Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2020 von Henny Hentschel.
Veröffentlicht: 12.11.2020. Rubrik: Lustiges


Tomobe

"Milch, Pilze, Salat und Tomobe. Hä, Papa das kenn ich gar nicht. Was ist denn Tomobe?" - sagt Linda als sie den Einkaufszettel vorliest.
   "Na Tomobe eben. Das Kennst du schon." - antwortet ihr Papa albern.
"Davon hab ich noch nie gehört, was ist das denn? Ein Gemüse oder Obst oder sowas wie Mehl?" - fragt Linda dringlich weiter, so als müsse sie unbedingt wissen was da nur auf dem Einkaufszettel stehen kann.
   "Ich zeig dir Tomobe in der Markthalle, lass uns erstmal die Schuhe anziehen und losfahren. "
"Aber Papa!" - ruft Linda zu ungeduldig zu warten, bis sie in der Markthalle sind.

Sie laufen gemeinsam durch die Gemüse und Obst Abteilung, legen sich Pilze, Salat und weiteres Gemüse in den Einkaufskorb und Linda fragt immer noch und sehr aufgeregt nach, was denn Tomobe sein kann. Der Vater, selbst so erfreut, wie sich seine kleine Tochter so begeistern kann, schlägt vor einen Mitarbeiter zu fragen. Der Mitarbeiter antwortet irritiert und muss berührt gestehen, dass er auch keine Tomobe kenne und nicht wisse was das sein könnte. Der Vater wirkt leicht verärgert, erklärt, dass er so gerne heute Abend Tomobe essen möchte und sich doch schon seit 5 Tagen darauf freue. Der Mitarbeiter errötet leicht, überlegt mit leicht schwitzigen Händen, wie er darauf kommen kann, was dieses komische Tomobe nur sein könnte, da er ja auf keinen Fall seine Kunden verärgern darf. Er hat erst vor einer Woche angefangen und jeden Tag schon ein Unglück gehabt. Heute Morgen hat sein Freund ihm noch so positiv zu gesprochen, dass heute ein guter Tag sei, alles gut laufen wird. Und jetzt? Jetzt läuft das alles schon wieder den Bach herunter. Wenn ich vielleicht doch schon gekündigt werde? Das Einarbeiten verläuft nun mal leider nicht gut, da es jedes mal eine neue Kritik gibt und jedes mal in ganz unterschiedlicher Form.
Trotzdem muss er gestehen, er weiß es einfach nicht, bittet um Erklärung oder bietet an die beiden Kunden an seinen Kollegen weiterzuleiten.
Der Vater, mit schlechtem Gewissen, antwortet, dass sie einfach noch ein bisschen selbst suchen und eventuell einen andere*n Mitarbeiter*in fragen. Vor allem aber, dass dieser Mitarbeiter sich nicht stressen solle.

Somit sind sie weiterhin auf der Suche und fragen nun doch eine Mitarbeiterin. Linda fragt selbstsicher und sehr interessiert, wo sie denn Tomobe finde könnten. Die Mitarbeiterin guckt verdutzt und fragt sie erneut. Sie geht davon aus, das schnell sprechende Mädchen einfach falsch verstanden zu haben und guckt deswegen den Vater schon fragend an.
Dieser lächelt seiner Tochter zu, ohne sich ein Grinsen zu viel anmerken zu lassen.
Die Mitarbeiterin rast durch die Gänge, sucht mit den Augen alles ab, was dem gesuchten Produkt ähneln kann, Linda ihr hinterher rennend und laut Tomobe schreiend.
Der Vater sammelt währenddessen alle weiteren wichtigen Produkte, die ihm noch einfallen ein und wirkt gelassen, zufrieden und nicht ansatzweise so, als wenn ihm irgendwas wichtiges im Einkaufskorb fehlen würde.
Die Markthalle wird immer voller, schließlich ist auch Montags Nachmittags, da gehen die meisten Menschen wieder nach dem Wochenende einkaufen.
Linda rennt und rennt, schaut kaum zur Seite und fliegt einer Rollstuhlfahrerin vor die Füße. Diese reagiert erschreckt, aber sieht schnell, dass nichts ernstes passiert ist. Der Vater eilt zu seiner Tochter, welche aufgeregt ist, schnell atmet und schon glasige Augen bekommt.
Die Mitarbeiterin guckt besorgt, ob um das hingefallene Kind oder über ihre nicht fundreiche Suche, ist unklar.
Alle beteiligten, wie auch weitere Personen, die ihren Montagseinkauf tätigen, schauen besorgt, alles erscheint, wie pausiert.

Um die Situation zu erleichtern, sendet der Vater dankende, aber abweisende Blicke den beiden suchenden Mitarbeitern zu, sowie allen anderen, welche besorgt nach dem Kind schauen. Er erzählt seiner kleinen Tochter Linda, dass es Tomobe gar nicht gibt, sondern sie seine Schrift einfach nicht richtig erkannt hat und er dachte, vielleicht gibt es ja so ein Produkt.

Linda streicht sich die Tränen aus dem Gesicht und beginnt zu strahlen.

1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Susi56 am 11.01.2021:

Gute Idee! Tomobe... :-)

Weitere Kurzgeschichten von diesem Autor:

Ferrari
Er sitzt
Zieh dich einfach aus