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geschrieben von Burghart Scheidt.
Veröffentlicht: 21.12.2020. Rubrik: Unsortiert


Genonia

„Du sollst auf die Öffnungen in der Wand achten,“ ruft Nalon aufgeregt zu seinem Kollegen. „Sie müssen frei bleiben und dürfen nicht verstellt werden. Wie oft soll ich das noch sagen. Davon hängt unsere Existenz ab.“ N rennt hin und her, er ist außer sich. Wo wird das nur noch hinführen, denkt er, wenn keiner auf die Porenöffnungen in den Membranwänden achtet.
Wir befinden uns im Kraftwerkverband Genonia, in einer Fabrik für absolut umweltfreundliche Energiegewinnung. Diese Energie wird aus reinen Naturprodukten hergestellt. Eine der wichtigsten Aufgaben der Mitarbeiter ist es, dafür zu sorgen, dass grüner Farbstoff, das Chlorophyll, zur Verfügung steht. Das Chlorophyll ist gemeinsam mit dem Sonnenlicht die Grundvoraussetzung für eine umweltfreundliche Energieproduktion. Chlorophyll muss in ausreichender Masse und Qualität in den Vorratsbehältern und Containern der Lagerräume zur Verfügung stehen, um es tagtäglich für die Energiegewinnung einzusetzen. Der Betriebsdirektor Nalon achtet mit peinlicher Genauigkeit auf den Arbeitsablauf. Erst vor einem Monat wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen.
N hatte Tagschicht. Nachdem er seinen Kontrollgang beendet hatte, ging er in den Überwachungsraum Delta II, um von dort aus über die Schaltzentrale in den Dispatcherraum zu gelangen. Die Porenfenster und Tore waren geschlossen. Der nächste Energieausstoß sollte am Abend 18 Uhr10 erfolgen. In den Hallen lief die Produktion auf Hochtouren. Die Spiegelbehälter waren randvoll mit Energie des Sonnenlichts beladen, das über ein verzweigtes Kanalsystem in die linsenförmigen Chloroplast-Aggregate geflossen war. Chloroplasten, auch Blattgrünträger genannt, enthalten eine Vielzahl von Membranschichten, die den äußerst wertvollen Grundstoff Chlorophyll beinhalten. Dieses Chlorophyll fängt in den Reaktionswannen die Sonnenenergie ein.
Die anorganische Abteilung liefert über gelb gekennzeichnete Pipelinen Kohlendioxyd (CO2), sowie Wasser (H2O) über weiß markierte Leitungen aus den Seitenwänden. Der gesamte Produktionsablauf lief maximal als plötzlich ein schriller dreimaliger sehr intensiver Signalton erklang. Sofort standen die Energietransportbänder still. Die Zellplasmaarbeiter rannten in den Sicherungstrakt, um in den Vakuolen Zonen neue Anweisungen entgegenzunehmen. Die Vakuole dienen als Vorratsräume in denen Reservestoffe gelagert werden und können bei Havarie als Sammelräume benutzt werden.
Was war geschehen? Der Alarm kam aus dem unmittelbaren Produktionsbereich. N hastete in diesen Arbeitssektor. Dieser ist in eine Hellraumabteilung und in eine Dunkelraumzone untergliedert. In der Hellraumzone wandelt die chemisch gebundene Sonnenlichtenergie das Wasser (H2O+) in reduzierten Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) um. In der sich anschließenden Dunkelraumzone wird mit der eben gewonnenen Energie das über die gelben Pipelinen geleitete CO2 der Luft zu einem ersten wichtigen Produkt „assimiliert“. Es entsteht das organische Molekül - Formaldehyd (CH2O). Das entstandene Kohlenwasserstoffprodukt dient als Ausgangsmaterial für alle weiteren Synthesen, wie Farb-und Kunststoffe, Pharmaka, sowie zur Textilverarbeitung. Und exakt in diesen Fertigungshallen war die Havarie eingetreten. Durch die Unachtsamkeit eines Mitarbeiters waren zwei Porenschlitze nicht geschlossen worden, so dass Licht in den Dunkelraum eindringen konnte. In Folge dieser Havarie kam es zu erheblichen Produktionsverlusten, da Energie ungenutzt entweichen konnte. Ein Havarie Kommando der Genion-Werke begann mit äußerst der Schnelligkeit und Präzision die Schadstellen in den Membranwänden zu beheben. Erst nach zwei Tagen konnte die Produktion von Kohlenwasserstoff – Verbindungen wieder in vollem Umfang durchgeführt werden.

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