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geschrieben 1999 von Roswitha Lindner (Roswitha Lindner).
Veröffentlicht: 09.01.2019. Rubrik: Unsortiert


Ein eigenes Auto

Ein eigenes Auto

Gestern bekam Brigitte ihren Führerschein. Heute will sie sich ihren heimlichen Traum erfüllen. Ein eigenes Auto. Für ihr Traumauto hatte sie lange gespart.
Brigitte ist Verkäuferin in einer Buchhandlung und ende zwanzig.
Meisten hielt sie ihre halblangen rote Haare, die stets zu einem Zopf geflochten waren. Beim Arbeiten war es eben praktisch Nun steht sie vor dem Kleiderschrank und wusste nicht, was sie anziehen sollte.
Zwar wurde im Wetterbericht, schönes Wetter angesagt, aber gegen Abend sollte es regnen.
Doch bei den Wetterpropheten weiß man ja nie woran man war.
Nach langem anprobieren, entschied sie sich für eine halblange, weiße Hose aus Leinen und einem kurzem rotem Top mit breiten .
„Dazu passen am besten die hochhackigen schwarze Pantoletten“, meinte Brigitte zu sich selbst, während sie nach den passenden Schuhen im Schrank suchte
„Das Haar werde ich offen tragen, nur mit einer Haarspange leicht zusammen halten. Den dunklen Blazer nehme ich mit, falls es doch noch regnen sollte“murmelte sie ihrem Spiegelbild zu.
Dann zog sie ihre Lippen mit einem Konturenstift nach.
Nun noch die kleine weiße Umhängetasche aus weichem Leder.
Zum Schluss setzte sie sich die Sonnenbrille mit den Spiegelgläsern auf.
„Ja. Jetzt kann ich mich ins Abenteuer stürzen“, lachte sie ihrem Spiegelbild zu und drehte sich einmal im Kreis herum.
Vor sich hin summend, verließ sie das Haus und verschloss die Tür.
Am Gartentor überlegte Brigitte, ob sie lieber mit dem Stadtbus zum Autohaus fahren sollte oder doch lieber zu Fuß gehen.
Brigitte beschloss, diesen Tag zu genießen und ging zu Fuß. Nach zwanzig Minuten erreichte sie das Autohaus.
Da gab es viele Autos. Neue und Gebrauchte. Von ihrem „Traumauto“ hatte sie eine ganz besondere Vorstellung. Rot musste es sein.
Klein, aber wendig und sparsam im Benzinverbrauch.
Das Verdeck musste offen sein und wenn es mal regnet, musste man das Verdeck hochklappen können.
Sie ging an vielen Autos vorbei, aber noch hatte sie ihr „Traumauto“ nicht gefunden. Es gab schon einige Autos, die ihr gefielen, aber nein es musste das „Traumauto“ sein.
Plötzlich sah sie im Sonnenschein, etwas Rötliches aufblitzen.
Sie ging dem Schein nach. Ja da stand es. Ihr „Traumauto“.
Genauso hatte sie sich ihr „Traumauto“ vorgestellt.
Klein, rot und es schien auch sehr wendig zu sein.
Behutsam strich sie über den linken Kotflügel.
Es war ein Cabriolet.
Da das Verdeck offen war, musste sie sich hineinsetzen.
Sie sprang nicht hinein, wie ein Mann, sondern fasste an die Fahrertür.
„Ups, die ist ja offen“, dachte Brigitte verwundert. Sie setzte sich hinters Lenkrad und versuchte sich vorzustellen, wie es ist, dieses Auto zu fahren.
Sie probierte die Schaltung.
Für Brigitte war es ein hervorragendes Gefühl.
Sie fühlte sich frei und ungebunden, träumte von wilden Verfolgungsjagden, die es in Krimis gab. Denn Brigitte ist passionierte Krimi Leserin.
Verkäuferin in einer Buchhandlung war zwar nicht ihr Traumberuf, aber zur Detektivin fehlte ihr der Mut. Von irgend etwas muss man ja leben.
Versonnen, saß Brigitte schon eine Weile im Auto. So bemerkte sie nicht, dass ein junger Mann an sie herantrat.
„Hallo schönes Fräulein. Wie steht’s mit einer Probefahrt?“
Erschrocken fuhr Brigitte herum und sah den jungen Mann verdattert an. Sekundenlang konnte sie nichts sagen.
„Warum sehen Sie mich so verschreckt an, als habe ich Sie bei etwas Verbotenem ertappt“, sagte er lächeln, dabei blitzen seine Augen auf.
Nun lächelte sie seufzend. „Ja, so eine Probefahrt wäre nicht schlecht.“
Der junge Mann hielt ihr die Autoschlüssel hin.
Brigitte sah ihn erstaunt an und ihr Blick schien zu fragen.
Sind Sie der Autoverkäufer oder ein Dieb.
Denn sie sah ja keinen jungen Mann im Autohaus, sondern eine älteren, dicklichen, der gerade mit einem Kunden zu sprechen schien.
