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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2017 von Revisan (Revisan).
Veröffentlicht: 02.01.2017. Rubrik: Persönliches


29 aber 16

Ja, ok.

Manchmal versucht man einfach krampfhaft seinen fast dreißig Lebensjahren gerecht zu werden und verhält sich dann bei dem Versuch wie ein 16 Jähriger, in der schlimmsten Phase seiner Pubertät.
Leider merkt man das dann immer erst später und könnte sich selbst einfach nur hauen.
Ich weiß nicht wie das bei Frauen ist, vielleicht sogar ähnlich.

Und sowas passiert immer dann, wenn man mal wieder dabei ist die Kurve zu kriegen.
Du trinkst nicht mehr so viel. Du machst wieder mehr für dich. Und für andere. Du versucht eben aus dieser beschissenen Alltagslethargie auszubrechen.

Ich weiß, das ist wahrscheinlich völlig normal. Und mir kann keiner erzählen ihm wäre es noch nie so gegangen.

Und ja klar, es geht um eine Frau.

Nur mal ein Beispiel, ein etwas längeres zugegeben:

Du triffst dich seit Wochen mit einer Frau zum Mittagessen bei der Arbeit.
Einfach nur so. Ihr kennt euch von früher.
Sie redet und du hörst zu. Meistens jedenfalls.
Es geht um alte Geschichten, alte Zeiten. Gute Zeiten.
Du hörst gerne zu, weil ihr eine gemeinsame Vergangenheit habt.
Du bist dir sicher, dass sie das auch merkt. Du hast erstmal keine Hintergedanken dabei.

Ok, natürlich denkt man mal nach.
Ich meine hey, wenn man Single ist. Was soll man machen? Ist ja auch ganz normal.

Du und deine Mittagspausenbekanntschaft, ihr versteht euch gut. Sie lädt dich zu ihrem Geburtstag ein. Schön, denkst du. Das könnte eine gute Freundschaft werden.

Leider funktioniert es aber nicht immer, bei genau diesem Gedanken aufzuhören.
Ohne dir selbst über die Folgen im klaren zu sein, spinnst du den Gedanken weiter. Besonders dann, wenn man ein Träumer ist.

Es dauert nicht lange und du bist in deinem Kopf schon fünf Schritte weiter.
Du freust dich eigentlich auch darüber. Ein Gefühl das du schon vermisst hast, auch wenn du das nicht zugeben willst. Auf jeden Fall bist du wieder motiviert.
Du denkst dir "Naja wer weiß" und schöpfst Hoffnung, vielleicht bald mal wieder eine gescheite Beziehung aufbauen zu können. Eben einfach eine Frau kennen zu lernen.

Ihr trefft euch weiterhin. Es ist immer noch schön ihr zu zuhören.
Aber du fängst langsam an zu versuchen, ihre Reaktionen auf dich zu deuten.

Mag sie mich? Klar, sonst würde sie sich nicht mit dir treffen.
Hat sie auch schonmal darüber nachgedacht? Bestimmt, oder?

Du fängst an ihr ganz subtile Zeichen zu geben.
Du schaust ihr eher in die Augen. Oder eben auch mal nicht.
Du machst kleine Bemerkungen. Du wartest auf eine positive Reaktion.

Du fängst an dich immer mehr darauf zu fixieren was sie von dir hält. Schaffst es aber beim besten Willen nicht sie das einfach zu fragen.

Es ist nicht so, dass du nicht den Mut hättest. Du denkst einfach nur zu viel darüber nach.
Du willst ja jetzt auch nichts im Keim ersticken. Nicht zu forsch an die Sache ran gehen.
Außerdem möchtest du auch den "Kumpel" den du gerade erst zu schätzen lernst, nicht gleich wieder verlieren. Ein fiese Zwickmühle ist das.

Es geht weiter.
Ihr geht zusammen mit anderen einen trinken. Ganz guter Abend eigentlich.
Auch wenn du lange vor ihr Heim gehst, weil du Angst hast zu viel zu trinken und die vielen Menschen und die Lautstärke nicht mehr gewohnt bist und es auch einfach nicht dein Ding ist.

Du entschuldigst dich dafür bei ihr. Aber alles gut.

Ihr trefft euch weiterhin zum Mittagessen.
Ein paar Tage später ist Silvester. Sie sagt dir wo sie hingeht.

Du hast noch gar nicht groß darüber nachgedacht was du machst, auch wenn du insgeheim hoffst sie lädt dich ein.
Das passiert aber nicht. Oder zumindest nicht so wie du dir es gewünscht hättest.

Von deinen Freunden kommen so Aussagen wie "Geh ran jetzt" ... "Sonst ist es vielleicht zu spät" ... "Du musst ihr zeigen dass du sie magst" ... "Nimm sie doch einfach mal in den Arm".
Ich denke mir "Ja klar, wenn das so einfach wäre".
Ist es vielleicht ja auch für manche. Für mich aber nicht.

