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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Phoberos (Phoberos).
Veröffentlicht: 03.04.2026. Rubrik: Spannung


Das Artefakt

Szene 1 – Petersplatz (bereinigte Fassung)
Der Regen hatte den Petersplatz bereits seit Stunden in ein graues Becken verwandelt. Zwischen den dunklen Pflastersteinen sammelte sich Wasser, das im Licht der Straßenlaternen stumpf schimmerte.
Leon Voss stellte den Wagen am Rand des Platzes ab, öffnete die Tür und stieg in den Regen hinaus. Die Tropfen prasselten sofort auf seinen Mantel. Er schlug den Kragen hoch und sah kurz hinüber zu dem alten Stadthaus gegenüber der Universität Basel.
Ein Streifenwagen stand schräg vor dem Eingang, das Blaulicht war inzwischen abgeschaltet.
Voss stieß die Autotür hinter sich zu. Der Wagen verriegelte sich mit einem kurzen Klick, während er über das nasse Pflaster auf den Eingang zuging.
Der Uniformierte an der Tür nickte ihm zu.
„Grüezi.“
Voss zeigte seinen Ausweis. Der Beamte öffnete die Tür.
„Dritter Stock.“
Das Treppenhaus war schmal und alt. Die Stufen aus dunklem Holz knarrten unter seinem Gewicht. Als er oben ankam, standen im Flur mehrere Kisten mit Büchern. Weitere stapelten sich entlang der Wände, als hätten sie sich im Laufe der Jahre langsam aus der Wohnung hinausgearbeitet.
Voss blieb kurz stehen und sah sich um.
Dann trat er ins Arbeitszimmer.
Der Tote lag auf dem Rücken zwischen Schreibtisch und Bücherregal.
Ein Mann um die sechzig, graues Haar, Brille noch halb auf der Nase. Unter seinem Kopf hatte sich eine dunkle Blutlache gebildet, die langsam in den Teppich sickerte.
„Professor Adalbert Schlunser“, sagte eine Stimme hinter ihm.
Voss drehte sich um.
Ein breitschultriger Mann im dunklen Mantel stand im Türrahmen und hielt ihm ein Paar Handschuhe hin.
„Franco Caricio. Fedpol.“
Voss zog eine Augenbraue hoch.
„Bundespolizei?“
Caricio nickte leicht.
„Historische Artefakte. Deshalb bin ich hier.“
Voss zog die Handschuhe über und trat näher an den Körper heran.
Einen Moment betrachtete er den Toten schweigend.
Dann ließ er den Blick über den Schreibtisch dahinter wandern.
Die Kante des massiven Möbelstücks war an einer Stelle abgesplittert. Frisches Holz schimmerte hell durch die dunkle Lackschicht. Direkt darunter klebte Blut.
Voss deutete darauf.
„Er ist rückwärts gefallen.“
Caricio trat einen Schritt näher.
„Gerichtsmedizin sagt: Todesursache stumpfe Gewalteinwirkung am Hinterkopf, keine weiteren Verletzungen.“
Voss richtete sich wieder auf und ließ den Blick durch den Raum gleiten.
Mehrere Schubladen standen offen. Bücher lagen aus den Regalen gerissen auf dem Boden. Ein Sessel war umgeworfen.
„Jemand hat hier gesucht“, sagte Voss.
Caricio verschränkte die Arme.
„Sieht so aus.“
Voss betrachtete die offenen Schubladen, die verschobenen Bücher und die Papiere auf dem Boden.
„Er arbeitete sich durch den Raum“, sagte er.
Caricio sah ihn an.
Voss deutete nacheinander auf die Spuren.
„Schreibtisch. Bücherregal.“
Dann zeigte er auf Keramikscherben neben dem Tisch.
„Und hier hört es plötzlich auf.“
Caricio folgte seinem Blick.
„Sie meinen, er hat gefunden, was er gesucht hat.“
Voss zuckte leicht mit den Schultern.
„Oder er wurde überrascht.“
Er sah zum Körper.
„Schlunser kommt zurück, überrascht den Einbrecher. Kurzes Gerangel.“
Er deutete auf die beschädigte Tischkante.
„Stoß. Sturz.“
Caricio nickte langsam.
„Und danach Panik.“
Voss kniete sich kurz hin und betrachtete die Keramikstücke.
„Ein Gefäß.“
Caricio betrachtete die Bruchstücke ebenfalls.
„Vielleicht hat er darin gesucht.“
Voss richtet sich wieder auf.
„Wenn er wusste, wonach er sucht.“
Er ließ den Blick noch einmal durch den Raum wandern.
Caricio schwieg einen Moment.
Dann griff er in die Innentasche seines Mantels und zog eine kleine Karte hervor.
„Wenn Sie feststecken“, sagte er, „rufen Sie diesen Mann an.“
Voss nahm die Karte.
Darauf stand nur ein Name.
Cailin.
Keine Adresse. Keine Funktion. Nur eine Telefonnummer.
Voss hob eine Augenbraue.
„Wer ist das?“
Caricio sah kurz zum Fenster hinaus, wo der Regen gegen das Glas lief.
Dann sagte er ruhig:
„Jemand, der mir einmal geholfen hat.“

