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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Jamie Wulfers.
Veröffentlicht: 15.02.2021. Rubrik: Unsortiert


Der Taxifahrer

Der Taxifahrer

Die Uhr zeigte Mitternacht. Ich parkte in einer dreckigen Stadtecke, welche umgeben war von
Elend und Trauer. Der Blick nach draußen brachte Depressionen. Ich fragte mich, ob ich einer von ihnen war, weil ich hier stand. Junkies, Huren, Bettler und so weiter. Jeder von ihnen tat mir leid.
Die Drogen und Bars waren der Käse in der Mäusefalle und sie die Mäuse, die jedes einzige Mal von der Falle geschnappt wurden. Ich zündete mir eine an und blinkte kurz mit meinen Licht um auf mein Taxi aufmerksam zu machen. Nach einiger Zeit kam ein junger Mann etwa 20 zu mir ans Taxi. Er stieg ein und machte sich durch ein blas erscheinendes Gesicht und zittrige Hände bemerkbar.

„Wo soll´s hin``
„Egal einfach weg von hier‘‘
„Junge ich weiß nicht, ob du schon irgendwann mal Taxi gefahren bist, aber so funktioniert das nicht‘‘

Plötzlich gab er mir einen Zettel mit Adresse.

„Na geht doch, warum nicht gleich so``

Ich fuhr aus der Parklücke raus und dann die Straßen entlang bis zur mir gegebenen Adresse.
Meine Fresse, dachte ich. Die Gegend war voll mit Luxushäusern und teuren Autos.

