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geschrieben 2019 von kurt eichhorn (kurt eichhorn).
Veröffentlicht: 14.01.2019. Rubrik: Unsortiert


brief an mr xy ungeloest

brief an mr xy ungeloest

ok, mr xy ungeloest, du willst also nicht, dass ich einen deiner echten namen in meinen geschichten verwende, weil du angst hast dass dich die amerikanische daten mafia oder die russische oder beide im duett verdealen oder misbrauchen wie eine erotische gummipuppe und dir am ende ein produkt unter die nase halten, dass du gemaess deinem profil eventuell gebrauchen koenntest! vielleicht hast du auch angst, dass sie dir spaeter deine fehltritte und suenden als steine in den weg zur jounalistischen beruehmtheit werfen.

waehrend unserer gemeinsamen flohmarktzeit wo wir mit geheimen sachen geschaefte machten, wusste ich garnicht, dass du studiert hattest. ich nehme an du wusstest das auch nicht von mir. ich studierte seinerzeit philosophie und germanistik, aber nur bis zur zwischenpruefung. mein thema waren die philosphischen untersuchungen von ludwig wittgenstein. der hat kein gutes haar and den fragestellungen der philosophie gelassen und sie summa summarum als misbrauch der sprache oder als verbale missverstaendnisse gebrandmarkt. ich hatte mich da so reingekniet, dass es mir unmoeglich war hinterher weiter zu studieren.

neben meinem studium las ich zur entspannung dostojewski, henry miller und charles bukowski. dostojewski war mein favorit, aber er hat mich fast in den wahnsinn getrieben. als ich der mutter meiner verlobten erzaehlte, dass man erstmal wie raskolnikov einen umgebracht haben muesste, bevor man den automatismus von schuld und suehne versteht, fing sie an sich um ihre tochter sorgen zu machen und diese schnell wieder nach hause ins gesichterte heim zurueckzubringen. natuerlich haette ich nie einen menschen umbringen koennen, da gibt es unueberwindbare schranken, aber die thematik geisterte mir durch kopf und seele und wie gesagt machte sie mich fast wahnsinnig. zusammen mit wittgenstein war das ein gefaehrlicher cocktail, zumal ich seinerzeit auch noch kontakt zu andreas bader hatte.

gottseidank waren da henry miller und charles bukowski eine wirkliche entspannung und die welt der bueros begann fuer mich attraktiv zu werden, ich wollte unbedingt mal mit sekretaerinnen in einem buero voegeln. studentinnen hatte ich durch und kam zu der erkenntnis, dass das doch frueher oder spaeter zu einem trauten heim fuehren wuerde mit einer verbeamtung als philosophie professor. das war mir zu bieder, zu anstaendig und zu impotent. was dann in den bueros wirklich lief ist eine eigene geschichte, auf jeden fall auch nicht genug und ich landete auf dem flohmarkt, nicht als ware, sondern als haendler und da sind wir uns begenet mr ug (ungeloest) wie ich dich der einfacheit halber nennen werde.

in deinem bemerkungen zu dieser zeit finde ich aber nix als klagen und die dadurch verpassten chancen. wir koennen nun mal das rad der zeit nicht zurueckdrehen, mr ug, deshalb ist es besser nicht zu klagen, sondern das beste aus der vergangenheit zu machen, zb geschichten zu schreiben. eine bangkok storry von dir geschrieben waere wirklich eine bereicherung. na, ja, wenn du es nicht machen willst, versetze ich mich vielleicht mal in dich und versuche es. das waere eine grosse herausforderung.

die flohmarktzeit war mit dem vorangegangenen studentenleben eine meiner besten lebensabschnitte vor allem im vergleich, was direkt danach kam. erst in indonesien konnte ich wieder an diese alten schoenen zeiten anknuepfen. auch politisch war die zeit positiver, denn wir wussten ja wo der feind steht. heute ist das alles durcheinader geraten. frueher, war der mainstram rechts und heute ist er eher links und umgekehrt und wir waren links, gegen das establishment. die meisten aus dieser zeit sind heute selbst establisment, nur ich nicht, weil ich immer gegen etwas sein muss.

eure heutige situation im westen sehe ich aehnlich wie du und es sieht so aus, als wenn es keine loesung fuer die eskalierenden konflikte gaebe. die meinungen, denkweisen, glaubenspositionen sind so festgefroren, dass ich nicht wuesste was ausser einem clash eure situation bereinigen koennte. die zukunftsaussichten fuer europa sehen duester aus und ich vermute, dass es schon in ein paar jahren buergerkriege geben koennte. ich habe das bei meiner flucht nach indonesien nicht bewusst vorausgesehen, aber nach einer gewissen zeit gemerkt, was die hiesigen vorteile sind. ich moechte auf keinen fall zurueck.

was dein lamentieren ueber verpasste chancen betrifft, so bedenke den alten spruch: es ist nie zu spaet! fang an, schreib journalistische artikel uber die politische auswegslosigkeit, ueber alternativen zur derzeitigen politik. aber achtung, bei euch kann man kaum eine vom mainstream abweichende meinung vertreten, ohne sofort angefeindet und ausgegrenzt zu werden. ich habe keine veranlagung zu journalismus. ich bevorzuge symbolik, assoziation, freiheit, gedankenspiel, allegorie, muesiggang usw., nicht tatsachen und "wahrheiten".

denn:
die wahrheit ist die hure des mainstream
sie zu voegeln ueberlasse ich den journalisten
(von mir)

uebrignes unsere bangkok story ist eine variation des narziss und goldmund, wobei der narziss detailierter haette beschrieben werden sollen. waere bestimmt interessant gewesen, wenn ich ihn mehr zu wort haette kommen lassen, aber die geschichte ist in einem atemzug geschrieben und als kuzgeschichte konzipiert - zu mehr fehlt mir der atem. alle meine geschichten haben einen abstrakten kern, in dem sich mehr oder weniger deutlich ausgesprochene alltagskonflikte verbergen. wenn das noch nicht richtig rauskomt - ich arbeite daran.

ich werde weiterhin geschichten schreiben und mich nicht mehr grossartig um eure unloesbaren probleme scheeren. 3 km von mir entfernt ist ein vulkan, der oft grummelt und manchmal die erde wackeln laesst, aber angst habe ich nicht. man gewoehnt sich an alles.

in der ferne ein iman
ein vogel singt im garten
irgendwo eine hochzeit
ein hahn kraeht
und die zeit steht still

der muessiggaenger

hab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Metti am 14.01.2019:

Du schreibst alle Geschichten in Kleinbuchstaben. Was ist der tiefere Grund für dieses "Alleinstellungsmerkmal"?




geschrieben von kurt eichhorn am 15.01.2019:

hallo andreas, ich schreibe schon viele jahre in kleinbuchstaben, allerdings nur mail. es gibt keinen tieferen grund, es ist bequemlichkeit. spricht etwas dagegen bei kurzgeschichten? im engglischen wird ja auch nur kleingeschrieben.




geschrieben von Metti am 15.01.2019:

Nein, es spricht nichts dagegen. Das Motto dieser Seite heißt: Schreib, wie Du willst. Ich war nur neugierig.

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