Brigitte konnte der Versuchung nicht wiedererstehen und nahm dem jungen Mann die Autoschlüssel ab, die er ihr hinhielt.
Sie startete das Auto, vergaß dabei die Handbremse zu lösen und ließ dabei die Kupplung zu schnell kommen.
Das Auto ruckelte kurz und der Motor stotterte nur.
Nach nochmaligen starten, passierte es wieder.
Der Motor, blubberte nur kurz und dann war er aus.
Vor Aufregung dachte sie wieder nicht daran, dass man den Fuß langsam von der Kupplung nehmen muss.
War es die Aufregung, dass sie doch nun mit ihrem „Traumauto“ fahren durfte oder war es der junge Mann, der sie so durcheinander brachte.
Doch dann, bekam sie es doch noch in den Griff und fuhr los.
Nach einiger Zeit musste sie an einer Kreuzung halten.
Im Rückspiegel sah sie ein dunkelgrünes Auto, das ihr folgte.
Es folgten ihr viele Autos, aber irgendwie hatte sie das Gefühl, dass ausgerechnet dieses Auto sie verfolgte. Warum konnte sie nicht sagen!
Mit einem Satz fuhr sie über die Kreuzung, deren Ampel gerade auf Grün schaltete. Statt links abzubiegen, wie sie es eigentlich vorhatte, fuhr sie gerade aus in Richtung Neubauviertel.
Plötzlich fühlte sie sich, wie in einem James Bondfilm Sie träumte ja gern von Verfolgungsjagden und nun hatte sie eine. Aber in umgekehrter Reihenfolge. Sie wurde verfolgt. Es war wie in einem Krimi.
Mit Tempo achtzig fuhr sie auf der Umfahrungsstrecke, obwohl nur vierzig erlaubt waren, denn sie war sehr kurvenreich.
Das grüne Auto legte nun auch an Tempo zu, denn der Fahrer wollte sie ja nicht aus den Augen verlieren.
Jetzt konnte das kleine Auto zeigen, was in ihm steckt. Schnell war es ja, ob es aber auch durch die engen Gassen kam?
„Schon wieder eine Kreuzung“, fluchte Brigitte vor sich hin. „Und das Auto ist mir noch immer auf den Fersen. Was mache ich nur?“
In letzter Sekunde sah sie einen grünen Abbiegepfeil der sie vielleicht aus der Situation heraus helfen könnte. Mit quietschenden Reifen bog sie rechts ab, im Glauben, nun endliche den Verfolger los zu sein, der noch an der Ampel stand.
„Ach du lieber Schreck. Jetzt habe ich mich auch noch verfranzt“, lachte sie laut heraus.
Was nun Wohin jetzt? Recht? Links? Ach was soll’s, dachte Brigitte. Links bringt Glück, machte sie sich Mut und bog in die Gasse.
Im letzten Augenblick bemerkte sie, dass es eine Einbahnstraße war.
„Zu spät“, fluchte sie und fuhr weiter. Hoffe nur das links wirklich Glück bring und nicht die Polizei kommt, dachte sie und gab Gas.
Irgendwie kam ihr die Gegend bekannt vor.
Ja natürlich. Hier wohnt doch meine Freundin, lächelte sie aufatmend.
Jetzt wusste sie auch, wie sie in die Altstadt kam und von dort zum Autohaus.
Sie musste gerade aus fahren, die zweite Querstraße links. An der großen Kreuzung rechts, die aus der Stadt raus führte, in Richtung Konzerthalle.
An der Konzerthalle brauchte sie sich nur rechts einordnen und dann war sie zu Hause.
Ein nochmaliger Blick in den Rückspiegel.
Niemand war zu sehen. Kein Auto, kein Bus oder sonst was.
Da Brigitte doch ein schlechtes Gewissen hatte, fuhr sie zum Autohaus zurück.
Sie hatte das Auto ja nicht noch nicht gekauft und war ohne Papiere losgefahren. Abermals sah sie in den Rückspiegel.
Nein da ist niemand, nicht einmal ein Auto.
„Gott sei Dank“, seufze sie erleichtert.
Sie fuhr Richtung Osten, eine Umgehungsstraße die aus der Stadt hinausführte und bog in Richtung Industriegelände. Zweite Einfahrt links und schon war sie am Autohaus.
An der Kreuzung, die direkt zum Autohaus führte, musste sie noch einmal halten. Was sie jetzt sah, verschlug ihr fast den Atem.
Es war das dunkelgrüne Auto, welches sie verfolgt hatte.
Darin saß der junge Mann, der ihr die Autoschlüssel gegeben hatte.
Lachte er sie an oder aus?
„Das darf, doch nicht wahr sein? So was Freches. Bekanntlich kommt ja frech weiter“, knurrte Brigitte und haute auf das Lenkrad. Gut das die Hupe nicht ertönte. Zehn Minuten später kam sie am Autohaus an.
Dort stand auch der ältere, dickliche Mann, den sie vor zwei Stunden mit einem anderen älteren Mann gesehen hatte. Er lächelte ihr freundlich zu. Brigitte war erstaunt.