 
Szene 2 – Frische Luft
Als Voss und Caricio das Haus verließen, hatte der Regen nachgelassen.
Der Petersplatz lag still unter den Laternen. Wasser stand noch zwischen den Pflastersteinen, und irgendwo tropfte es von einer Dachrinne.
Voss blieb unter dem Vordach stehen.
„Rauchen Sie?“, fragte er.
Caricio schüttelte den Kopf.
Voss zog eine Schachtel aus der Manteltasche, klopfte eine Zigarette heraus und zündete sie an. Beim ersten Zug hielt er den Rauch kurz in der Lunge.
Dann blies er ihn langsam aus und sah zum Fenster im dritten Stock.
Für einen Moment sagte keiner von beiden etwas.
Voss lehnte sich leicht gegen die steinerne Hauswand.
„Ich mache das immer so“, sagte er schließlich.
Caricio sah ihn fragend an.
Voss deutete mit der Zigarette nach oben.
„Einmal raus. Kopf frei bekommen.“
Er sah wieder zum Fenster.
„Der Tatort erzählt eine Geschichte. Aber manchmal hört man sie erst, wenn man einen Schritt zurücktritt.“
Caricio nickte leicht.
Der Wind fuhr über den Platz und trieb ein paar lose Blätter über das nasse Pflaster.
„Also“, sagte Voss schließlich.
„Ein Einbrecher sucht etwas. Schlunser kommt zurück. Es gibt eine Konfrontation.“
Er nahm noch einen Zug und blies den Rauch langsam aus. Sein Blick blieb auf dem Fenster im dritten Stock hängen.
„Stoß – Sturz.“
Caricio sah ebenfalls zum Fenster hinauf.
„Und der Einbrecher glaubt, gefunden zu haben, was er gesucht hat.“
Voss wiegte den Kopf. „Möglich.“
Die Zigarette war fast aufgeraucht.
Er trat vom Eingang weg, tippte den Stummel kurz in eine Pfütze und warf ihn danach in den Abfalleimer am Rand des Platzes.
„Mal sehen, was Schlunser uns dazu hinterlassen hat.“
Dann drehte er sich um und ging zurück zum Eingang.
Caricio folgte ihm.
________________________________________
 