Außerdem will ich selbst auch eigentlich langsam machen. Sie erst kennen lernen.
Ich weiß ja selbst gar nicht ob oder ob nicht.

Also Silvester steht an. Du hast bis dahin keinen Plan gehabt was du machst. Du rufst einen deiner besten Kumpels an und ihr entschließt euch genau auf die Party zu gehen wo sie auch ist.

Du kaufst dir extra neue Klamotten, das Klientel dort ist wahrscheinlich etwas gehobener. Interessiert dich sonst eigentlich nicht sowas, diesmal schon. Du willst gut aussehen. Versuchst jeden Nachteil zu vermeiden.

Dann triffst du dich mit deinem Kumpel zum "Vorglühen".
Ihr haut dabei schon einiges weg. Bier, Wein, Hochprozentiges.
Ihr seid hoch motiviert. Die Party kann los gehen.

Ihr macht euch auf den Weg. Schon leicht schwankend, „geht noch“ denkst du.
Es ist schweinekalt draußen. Ihr kommt auf der Party an. Viel ist noch nicht los.
Deine Mittagspausenbekanntschaft ist noch nicht da.

Ihr trinkt noch den einen oder anderen. Dann im fließenden Übergang ist sie da.
Die Begrüßung hätte herzlicher sein können. Egal.
Ihr geht raus, noch mehr Sekt wird verteilt.

Du redest mit einem "Konkurrenten" und machst ihm durch die Blumen klar, dass er sich das mit ihr abschminken soll.
Es ist 0:00 Uhr. Bumm bumm, peng peng. Sylvester bekommst du kaum mit.

Dein Kumpel dreht langsam auf und wird immer lauter.
Das war auch das letzte mal dass du ihn an dem Abend gesehen hast.

Du stehst da, bist abgefuckt von dir selbst und von deiner Konkurrenz.
Ihr geht wieder rein.
Du läufst wie ferngesteuert hinterher, keinen Plan was du als nächstes machen sollst.
Du holst dir noch einen Drink. Du denkst, vielleicht wirst du dann ja wieder wach.

Arschlecken, es fällt nicht besonders auf aber du kannst kaum noch gerade stehen.

Du bist noch mehr abgefuckt von dir selbst. Es ist etwa halb drei Uhr morgens.
Zur Schadensbegrenzung gehst du.
Mit einer Fresse als hätte man dir gerade dein Auto geklaut.

Der nächste Morgen.
Noch mit einigem an Restalkohol und einsetzendem brutalem Kater, schreibst du so was dummes wie:

"Hey, frohes neues nochmal. Ich bin nicht besonders gut darin das zu zeigen aber ich freue mich immer sehr wenn ich dich sehe. Und wie zum Teufel schaffst du es eigentlich immer so lange durch zu halten."

Du versuchst deinen Kater weg zu schlafen. Tierische Kopfschmerzen hindern dich daran.
Der Frust über dich selbst ist kaum mehr auszuhalten. Vor Allem als du einige Stunden später nochmal darüber nachdenkst was du da geschrieben hast.
"Bist du eigentlich dumm!?" sagst du zu dir selbst.

Du versuchst die Ganze Sache zu verdrängen.
Das wird aber nicht funktionieren. Super Silvester! Super Start ins neue Jahr!
Du kannst jetzt nur noch hoffen, dass es keinen zu großen Schaden angerichtet hat.
Und dass dein Konkurrent dir nicht jede Chance zu Nichte gemacht hat.

Du denkst hoffentlich bleiben wir wenigstens weiterhin die beiden, die sich von früher kennen und zusammen Mittagessen gehen.

Sie erzählt. Meistens. Du hörst zu. Du hörst ihr gerne zu...

Und die Moral von der Geschicht: Zu viel Alk trinke nicht!

1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Svenson am 25.01.2017:

Es ist ja nicht nur "29 aber 16", es könnte auch "40 aber 17" oder "50 aber 14" sein, denn es gibt kaum etwas Schwierigeres in der menschlichen Kommunikation als die klare Artikulation von Gefühlen. Mir gefällt die gute Darstellung des Konfliktes in deiner Geschichte, verstärkt noch durch die häufige Anwendung von "man" und "du" anstelle von "ich". Eine winzige Kritik erlaube ich mir. Der letzte Satz wirkt wie die Zusammenfassung einer Unterrichtsstunde, den hat deine Geschichte nicht verdient.




geschrieben von mia cur am 31.03.2017:

Ich kann dem obigen Kommentar nur zustimmen. Mir gefällt die stimmige Sprache des Textes. Nur der letzte Satz stört. Ich finde, es braucht keine Moral oder wenn schon Moral, kann sie sich der Leser selbst ausdenken.




geschrieben von Ana_Lorenzoni am 24.01.2018:

Hallo! Mir hat Deine Geschichte gut gefallen. Ich schließe mich an: Der letzte Satz könnte gelöscht werden :-)

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