„Sicher, dass wir hier richtig sind``

Er sagte nichts, gab mir mein Geld und begab sich aus den Taxi. Es war ein teures Haus, nicht besonders schön, aber bestimmt teuer. Ich blieb nur noch kurz vor dem Haus um eine zu qualmen.
Auf einmal hörte ich ein lautes Streiten aus dem Haus kommen. Danach ein lautes Knallen. Es klang so, als würde Glas zerspringen. Dann ein Schrei. Mir war unwohl bei der Sache. Ich überlegte ewig, ob ich mir die Streitigkeiten mal anschauen sollte. In der Zwischenzeit ertönten weitere Schreie. Es klang so schrecklich, dass ich mich einfach in dieses Haus begeben musste. Ich hatte Angst, aber als Taxifahrer hat man immer eine Schusswaffe dabei. Ich öffnete leise das Tor und schlich in Richtung Haus. Ich hielt während meinen schleichenden Lauf die Waffe wie ein Polizist, um ehrlich zu sein fühlte ich mich auch so. Ich war nun wirklich kein harter Kerl. Nur ein Taxifahrer. Da stand ich also, wie Gott mich schuf. Mit einer geladenen Waffe vor einem fremden Haus. Ich bemerkte, dass die Tür geöffnet war, zögerte allerdings mich hinein zu begeben. Während der ganzen Schleicherei wurden die Schreie leiser, sie klangen erdrückt, als würde irgendwas nicht wollen, dass man sie hört. Ich packte meinen ganzen Mut zusammen und öffnete langsam die Tür, welche zu schließen vergessen wurde. Das Haus sah schöner von innen aus, als von außen. Definitiv besser. Aber das alles spielte keine Rolle. Ich musste, nein … Ich wollte unbedingt wissen, was hier los war. Ich konnte nicht viel erkennen, weil das Licht vermutlich bewusst ausgeschalten wurde. Ich spähte um die Ecke, nichts.
Langsam merkte ich, dass mein Herz immer schneller schlug und außerdem bekam ich schlecht Luft,
ich fühlte mich wirklich nicht gut. Ich hörte Stimmen von der oberen Etage des Hauses. Sie klangen nicht sehr freundlich, viel eher gequält. Die Treppe war der einzige Weg, welcher nach oben führte.
Ich schlich mich langsam zu den ersten Stufen der Treppe. Mein Herz hörte nicht auf zu schlagen, es schlug wie ein Techno Song im Club. Es schlug wie eine Afrikanische Trommel, schnell, schneller, zu schnell. Mir wurde schlecht. Ich hielt die Waffe genau vor meiner Brust. Ich war nicht bereit zu schießen, aber ich war auch nicht bereit zu sterben und obwohl ich einfach wieder gehen konnte und die Situation, als verwirrendes Ereignis hinter mir lassen hätte können, beschloss ich die Sache anzugehen. Ja, ich packte all meinen Mut zusammen und ging diese Stufen hinauf. Nun musste ich vorsichtig vorgehen. Ich sah einen Flur und zu meinem Nachteil, welcher mir wirklich Sorgen bereitete, war das Licht hier im ganzen Flur, wie auf einer Theaterbühne ausgestreckt. Vier Türen zogen sich durch den Flur. Mir lief der Schweiß, wie ein Wasserfall von der Stirn hinunter. Ich hörte ein flüstern und einen Versuch zu schreien, welcher wieder unterdrückt wurde. Ich blieb also eine Weile in diesen Flur stehen und versuchte mich nicht zu bewegen und keinen Ton von mir zu geben.
Ich schaute auf die vierte Tür, sie war ganz hinten im Flur. Genau vor mir, aber dennoch entfernt, was mich beruhigte. Auf einmal krampfte mein Körper zusammen, es war ein unangenehmes Gefühl.
Die Mischung aus Angst, Schweiß, der fehlende Atem und die Krämpfe. Es war, als würde das Gefühl
Vom Tod hinter dieser Tür sich langsam zu mir schleichen und eigentlich hatte es mich schon ganz gepackt, ich hatte Angst mein Leben hier zu verlieren, doch ich konnte mich nicht nach hinten begeben. Mich hielt die Neugier zurück. Ich schaute zur Tür und aus ihr lief Blut. Das Blut faszinierte mich viel mehr, als dass es mich verängstigt. Es floss ästhetisch zum Takt meines Herzschlages, und es floss zu mir. Der Takt und das Blut, wie eine Schlange suchte es seinen Weg zu mir. Ich vergaß Raum und Zeit. Ehe ich mich versah waren meine Füße in einer taktvollen Pfütze voll Blut. Es war dunkel, es war fast schwarz, aber dennoch Rot. Ich zitterte. Es war eine schrecklich begeisternde und beängstigende Lage. Ich hörte, wie sich die Tür öffnete. Die vierte Tür. Die letzte Tür. Jetzt musste ich mutig sein, jetzt musste ich mir selbst ein Vertrauter und ein Beschützer sein. Diese Welt bringt so viele Opfer mit sich, diese Welt hat ihre Schönheit hinter grässlichen, grausamen Vorhängen versteckt. Ich wusste, dass ich nur ein Taxifahrer war, aber dies sollte sich ändern. Ich hielt die Waffe, wie ein Cowboy. Sie war auf die Tür gerichtet, komme was wolle ich war bereit. Die Tür schlug ruckartig zu, ich war verwundert. Ich lief zur Tür, zitterte nicht mehr und der trommelnde Herzschlag war auch weg. Ich weiß nicht, ob es die vierte Tür war, aber ich lief fast schon grusselig entspannt durch die Blutpfütze. Ich konnte das, ich konnte stark sein. Kein Taxifahrer, ein Cowboy.
Ich trat gegen die Tür. Der Lauf zielte Links er zielte rechts. Es war das Badezimmer. Als ich nach Links zielte bemerkte ich, dass ein offenes Fenster einen kalten Windzug durch das Bad jagte. Als ich nach rechts zielte bemerkte ich, dass der Spiegel angeschmiert wurde. Und als ich nach vorn schaute merkte ich, wie der trommelnde Herzschlag wiedergekommen war und ich merkte auch, wo die Blutpfütze ihren Anfang nahm. Vor mir war eine Badewanne, ich rannte zur Toilette, allerdings erreichte ich sie nicht, so dass ich auf den Badezimmerboden brach. Ich weinte und schrie, so etwas hatte ich noch nie gesehen. In der Badewanne lag ein totes Kind. Dieser Mistkerl, dachte ich. Hätte ich ihn doch bloß nicht hier hehr gefahren, dieses arme Kind. Ich verstand die Welt nicht mehr. Alles war wie ein Alptraum, aber ich wusste, dass es keiner war. Das hier war die Realität, das hier war die Welt. Das war ein Kind, welches genau dieser Welt zum Opfer gefallen war. Die Schmiererei auf dem Spiegel, war eine Nummer. Die Zahlen waren unleserlich geschrieben, aber nach genaueren betrachten ließ sich darin eine Telefonnummer erkennen. Dieser Typ bringt ein Kind zur Strecke und hat nichts als eine Telefonnummer übrig. Ich nahm mein Handy raus und tippte wütend die Nummer ein. Es klingelte. Es klingelte weiter. Währenddessen verließ ich das Badezimmer und stand wieder in der Blutpfütze.


„Du verdammter Psychopath‘‘

„Bleib ruhig``

„Ruhig? verdammt du hast ein Kind umgebracht, du elender Bastard ``

„Es ist kein Kind, aber das zu erklären geht über deine geistigen Fähigkeiten``

,, Ich sag dir, wenn ich dich finde``

„Schau es dir an, es ist kein Kind, gar keines Menschen ähnlich´´
Ich bewegte mich wieder ins Badezimmer all das Blut war verschwunden. Ich war mich sicher, dass ich verrückt geworden war.

„Das Blut es ist´´

„Vollkommen richtig, es ist weg´´

,, Was soll das? Was spielst du hier? ´´

„Spielen tue ich nicht, die Welt spielt, du hast gesehen, was du erwartet hast du sehen, du bist das Opfer deiner eigenen Vorstellung´´

Ich übergab mich erneut.

„Ich versteh nicht, was du meinst´´

„Sie genau hin, dort ist auch kein Kind, keine Nummer´´

„Erwarte morgen Besuch, ich werde die um fünfzehn nach zwölf abholen´´

„Aber…´´

Er legte auf. All das, was ich glaubte zu sehen war weg. Ich ging ins Taxi und meldete mich für den nächsten Tag krank. Am nächsten Tag kam niemand zu Besuch und jeder Versuch die Nummer zu erreichen endete ohne Erfolg. Ich fuhr jeden Tag weiter in meinem Taxi, zumindest glaubte ich das.

1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Nordlicht am 16.02.2021:

Sehr spannend.

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