Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von Louise (Uknown_).
Veröffentlicht: 07.06.2020. Rubrik: Spannung


Das Mitternachtspicknick

Die Pforte knarrt als ich sie öffne. Mir läuft ein Schauer über den Rücken auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Ich bin einfach mit meiner Freundin verabredet in einem Wald um eine laue Sommernacht zu genießen. Daran ist nichts Gruseliges. Und trotzdem bekomme ich eine Gänsehaut. Was, wenn sie es herausgefunden hat? Was, wenn sie weiß, dass ich vor genau einer Woche an derselben Stelle stand um mich mit einem anderen Mädchen zu treffen? Ich betrete den Wald. Der Boden ist weich und noch warm von dem heißen Tag. Ein Käuzchen schreit und ich zucke zusammen. Langsam gehe ich den schmalen Pfad entlang. Irgendwann weiche ich ab ins Unterholz. In Richtung unseres geheimen Lieblingsplatzes. Ich schlucke schwer. Der Lieblingsplatz den ich vor 7 Tagen einem anderen Mädchen zeigte. Sie darf niemals davon erfahren. Als ich die vom Mond beschienende Lichtung betrete, sitzt sie auf unserem Baumstamm. Dem Baumstamm auf dem ich vor einer Woche mit einer anderen saß. Ich gehe auf sie zu und setzte mich neben sie. „Hey“, sage ich und nehme ihre Hand. „Hey“, antwortet sie und schaut mir mit verliebtem Blick in die Augen. „Du bist spät“, sagt sie und schaut mich fragend an. „Ja, das stimmt. Tut mir leid. Wie lange hast du gewartet?“, antworte ich nervös. Ich will ihr jetzt auf keinen Fall einen Grund geben, wütend auf mich zu sein. „Lange genug“, sagt sie und mich überkommt ein Gefühl der Übelkeit, doch sie fährt leise fort, „um einiges vorzubereiten.“ Ich atme erleichtert aus und vergesse ganz zu fragen, was sie vorbereitet hat. Sie scheint meine Anspannung zu merken. „Warum so nervös?“, fragt sie mit zuckersüßer Stimme. Weiß sie etwas?! „Ich, ich bin nicht nervös“, ich räuspere mich, „was hast du denn vorbereitet?“ Sie lächelt auf einmal geheimnisvoll „rate doch.“ „Ich habe nicht die leiseste Ahnung“, sage ich und schaue sie nun doch neugierig an. Sie genießt meine Neugier. „Komm mit“, sagt sie und zieht mich hoch und zu einem dicken Baum. Sie befiehlt mir, vor dem Baum stehen zu bleiben und ich gehorche. Sie holt einen Picknickkorb hinter dem Baum hervor und flötet: „Mitternachtspicknick!“ Ich lächle ihr zu. „Wie süß von dir.“ Solche Sätze hört sie gerne aber heute zaubert es kein wunderschönes Lächeln auf ihr Gesicht, sondern ihre Miene verfinstert sich nur. „Ja nicht wahr? Ich bin eigentlich viel zu süß zu dir.“ Doch dann nimmt sie mein Gesicht in ihre Hände und küsst mich sacht. „Ist schon okay“, flüstert sie. Dann nimmt sie eine Decke aus dem Korb und breitet sie auf dem Boden aus. „Setz dich“, sagt sie und holt zwei Äpfel heraus. Der eine ist grün, der andere rot. Mir gibt sie den grünen. Sie weiß, dass ich die grünen lieber mag. Ein bisschen Brot und Wurst landen noch auf der Decke aber es sieht nicht wirklich nach einem Picknick aus. Vorsichtig nehme ich den Apfel und beiße hinein. Erst als ich den ersten Bissen hinuntergeschluckt habe, fällt mir auf, dass hier etwas ganz und gar falsch läuft. Ich spucke den zweiten Bissen aus und starre sie an. Sie lacht. „Na, wie fühlt es sich an, vergiftet zu werden?“ flüstert sie und kommt mit ihrem Gesicht ganz nah an meines heran. „Fühlst du dich genauso hintergangen wie ich mich fühlte als ich dich diese Person küssen sah? Fühlt es sich genauso schlimm an? Das hättest du nicht tun sollen David!“, schreit sie auf einmal wutentbrannt und beginnt, mir ins Gesicht zu schlagen. Ich versuche mich aufzurappeln. Will weglaufen. Weg von ihr. Aber sie lacht nur als ich wieder auf die Decke falle und Blut in ihren Schoß tropft. „Mach mich nicht schmutzig!“, schreit sie und weicht vor mir zurück. Mir ist inzwischen so schwindelig, dass ihre Züge vor meinen Augen verschwimmen. Ich unternehme einen letzten Versuch, aufzustehen doch es gelingt mir nicht. „Ich hätte dich ja qualvoller sterben lassen. Hätte dich blutend und schreiend am Boden liegen gelassen. Aber ich fürchte das hätte Spuren hinterlassen“, sagt sie und schaut mich mit blitzenden Augen an. „Stirb!“, flüstert sie und meine Augenlieder fallen zu. Ich höre nicht mal mehr ihr Lachen.

2xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Dan Prescot am 08.06.2020:

Das mit dem vergifteten Apfel kenn ich! Super adaptiert, klasse.




geschrieben von ehemaliges Mitglied am 08.06.2020:

Aha, SchneeFlittchen ..!

Weitere Kurzgeschichten:

Das Yonaguni Monument ein grosses Rätzel einer vergangenen Hochkultur
Schostakowitsch
Probleme der Welt und Lösungen (Essay)