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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Ein Mettler.
Veröffentlicht: 14.01.2019. Rubrik: Unsortiert


Unknown

Wir schreiben das Jahr 2019, es ist 15.38 Uhr, ein junger Mann geht im Regen die Straße entlang, steuert auf ein Mehrfamilienhaus zu, schließt die Tür auf, tritt ein und die Tür fällt leise aber hörbar ins Schloss. Er steht im Treppenhaus, vor ihm das Dunkel des Treppenhauses, welches zu seiner Wohnung führt, links der Fahrstuhl, für die, wie er meint, faulen Menschen. Ein bisschen Bewegung habe schließlich noch niemandem geschadet. Er regelt die Lautstärke der Musik, die aus seinen Kopfhörern kommt etwas herunter, hier drin würde ihn sicher niemand ansprechen, und er begann die Stufen zu erklimmen. Gerade als er glaubte die erste Tür einer seiner Nachbarn hinter sich gelassen zu haben, die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit den dort lebenden auf Null gesenkt zu haben, die Gefahr überstanden zu haben, öffnet sich besagte Tür, eine junge Frau tritt heraus „Hallo, schön dich zu sehen!“ Hört er sie hinter sich rufen, er geht mit gleicher Geschwindigkeit weiter, wägt ab, ob er sich umdrehen sollte, ob er dies nicht tun sollte, immerhin konnte sie sehen, dass er Musik hörte, eine gute Ausrede wie er dachte. Nach zwei weiteren Schritten, die ihn seinem Ziel näher bringen sollten spürte er wie ihm jemand auf die Schulter tippte, für einen kurzen Moment war Verärgerung auf seinem jungen und trotzdem mit einem Dreitagebart versehenen Gesicht zu erkennen, bevor er sich umdrehte und die Nachbarstochter Jane Doe erkannte, „Hallo.“ „Ach wie siehst du denn aus?! So nass, deine Frisur ist ja völlig hinüber, warte ich richte das mal.“ Warf sie ihm entgegen, wuschelte in seinen Haaren herum. Er war sich sicher, dass sie nun noch viel furchtbarer aussahen als vorher, konnte sich den Ausdruck der Verärgerung diesmal aber verkneifen, versuchte so gut er konnte zu lächeln und drehte unbemerkt die Musik lauter. Da stand sie nun vor ihm, grinste ihn an, strahlte förmlich, er sah wie sich ihre Lippen bewegten und doch hörte er nichts von dem was sie sagte, es war als würde sie für ihn singen. Während er der Musik lauschte schaute er sie genau an, nickte wenn sie lachte, schüttelte den Kopf wenn sie anscheinend etwas ernstes sagte und wurde nach einer ewig langen Zeit von einer Stimme aus der Wohnung erlöst „Lisa kommst du bitte wieder rein, du muss auf deinen Bruder aufpassen, ich muss gleich zur Arbeit“, sie lächelte ihn an, umarmte ihn, drehte sich um und machte die Tür mit dem kleinen goldenen Namensschild unter dem Briefschlitz wieder zu. Er las die filigranen schwarzen Buchstaben „Fam. Torres“, drehte sich um und machte sich auf auch die übrigen Stufen zu bezwingen. Er schaut auf sein Handy, Akkustand 17%, 15.41 Uhr, 17 neue Benachrichtigungen aus 3 verschiedenen sozialen Netzwerken, ein entgangener Anruf und eine SMS von eben jener Nummer, die versuchte ihn anzurufen, er wechselt das Lied, regelt die Lautstärke herunter und geht die nächsten Treppenstufen hinauf. Vor seiner Tür angekommen steckt er den Schlüssel ins Schloss, die Sicherheit der eigenen vier Wände so nah, er dreht ihn um, drückt die Tür auf, tritt ein und schließt sie hinter sich. Er zieht seine Schuhe aus, neben ihm auf dem Boden bilden sich kleine Pfützen, ausgelöst vom Tropfen seiner Jacke, weshalb er sie aufhängt und das Wasser wegwischt. Er geht ins Bad, trocknet und richtet sein Haare, ein perfekter Seitenscheitel. Er macht ein Selfie für eins seiner sozialen Netzwerke, entschließt sich dann aber das Bild auf all seinen Profilen zu teilen „#goodlife“, er geht zum Fenster öffnet es, schaut heraus und springt, ein Lächeln auf den Lippen, ein unendliches Gefühl der Freiheit, er lacht nun und landet mit dem Kopf zuerst auf der Straße, er ist sofort tot.
In den Abendnachrichten wird der Vorfall ausgestrahlt, eine sichtbar verstörte Bewohnerin des Hauses wird interviewt, unten rechts im blau gelben Textfeld ist ein Name eingeblendet „L. Torres“, „Ich habe heute noch mit ihm gesprochen, er wirkte ganz normal, so wie immer eigentlich, ich habe seine Frisur gerichtet als er im Hausflur vor mir stand, ich kann das alles nicht verstehen.“

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Metti am 14.01.2019:

Noch ein Mettler hier? Au weia! Keine Ahnung, warum der nun aus dem Fenster springt, aber es musste wohl so sein! :-)

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