Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
FacebookMenu anzeigenMenu anzeigen
1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2021 von Anon4Lulz.
Veröffentlicht: 08.01.2021. Rubrik: Nachdenkliches


Die absolute Wahrheit

Früher war die Antwort auf die Frage, warum ich überhaupt Leben sollte "Wieso nicht?".
Aber je älter ich werde, je mehr ich darüber nachdenke schleicht sich ein gewisses "Wieso schon?" ein.

Ich weiss nicht wieso ich tue was ich tue. Aber ich weiss, dass ich es nie wissen werde.

Mein Vater, nachdem wir erfolgreich zwei weitere Bewerbungen für einen Aushilfejob geschrieben haben, hält mir eine Predigt darüber, dass ich irgendwann selbstständig sein muss und nicht immer im Nest sitzen bleiben kann und dass ich mir Mal überlegen sollte, was ich überhaupt will.

Genau das ist das Problem: Was zum Teufel will ich?

Ich weiss es nicht. Ich habe keine Antwort. Essen (am liebsten Vegan und proteinreich), schlafen, fällt mir spontan ein. Vielleicht noch ein- zwei- Mal masturbieren, ein Workout und ein wenig lesen. Ich habe mir die Frage nie gestellt. Es war immer klar was ich machen musste. Nicht was ich machen wollte, aber es war einfach klar, du hast zur Schule zu gehen, dann gehst du Fussball spielen oder im Orchester mitspielen. Als dann die Schule vorbei war, war klar, dass ich ins Gymnasium gehe. Ich habe mich gar nicht mit den anderen Optionen befasst.

Bis morgen will ich, dass du einen Plan hast, was du mit deinem Leben anfangen willst!
Meine Mutter schaut mich wütend, beinahe traurig an und ihr ganzer Körper bebt.
Ich schaue genauso traurig, aber teilnahmslos und gelangweilt zurück. Früher hatte ich einen Plan, was ich machen wollte: Die Wahrheit finden. Ich wollte wissen, was ich wissen konnte. Ich wollte wissen, was zur Hölle eigentlich in dieser Welt abgeht. Ich wollte wissen, ob es einen Sinn gibt. Ich weiss nun alles was ich wissen kann. Und viel wichtiger: Was ich NICHT wissen kann. Und dieser Plan, von dem meine Mutter da spricht, oder die Frage, was ich will, gehören mit hundert prozentiger Gewissheit zu genau dieser Kategorie: Dinge die ich nicht wissen kann und nie wissen werde.

Mein Vater fährt fort, sagt mir, dass ich mir doch so nicht selbst in die Augen sehen könne, dass es doch irgendwo einen Ehrgeiz in mir geben müsse. Danach erzählt er darüber wie er Imstande gewesen ist, einen Haushalt ganz alleine zu führen und es nicht - er zeigt auf die Kleider und Workoutgeräte die in meinem Zimmer rumliegen - so unordentlich ausgesehen hatte. Des weiteren hätte er schon früh bemerkt dass es nichts gutes gäbe aussert man tute es (ich weiss, dass das nicht grammatikalisch richtig ist, aber es tönt witzig).
Ich seufze innerlich. Er hat mit 50 sein erstes philosophisch angehauchtes Buch gelesen, irgendetwas über moralischen Fortschritt von Markus Gabriel. Das blöde daran, die Wahrheit zu wissen, ist, dass man gar nichts davon hat. Wahrheit ist nicht cool, toll oder der Lüge überlegen. Sie ist einfach nur wahr. Ich denke natürlich von mir selber, dass ich cool, toll und allen Anderen überlegen bin, aber mir ist auch bewusst, dass die Anderen wahrscheinlich das genaue Gegenteil denken und auch noch in der Überzahl sind. Genau so verhält es sich jetzt: Was habe ich davon, meinem Vater zu erklären, dass es sowas wie Moral, geschweige denn objektiven moralischen Fortschritt gar nicht geben kann? Was habe ich davon, ihm den Nihilismus zu predigen? Ich fange trotzdem an, es ihm zu erklären, aber weiss, dass ich an ihm vorbei rede und er, was auch immer er mir sagen wollte, nicht mit mir eine Diskussion über Moral anfangen wollte.

Am morgen, wenn ich einen Traum habe, gibt es immer so eine Phase in der ich schon halbwach bin. Ich bin mir bewusst, dass ich träume. Dann wird mir auch bewusst, dass der Traum keinen Sinn ergibt. Dann höre ich auf zu träumen und strenge mich an, gedanklich dem Traum einen Sinn zu geben und ihn weiterzuführen, nur um nicht aufstehen zu müssen.
Aber dann gebe ich resigniert auf:

Wenn der Traum keinen Sinn mehr ergibt, dann hat es keinen Zweck mehr sich anstrengen zu wollen. Dann ist es an der Zeit endlich restlos Aufzuwachen und Aufzustehen.

Nach dem Aufwachen das Aufstehen...

1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Susi56 am 12.01.2021:
Na, eins zumindest wissen wir, du kannst SCHREIBEN. Top!

Weitere Kurzgeschichten:

Wie man schriftlich Töne erzeugt
Lernen Sie fremde Länder kennen und deren Reichtümer lieben!
DAS HÖRGERÄT