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geschrieben 2022 von Bjarne Pfennig (BjarneP).
Veröffentlicht: 07.06.2022. Rubrik: Fantastisches


Die goldene Sonne

Eine Frau in einem goldenen Kleid schritt einen Gang aus Marmor entlang. Auf ihrem Gesicht trug sie ein warmes Lächeln.
An ihrer Seite lief ein kleiner Mann und trug in seinen Händen ein Tablett mit einem Teeservice.
Er folgte der Frau hinaus in einen Garten. Über ihnen schimmerte der schwarze Himmel.
Sie gingen an unzähligen Blumen vorbei. Die Luft war gefüllt mit ihrem Duft.
Der Mann stellte das Tablett auf einen Gartentisch und putzte sich die tropfende Nase mit einem Taschentuch trocken.
Die Frau setzte sich und der Mann schenkte ihr eine Tasse Tee ein. Er wollte gerade die Kanne zurückstellen, als …
»Möchten Sie vielleicht einen Tee mit mir trinken, Dotour?«, fragte sie.
Er zuckte zurück, als hätte er auf eine heiße Ofenplatte gefasst. »Oh, äh, wisst Ihr … es … es würde sich für mich nicht gehören, einen Tee mit jemandem wie Euch zu trinken, Herrin.«
»Ich werde es Ihnen schon nicht übelnehmen, wenn wir in diesem Fall einmal eine Ausnahme machen würden.« Sie lächelte, so wie sie es immer tat.
Dotour schluckte. »W-wenn Ihr es sagt.« Zögernd setzte er sich ihr gegenüber.
Sie schob ihm die Kanne hinüber.
»D-danke.« Zitternd goss er sich eine Tasse ein … und schüttete einen Schluck daneben.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte sie.
»V-Verzeihung, ich bin nur ein wenig nervös.« Er wischte mit seinem Taschentuch den verschütteten Tee auf.
»Wissen Sie, Dotour, es gibt wirklich keinen Grund, nervös zu sein, ich beiße schon nicht.«
»I-ich weiß, aber …«
»Lassen Sie mich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen.« Sie hob einen Finger und Dotour schwieg. »Es gab einst einen kleinen Vogel, der wollte die Welt sehen. All die anderen Vögel sagten dem kleinen Vogel, dass es gefährlich sei, dass er so klein sei, und für die längste Zeit glaubte der kleine Vogel ihnen. Doch der Ruf nach der Ferne wurde irgendwann so stark, dass der kleine Vogel nicht anders konnte, als ihm zu folgen. Er schlich sich fort und verschwand und entdeckte die Welt für sich. Er sah Berge, Meere und Dinge, die er nicht für möglich hielt, hätte er sie nicht mit den eigenen Augen gesehen.« Sie lächelte und Dotour schlürfte seinen Tee. »Der kleine Vogel war so lange auf Reisen, dass er fast seine Heimat vergessen hatte, aber eines Tages erinnerte er sich. Egal wie ihn seine Freunde und Geschwister behandelt hatten, sie waren immer noch seine Familie, und der kleine Vogel wollte ihnen von alledem erzählen, was er erlebt hatte, ihnen beweisen, dass sie sich geirrt hatten und er es geschafft hatte.
Er kehrte zurück, aber da war niemand. Der Baum, in dem er aufwuchs, war niedergebrannt, die Erde war verdorrt, und er … er war allein.«
»H-Herrin?«
»Es tut mir leid, wenn ich ein wenig vom Thema abgekommen bin, Dotour. Das, was ich Ihnen sagen wollte, ist, dass es sinnlos ist, darüber nachzudenken, was passieren könnte. Bleibt bei mir und trinkt einen Tee, riecht an den Blumen und lächelt.«

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