bist und denkst, dass du eine Chance gegen 37 Katzen hättest.
Nein niemand hat eine Chance gegen 37 Katzen, glaubt mir und wenn es jemand schaffen würde, dann wäre es der,
auf dem Altpapierhof hart schuftende Ronny, also sehnte ich mich schon nach ihm.
Das Gefühl der Sehnsucht verweilte nicht lange, denn alsbald war ich dort und Ronny und ich hielten einen kurzen smaltalk, so weit das für Ronny Möglich war, denn ganz unter uns er ist nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen, genau genommen würde ich Ronny als überhaupt keine Kerze beschreiben..,
Ronny ist bei der Zubereitung des Kuchens wahrscheinlich eher in der Schüssel zurückgeblieben.
Naja, er hat halt andere Qualitäten, wie zum Beispiel seine Mutter, aber Ronny ist auch ein guter Zuhörer und auch, wenn ihm nichts anderes übrig bleibt, als zuzuhören, da er in Gesprächen leider oftmals nicht so flexibel und adäquat reagieren kann ,
schätze ich diese Qualität an ihm sehr.
Ronny und ich plauderten ein wenig und er fragte mich auf dem Fuße folgend nach meinem Schuhunfall.
Unglaublich verwirrt von Ronnys hoher Auffassungsgabe, stieg das Gefühl des Scharms in mir und ich versuchte durch den bekloppten Torsten und seiner Idee der Papierstadt abzulenken.
Ohne auf eine wirkliche Antwort seiner Seite zu hoffen, da diese Geschichte ja nur als Ablenkungsmanöver galt, überraschte mich Ronnys Erwiderung um so mehr.
Ronny erzählte mir, dass er wohl öfter mal vorbei kommen würde, um sein angesammeltes Altpapier, was er in Massen besaß zu verkaufen.
Nun begriff ich die Welt nicht mehr.
Mein insgeheimes Vorbild Thorsten, der Denker und Erschaffer, verstrickte Geldgierig wie er war, arme ahnungslose Leute in sein Lügenkonstrukt einer angeblichen Papierstadt und köderte diese durch traurige und unglaublich herzzerreißende Geschichten über die Alkoholkranken Bürger von Thorstistan, nur um die erhaltenen Papp- und Papierspenden gegen Bares ein zu tauschen?!
Ich frage mich was das für ein Mensch er sei.
Ich frage mich, ob ihm Thorstistan denn überhaupt jemals etwas bedeutet hätte und ich frage mich wie viel Geld er wohl damit verdienen würde.
Der Fuchs!
Thorsten das gerissene Schwein war ein Lügner.
Ein Erfinder von Lügengeschichten.
Ich kochte vor Wut, da ich in Thorsten bis Dato immer einen Denker und Erschaffer gesehen hatte.
Ich die, die die Welt nicht mehr verstand und Ronny, der sie noch nie verstanden hatte schwiegen uns eine Weile an, bis mir klar wurde was einen Erfinder ausmacht und das all diese Komponenten und Kompetenzen ebenso auf das Lügenschwein Thorsten zu trafen.
Vielleicht war Thorsten ja gar kein Betrüger und verstand die Welt sogar besser als ich,
war eben auch Empathischer als ich und wusste wie man mit Menschen in Kontakt kommen kann, ohne ihre Schuhe in Kirschsaft zu tränken.

Wenn ich es mir jetzt doch mal recht überlege, ist und bleibt Thorsten mein Vorbild,zwar ist er kein Denker und Erschaffer, aber Thorsten ist ein Macher,
egal auf welcher Ebene, alles fällt in Thorstens Zuständigkeitsbereich und wenn er weiter so macht wird er, denke ich
bald mal ganz groß rauskommen.

1xhab ich gern gelesen

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