Kurzgeschichten-Stories
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4xhab ich gern gelesen
geschrieben von Novelle.
Veröffentlicht: 23.06.2022. Rubrik: Fantastisches


Ein Emporkömmling ist er nicht 

Seine Eltern ermöglichten ihm ein Betriebswirtschaftsstudium in Saus und Braus. Abgeschlossen hat er das Studium nie.
Seine Versuche beruflich Fuß zu fassen waren vielfältig. Da kommt schon einiges zusammen. 
In dem Callcenter damals hatte er nur eine kurze Karriere. Aber von dem Chef des Hauses hat er sich eine Menge abgeguckt. 

Irgendwann einmal ergriff er die Chance seines Lebens. Er gründete eine angeblich soziale Plattform für ältere Bürger:innen, auch Senioren genannt. Ein Team für die Mitarbeit war schnell gefunden. Ehemalige Geliebte und Kumpels von früher. Wahrhaftig ein buntes Völkchen. Während der Arbeit tranken sie viel Alkohol und lachten sich über die Beschwerden, Ausführungen und Mitteilungen der Alten kaputt. Wider Erwarten konnten sie sogar mit der GmbH Gewinn erzielen.
Als Reiseveranstalter, Online-Apotheken, Bestattungsunternehmer, Berater für alle Lebensfragen auf der Plattform inserierten, flog die Mannschaft geschlossen nach Mallorca. (Ballermann) 

Mit der Zeit wurde alles Routine und somit langweilig. Eine alleinstehende Sekretärin, Mädchen für alles, schmiss den Laden.
Wie es in den unsozialen Netzwerken zugeht, die Mitglieder stritten sich ständig auf Teufel komm raus. Sie wurden abgemahnt, gesperrt, sie wechselten einfach ihre Nicknamen und kamen immer wieder. Ständiges Kommen und Gehen war programmiert. Eigenwillige und selbstständige Leute kehrten irgendwann mal freiwillig der Plattform den Rücken. 

Nun erschien ein neues Mitglied, eine Geschichtenschreiberin. Sie wollte kreativ schreiben. Nach einer kurzen Phase ließ sie ihren Frust über einige Mitglieder aus, indem sie über diese Storys schrieb. Eine Weile ging das gut. Sie hatte Erfolg, erntete Resonanz. Bis sich ein Mitglied über sie beschwerte: Sie erhielt ihre erste Abmahnung von der Geschäftsleitung. Ihr Einwand, dass die Erzählung literarisch wäre, galt nicht. Nach angemessener Pause machte sie weiter. Sie besserte sich nicht, wie ihr dringend empfohlen wurde. Die Kurzgeschichten wurden krasser. Eine blonde Schönheit hatte ihren Argwohn erregt. Über diese Dame schrieb sie unerfreulich. Ein Verehrer der Schönheit bezeichnete gar die Kurzgeschichte als Schlüsselroman, was sie gewiss nicht war. Dichtung und eventuelle Wahrheit konnten von den geneigten Lesern nicht auseinandergehalten werden.   
Die Blondine rief den eingangs beschriebenen an. Das Gespräch war lang und pikant. Bald trafen sich die beiden zu einem lauschigen Abendessen. Sie trafen sich immer öfter. 

Nüchternes Ende der Geschichte: Die Blondine sitzt jetzt als Aushängeschild am Tresen der Firma. Sie nimmt die unzähligen Beschwerdeanrufe der Mitglieder der Plattform entgegen. Standardsätze: Jawohl, selbstverständlich, natürlich, werden wir regeln. Aus welchen Gründen auch immer, die Plattform vergrößert sich ständig. 

Die Geschichtenschreiberin hat sich neu orientiert und schreibt anderweitig weiter.

4xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Horst Radmacher am 23.06.2022:
Kommentar gern gelesen.
Gefällt mir. Die Geschichtenschreiberin wird ihren Weg gehen: keinesfalls beirren lassen und nicht auf möglichen Beifall von potentiellen Lesern spekulieren.




geschrieben von ORF am 24.06.2022:
Kommentar gern gelesen.
Biographisch?




geschrieben von Novelle am 24.06.2022:

Zu ORF v. 24.6.2022: Aber nicht doch - mit einem Augenzwinkern geschrieben.

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