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geschrieben 2020 von Nordlicht.
Veröffentlicht: 28.07.2020. Rubrik: Unsortiert


Ein neues Smartphone

Die Auswahl ist das erste Problem. Es gibt unendlich viele Smartphones, von mehr Herstellern, als man dachte. Wenn man dann aber die Auswahl nach allen seinen Kriterien filtert, bleibt eigentlich keins mehr über. Handlich soll es sein, zwei Sim Karten und eine Externe Speicherkarte sollen rein passen. Der Akku sollte herausnehmbar sein um es wiederbeleben zu können, wenn es sich aufhängt. Natürlich sollte es auch über einen vernünftigen Arbeitsspeicher und eine gute Kamera verfügen. Was eine gute Kamera definiert, keine Ahnung. Dann muss es natürlich auch ein relativ aktuelles Betriebssystem haben, robust sein, oder es muss eine zusätzliche Hülle dafür geben. Also besser keine No-name Marke und auch keine, die gerade in Verruf ist, weil irgendwo gerade ein Akku explodiert sein soll, es Sicherheitsmängel aufweist oder der Kollege meinte, es würde keine lange Akkulaufzeit haben. Ach ja, die Akkulaufzeit, die ist natürlich auch wichtig. Ebenso die Optik. Das Verhältnis aus Höhe und Breite muss harmonisch aussehen und die Farbe sollte stimmen. Am Ende sollte es dann natürlich auch nicht viel Kosten. Also vielleicht nicht das neuste Modell und nicht zu viel Schnickschnack.
Wenn man dann im Elektronikmarkt seines Vertrauens steht und das Angebot mit all seinen Kriterien abgeglichen hat, muss man sich überlegen, wo man am ehesten Abstriche machen kann. Vielleicht beim herausnehmbaren Akku, sowas scheint es sowieso nicht mehr zu geben.
Hat man dann also ein passendes Model gefunden, sitzt man zu Hause und stellt fest, dass die Sim Karte aus dem alten Smartphone zu groß ist und in das neue nicht hinein passt. Nachdem man sich erkundigt hat, was man denn da tun kann, ruft man bei der Telefongesellschaft an um sich eine neue Sim Karte zu bestellen. Das soll ja ganz einfach gehen und sie Telefonnummer kann man dann auch mitnehmen.
Als man dann tatsächlich einen Menschen am Telefon hat, erklärt einem dieser, dass man dazu eine andere Nummer anrufen muss. Freundlicherweise gibt er einem auch eine Nummer, aber entweder kannte er auch nicht die richtige, oder man hat ihn falsch verstanden. Jedenfalls ist die Nummer auch falsch.
Jetzt sucht man also im Internet nach der richtigen Nummer, findet aber zunächst nur diverse Hinweise, dass man sich eine neue Sim Karte ganz einfach online bestellen kann. Als man dies dann auch tun möchte, stellt man fest, dass man sich nicht an das entsprechende Passwort erinnert. Da man aber sicher ist eines zu haben, sucht man also alle Schränke durch, in der Hoffnung es irgendwo aufgeschrieben zu haben. Hat man natürlich nicht. Dann also doch nochmal telefonisch versuchen.
Nach minutenlanger Suche, bei der man immer wieder auf den selben Internetseiten landet, hat man dann auch die richtige Nummer gefunden. Dort gelangt man dann- nach nur einmal Ja sagen zu einer Künstlichen Intelligenz- fast direkt zu einem freundlichen Mitarbeiter. Dieser will dann zwar auch ein Passwort haben, ist aber so freundlich einem einen dezenten Hinweis für das Passwort zu geben.
Nun braucht er nur noch die Adresse, zu der er die Karte schicken soll. Da man in der Zwischenzeit umgezogen ist, hat er die aktuelle Adresse nicht vorliegen. Nachdem man ihm sorgfältig die Straße buchstabiert hat und er einem versichert hat, dass sie in ein paar Tagen bei einem ankommen soll, hofft man nun, dass die Karte den Weg in den eigenen Briefkasten auch finden wird.
Die Post war offenbar intelligent genug, über ein paar Namensabweichungen hinweg zu sehen, sodass die Karte tatsächlich zwei Tage später im Briefkasten liegt.
Nachdem man nun also über einen Anruf die neue Karte aktiviert hat, muss man sie nur noch in das neue Gerät hinein basteln. Kann ja nicht so schwer sein, schließlich ist man doch kein Grobmotoriker. Irgendetwas scheint allerdings in der Kartenproduktion schiefgegangen zu sein, denn die Karte ist gerade so viel zu groß, dass sie einfach nicht im vorgesehenen Steckplatz verweilen will. Als sie auch beim fünften Versuch im hohen Bogen wieder hinaus springt, versucht man es dann mit dem zweiten Steckplatz, vielleicht ist der ja größer. Nach einigen weiteren Versuchen, bleibt sie dann auch gerade darin liegen. Dann muss man das ganze Gebilde nur noch ins Gerät bugsieren. Sicherheitshalber, sollte man dabei das Atmen vermeiden, um sie nicht versehentlich wieder raus zu pusten.
Als man das Gerät dann einschaltet, stellt man fest, dass man für diverse Dinge, wie Benutzerkonten und Apps, ebenfalls Passwörter benötigt, von denen man nicht mal mehr weiß, dass man sie je besessen hat. Aber darum kümmert man sich dann morgen.

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