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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von Clowndip (Clowndip).
Veröffentlicht: 11.06.2019. Rubrik: Unsortiert


Eine Weile; Eine Ewigkeit

Das Stöhnen und ächzen lies ihn mal wieder nicht schlafen. So gab er seiner Frau einen Kuss auf die Stirn, welche sich verträumt zur Seite drehte. Langsam und Vorsichtig um sie nicht zu wecken, glitt er seitlich aus dem Bett.
Auf dem Weg zur Tür griff ein Arm nach dem seinem, was ihn kurz zusammenfahren lies.
„Wohin gehst du?“
„Ich brauche nur kurz frische Luft. Diese Geräusche machen mich fertig....“
„Lass mich bitte nicht die ganze Nacht allein.“
„Keine Sorge es wird bald hell. Solange bin ich auch nicht weg.“
Er sah ihr tief in ihre braunen mit Tränen gefüllten Augen.
„Ich liebe dich...“
Dann drehte sie sich herum und lies ihn ziehen.

Leise schlich er aus seinem Zimmer in den Flur. Das Geräusch vor dem Fenster ähnelte nun mehr dem Klang einen starken Windes.
In der Ferne dachte er einen Motor zu hören, war sich aber nicht sicher. Zu oft in den letzten Monaten hatten ihn seine Ohren getäuscht.
Nachdem er seine Hose vom Boden gerafft, in seien Schuhe gestiegen und sich eine Jacke übergezogen hatte, trat er hinaus in das Treppenhaus.

Unten im Keller surrten die Dieselaggregate vor sich hin, und verbreiteten einen altbekannten stinkenden Geruch im gesamten Haus.
Schnell lief er hinunter, schob die Speere von der Tür, hievte den schweren Riegel von der Tür und trat hinaus ins Freie. Sein Blick glitt über den von Girlanden erleuchteten umfunktionierten Parkplatz. Überall reihten sich Hochbeete dicht an dicht, nur getrennt von einem schmalen Streifen der als Weg dient. Sie hatte sich wirklich alle Mühe gegeben es Wohnlich wirken zu lassen. Selbst den Drei Meter hohen Zaun aus geschliffenen Holzpfählen den er mit seinem Mitbewohner aufstellte hatte sie im vergangenen Sommer ordentlich gestrichen. Blau.... Ihre Lieblingsfarbe.
Seinen Mitbewohner hatte er seit dem Winter nicht mehr gesehen, als er kurz in die nächste Stadt wollte.
„Vielleicht läuft er auch hier draußen herum, hinter dem Zaun und wartet irgendwo auf uns..“ murmelte er als er über den Hof zu einer alten ausgeblichenen Holzbank schlenderte.
Von draußen schien ein Trommeln gegen die Mauer zu hämmern.
„Wie prasselnder Regen“ gluckste er.
Einen Moment atmete er tief ein und aus, als er zu den Sternen hinauf sah und langsam einschlief.

Ein Kuss auf die Wange weckte ihn vorsichtig aus seinen Träumen.
„Guten Morgen du Schlafmütze. Du bist ja doch nicht zurück gekommen. Und du hast die Tür offen gelassen, bitte mach sie beim nächsten Mal gleich zu wenn du rausgehst. Ich möchte keines dieser Dinger im Schlafzimmer weist du?“
„Aua..“, täuschte er vor gekränkt zu sein, „und was ist mit mir?
„Du passt auf dich selber auf, dass weiß ich einfach“ lächelte sie ihn an.
Als sie sich umdrehte um die Beete zu gießen, pikste er sie in die Seite, was sie leicht zum stolpern brachte. Lachend ging sie davon.
Es könnte alles so schön sein.
„Fast wie im Traum“ sagt er zu sich, lächelt und geht wieder ins Haus.
Er steigt die erste Treppe hinauf bis zu der gläsernen Fronttür des ehemaligen Lehrinstituts. Der Riss in der Scheibe schien zu wachsen und ähnelte einer Rosen ranke welche über eine Mauer wächst. Noch immer lagen hier Schlafsäcke dicht an dicht. Fotos, Bücher, Decken und diverser Krimskrams den die Leute zurückgelassen hatten. Viele waren gekommen, und ebenso viele gegangen. Nur sie und er waren geblieben. Ob es richtig war wusste er nicht. Vielleicht hatte jemand ja gefunden wonach er gesucht hatte. Er stieg über die kleine Leiter in der Abstellkammer auf das Dach hinauf. Ein Blick auf die Eimer sagte ihm, das sie immer noch leer waren. Auch die Folie zum Tau sammeln stellte sich als Nutzlos heraus. Er ging den Rand entlang. Unten sah er sie, wie sie mit dem Ernten der Gurken beschäftigt war. Er ging weiter und sah nun über den Zaun hinaus. Das Dorf lag ruhig in einem von Bergen eingefasstem Tal. Es war nicht sonderlich groß oder schön, und dennoch faszinierte es ihn immer wieder auf neue. Es versprühte seinen eigenen sonderbaren Charme.
Er wäre gerne wieder durch die kleinen Gassen geschlendert, hätte am Parksee inne gehalten um die Fische zu beobachten, oder hätte sich zum dösen auf die kleine Wiese am Dorfrand gelegt. Wenn nur diese Dinger nicht wären.
Bald würden ihnen Wasser und Kraftstoff ausgehen. Der Winter stand bevor, und zum Heizen nichts mehr übrig. Auch das Essen würde keine Fünf Monate mehr reichen. Es graute ihm davor seinen sicheren Hafen zu verlassen.
Sein Blick senke sich hinab auf die Straße. Er sah sie....
Hunderte wenn nicht gar Tausende Hände streckten sich nach ihm aus und versuchten ein kleines Stück von ihm zu greifen um ihn in die tiefe zu ziehen. Ihr stöhnen war unerträglich. Ihr Gestank noch grässlicher.
Wie oft hatte er schon daran gedacht ihren Rufen nachzukommen und einfach zu springen. Er stellte sich ganz nach vorne auf den Rand. Ein Bein nach vorne.
„Vorbei...“ murmelte er und schloss die Augen.
Ein beherzter Griff von hinten lies ihn unsanft auf dem Dach landen. Er schnellte herum.
Sie stand vor ihm; Tränen rollten ihre Wangen hinab.
„Heute nicht. Morgen nicht, und übermorgen auch nicht. Ich brauche dich du Idiot.“
„Schatz ich....“
„Du bist alles was mir geblieben ist. Für immer“
Er zog sie an sich. Ihre Lippen zitterten als er sie küsste.
„Lass uns wieder runter gehen“ flüsterte Sie.
„Ich liebe dich...“
„Ich liebe dich. Bleib bei mir, nur noch eine Weile“
„Eine Weile, Eine Ewigkeit“ entfuhr es ihm.
„Unsere Ewigkeit...“

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Noxlupus am 23.06.2019:
Ich habe es gern gelesen, drum will ich mich hier verewigen :-) LG

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