Veröffentlicht: 04.01.2026. Rubrik: Spannung
Verirrt
Ich lief durch einen Wald. Der Wald war dunkel und finster. Ich kam an einen kleinen See. Ich trank etwas Wasser. Ich weiß nicht, wie lang ich schon durch diesen Wald irrte, aber ich fühlte mich unfassbar erschöpft. Ich ruhte mich kurz aus und fiel in einen tiefen Schlaf. Ich träumte von Monstern und unheilvollen Endszenarien. Ich wachte mit einem Ruck auf. Es war dunkel geworden. Es war als wäre der Wald zum Leben erwacht. Überall hörte man es schreien. Wer hätte gedacht, dass Tiere so laut sein können? Ich stand auf. Ich suchte nach einem Weg raus aus diesem Wald. Vor sechs Tagen hatte ich mich hier verirrt. Doch umso länger ich in eine Richtung lief, umso mehr hatte ich das Gefühl tiefer hineinzulaufen. Plötzlich entdeckte ich ein kleines Licht im Dickicht. Ich lief darauf zu. Ich musste mich ein wenig durch Gestrüpp winden, aber ich hatte Glück. Ein Waldhaus. Vielleicht ein Förster? Was sollte ich tun? Was wenn die Person gefährlich war? Andererseits war ich bereits sehr ausgehungert und die Tage wurden immer kälter. Ich suchte nach etwas, womit ich mich im Notfall verteidigen könnte. Ich fand einen spitzen Stein und versteckte ihn in meinem Hosenbund. Ich klopfte an die Tür. Es dauerte nicht lang, und ich hörte knarzente Schritte auf Holzboden. Jemand näherte sich der Tür und öffnete sie. Ein Mann, groß, mit Bart. Er schaute mich verdutzt an. Ich musste schrecklich aussehen. Aber er schien sich zusammenzureißen: "Alles in Ordnung bei Ihnen? Brauchen Sie Hilfe?". Ich fühlte mich zuerst erleichtert. 'Ja, ich brauche Hilfe.', dachte ich. Aber ich sprach es nicht aus. Die letzten Tage haben mich sehr vorsichtig gemacht. "Entschuldigen Sie. Aber ich habe mich verlaufen. Ich versuche schon lang aus dem Wald herauszufinden. Aber ich weiß nicht, ob ich in die richtige Richtung laufe. Können Sie mir bitte sagen, ob wir in der Nähe von einem Ort sind?" Der Mann schaute mich von oben bis unten an und schien zu verstehen. "Ja. Ich kann Sie dort hinbringen. Es sind immerhin noch zehn weitere Kilometer. Wir müssten allerdings zu Fuß gehen. Der Wald ist naturgeschützt. Es gibt hier keinen Fahrtweg. Schaffen Sie das?" "Ja. Natürlich.", sagte ich mit voller Überzeugung. "Wollen Sie vielleicht kurz reinkommen? Ich kann Ihnen etwas zu essen machen." Der Mann wirkte freundlich. Aber ich wollte nichts riskieren. "Danke. Ich weiß das zu schätzen. Aber ich würde lieber so schnell wie möglich zu einem Ort gelangen." Der Mann sah merkwürdig enttäuscht aus. "Aber es ist dunkel. Es ist besser, wenn wir bei Tageslicht gehen." Ich wusste, dass das kommen würde. Die Tage im Wald hatten meine Sinne extrem geschärft und die Dunkelheit machte mir nichts mehr aus. Aber klar. Andere Menschen würden das in Frage stellen. 'Was sollte ich sagen?' "Haben Sie vielleicht eine Taschenlampe? Ich weiß, ich fordere viel. Aber ich möchte einfach nur in den nächstgelegenen Ort." Schlussendlich gab er nach. Er holte eine große Taschenlampe und wir begannen den Weg raus aus dem Wald. Es war unglaublich still. Doch ich blieb stark. Und nach einer Stunde und 40 Minuten waren wir am Ende des Waldes. Es trennte mich nur noch ein einfacher Feldweg zu den ersten Häusern. "Danke. Den Rest schaffe ich allein." "Gut." Er schaute mich noch einmal an und drehte sich dann wieder um und ging zurück. Ich hatte es geschafft.
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