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4xhab ich gern gelesen
geschrieben von ORF.
Veröffentlicht: 07.03.2026. Rubrik: Satirisches


Niemals!...

in meinem bisherigen Leben habe ich es zu einer dominierenden Person der Zeitgeschichte geschafft. Klar, da gab es meinen Vater, der unbedingt aus mir nicht nur einen berühmten sondern auch erfolgreichen Schachspieler machen wollte. Ungefähr so etwas wie ein Großmeister sollte aus mir werden. Als Schüler hatte ich ein zweites Hausaufgabenheft. In einem standen die Aufträge der Schule in der man aus mir eine entwickelte sozialistische Persönlichkeit machen wollte. In dem anderen standen Eröffnungszüge, Mittelspiele und Endzüge berühmter Schachspieler der Gegenwart und Vergangenheit. Diese sollte ich auswendig lernen bis mein Vater sie überraschend abfragte und das geschah relativ oft. Da mussten sie sitzen und ich in der Lage sein mich bravourös auf 64 Feldern zu tummeln und mich erfolgreich gegen die Angriffe schnöder Konkurrenten zu wehren. Aber ach, leider war fast alles umsonst denn meine Motivation für die unblutigen Zwiste auf dem Brett mit anderen Geistestitanen, waren nicht unbedingt meins und ich wollte lieber im Fanfarenzug unserer Schule mitspielen. Und so habe ich mich letztendlich dafür entschieden. Sehr zum Leidwesen meines Erzeugers, denn auch ein erfolgreicher Blechbläser ist aus mir nie geworden.
Dafür hat es mein Porträt. Schwarz weiß, mit einer Pouva Start aufgenommen, immerhin auf die Tafel der fünf größten Schlampen unserer polytechnischen Oberschule geschafft. Als ich dies stolz meinem Vater vermeldete, bekam ich als erstes eine Ohrfeige, dann ist mein alter Herr wutschnaubend in die Bildungsstätte gerast um diese `Ehrung´, zumindest für mich, rückgängig zu machen. Erfolglos, musste ich vermelden. Ich hatte diese `Ehre´ rund ein Jahr an der Backe. Nicht zuletzt war dies auch meinem Zeichenlehrer zu verdanken, der mich als geistigen Dünnschiss, Dünnbrettbohrer oder wandelnden Hohlnagel bezeichnete und mich dies auch, ziemlich häufig, merken ließ. Kurz und gut, so wurde aus mir ein leicht übergewichtiger, vollbärtiger junger Erwachsener, der es dazumal eben nicht in die oberen Riegen geschafft hatte.
Heute bin ich seit Jahren Rentner und stehe ziemlich über diesen Dingen zumal es ja einen gesellschaftlichen Wechsel gab und das Land, welches mich damals so schnöde behandelte und meine Potentiale eben nicht entsprechend förderte, Geschichte ist, also nicht mehr existiert.
(O.R.F.)

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 07.03.2026:

Ja, @ORF, die Sitten in der Ex-DDR waren rauh.
Von solchen Ehrungen kann ich auch ein Liedchen singen.
Viele Grüße, Jo

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