Warum lächelt er mir freundlich zu? Ich fuhr doch mit seinem Auto weg, ohne mich bei ihm abzumelden. Und für das Auto hatte ich doch auch keine Papiere.
Sie stieg aus, um sich zu entschuldigen. Die Worte hatte sie sich gedanklich schon zurechtgelegt. Jetzt sah sie auch den Verfolger.
Frech griente sie ihn an und winkte mit den Autoschlüsseln.
Und ihr Blick schien zu sagen: „Denkste, das du denkst. Das Auto haste nun doch nicht bekommen.“
Schadenfroh ging sie ins Autohaus und erzählte dem Besitzer die Geschichte. Der lachte.
Tränen liefen ihm dabei vom Gesicht.
Brigitte verstand die Welt nicht mehr. Warum lachte er und heult zugleich?
„ Fräulein, der Verfolger, wie Sie den jungen Mann so netterweise nennen, ist mein Sohn. Er erzählte mir, das er vergessen hat Ihnen die Autopapiere zu geben und nach Ihrem Namen zu fragen. Deshalb ist er Ihnen gefolgt,“ erklärte er und wischte sich die Lachtränen von Gesicht.
Brigitte bekam einen roten Kopf und schämte sich wegen ihrer schlechten Gedanken.Beschämt erwiderte sie: „Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und musste dieses Auto fahren. Es ist mein „Traumauto“. Ich kann es vielleicht nicht einmal bezahlen, aber zumindest habe ich es fahren dürfen. Na und das mit der Verfolgung, kommt wohl daher, dass ich oft davon träume, eine Detektivin zu sein. Leider fehlt mir der Mut dazu.“
Plötzlich kam auch der junge Mann herein und bekam noch den Rest der Geschichte mit.
Er lächelte schadenfroh. Böse war er nicht auf Brigitte. Im Gegenteil. Er fand die Geschichte und sie, recht amüsant und hübsch.
Unter anderen Umständen hätte er Brigitte nie kennen gelernt. Auch er ist ein Fan von Krimis und Detektivgeschichten. Vielleicht lernen sie sich auf dieser Basis näher kennen.

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