Szene 3 – Schlunsers Spur
Voss öffnete die Haustür, trat wieder ins Treppenhaus und stieg die Treppe ins dritte Stockwerk.
Im Arbeitszimmer arbeitete bereits die Spurensicherung. Kameras klickten leise, während jemand den Boden neben dem Schreibtisch markierte.
Der Computer des Professors war noch eingeschaltet. Der Bildschirm war im Standby-Modus.
Voss blieb kurz stehen.
„Hat jemand den Rechner schon untersucht?“
Ein Techniker schüttelte den Kopf.
„Nein. Wir haben ihn so gelassen, wie wir ihn gefunden haben.“
Voss griff nach der Handschuhbox der Spurensicherung und zog ein frisches Paar Handschuhe über.
Dann bewegte er die Maus.
Der Bildschirm erwachte.
Mehrere Fenster lagen übereinander. Notizen, Scans alter Handschriften und Fotografien von Manuskriptseiten.
Ganz oben lag ein Dokument.
Schema_7.pdf
Voss öffnete es.
Die Zeichnung erschien auf dem Bildschirm.
Ein Kreis aus sieben Symbolen. In der Mitte eine geometrische Struktur aus Linien und Facetten.
Caricio trat neben ihn.
„Das ist die Zeichnung vom Schreibtisch.“
Voss nickte.
„Schlunser hat daran gearbeitet.“
Unten in der Taskleiste blinkte ein weiteres Programm.
Outlook.
Voss klickte es an.
Der Posteingang öffnete sich. Ganz oben stand eine Nachricht.
Von: Markus Feldmann
Betreff: Re: Symbolik
Voss öffnete sie.
Die Antwort war kurz.
________________________________________
Keine Ahnung, was das ist.
Ich habe die Zeichnung anonym in ein Forum gestellt. Vielleicht erkennt sie dort jemand.
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Darunter hing der ursprüngliche Nachrichtenverlauf.
Voss scrollte nach unten.
________________________________________
Markus,
ich komme mit der Struktur nicht weiter.
Die Zeichnung kennst du – sie taucht in mehreren Handschriften auf, aber niemand erklärt sie überzeugend.
Interessant ist etwas anderes.
Ich habe ein Objekt gefunden, auf dem eines der Zeichen eingeritzt ist.
Ich hänge dir ein Foto an.
________________________________________
Voss richtete sich leicht auf.
„Foto?“
Caricio sah auf den Bildschirm.
„Ist keins da.“
Voss wechselte in den Ordner Gesendete Elemente.
Dort stand die ursprüngliche Nachricht.
Er öffnete sie.
Zwei Anhänge erschienen unter der Mail.
schema_7.pdf
artefakt.jpg
Voss klickte das Bild.
Das Foto öffnete sich.
Darauf zu sehen war ein kleines Objekt auf Schlunsers Schreibtisch. Metall, kaum größer als eine Münze. In seiner Oberfläche war eines der sieben Symbole eingeritzt.
Daneben stand ein schlichtes Keramikgefäß.
Caricio sah vom Bildschirm zu den Scherben am Boden.
„Das Gefäß.“
Voss nickte.
„Danach hat er vermutlich gesucht.“
Einen Moment lang sagte keiner etwas.
Dann öffnete Voss den Link aus der Mail.
Der Browser startete.
Ein Diskussionsforum für historische Symbolik erschien. Der Beitrag stand noch ganz oben.
Voss öffnete ihn.
Titel:
Symbolstruktur aus mittelalterlichem Diagramm – Zusammenhang mit Objektfund?
Darunter der Text:
Ein Kollege arbeitet seit einiger Zeit an dieser Symbolstruktur aus mehreren spätmittelalterlichen Handschriften.
Vor kurzem ist in seiner privaten Sammlung ein kleines Objekt aufgetaucht, auf dem ein Symbol eingeritzt ist.
Dieses entspricht exakt einem der Zeichen aus dieser Zeichnung.
Der Kollege beschäftigt sich hauptsächlich mit Symbolsystemen religiöser Orden des 12.–13. Jahrhunderts.
Hat jemand dieses Zeichen oder eine ähnliche Struktur schon einmal gesehen?
Darunter standen mehrere Antworten.
Spekulationen über Ordenszeichen, mystische Geometrie und mittelalterliche Diagramme.
Nichts davon führte wirklich weiter.
Voss lehnte sich leicht zurück und las den Beitrag noch einmal.
„Der Poster nennt keinen Namen“, sagte er schließlich.
Caricio nickte.
„Aber ziemlich viele Details.“
Voss deutete auf den Bildschirm.
„Privatsammlung. Spezialgebiet Ordenssymbolik. Mittelalter.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Wenn man danach sucht, landet man früher oder später bei ihm.“
Caricio sah kurz zu den Bücherregalen im Raum.
„Also könnte jemand über diesen Post auf Schlunser gekommen sein.“
Voss nickte.
Er schloss den Browser.
Dann griff er in seine Manteltasche.
Zwischen seinen Fingern erschien die kleine Karte.
Cailin
Voss betrachtete den Namen einen Moment lang.
Dann sah er zu Caricio.
„Sie sagten, er hätte Ihnen einmal geholfen.“
Caricio nickte.
„Das hat er.“
Voss nahm sein Telefon.

Szene 4 – Der Anruf
Voss drehte die kleine Karte zwischen den Fingern.
Cailin
Darunter eine Telefonnummer.
Keine Adresse. Keine Funktion.
Er sah zu Caricio.
„Und der hilft bei solchen Sachen?“
Caricio zuckte leicht mit den Schultern.
„Manchmal.“
Voss betrachtete den Namen noch einen Moment.
Dann wählte er die Nummer.
Das Freizeichen kam sofort.
Einmal.
Zweimal.
Beim dritten Klingeln wurde abgenommen.
„Ja.“
Die Stimme war ruhig. Wach.
Voss zögerte einen Augenblick.
„Mein Name ist Leon Voss. Hauptkommissar der Polizei Basel-Stadt. Franco Caricio hat mir Ihre Nummer gegeben.“
Eine kurze Pause.
Dann sagte die Stimme:
„Dann hast du vermutlich ein Problem.“
Voss sah kurz zu Caricio.
„Ein Historiker ist heute Abend gestorben.“
Am anderen Ende der Leitung blieb es einen Moment still.
„Schlunser“, sagte Cailin schließlich.
Voss runzelte leicht die Stirn.
„Woher wissen—“ Er brach ab. „Sie kennen ihn?“
„Nicht persönlich.“
Eine kurze Pause.
„Aber ich vermute, dass er etwas gefunden hat.“
Voss ging ein paar Schritte zum Fenster.
Der Regen hatte nachgelassen. Der Petersplatz lag ruhig unter den Laternen.
„Jemand ist in seine Wohnung eingebrochen“, sagte er.
„Er hat etwas gesucht.“
„Natürlich.“
Voss sah wieder zum Schreibtisch.
„Wir wissen noch nicht genau, was.“
Am anderen Ende der Leitung raschelte es leise.
Dann sagte Cailin ruhig:
„Hat jemand das Telefon überprüft?“
Voss runzelte die Stirn.
„Welches Telefon?“
„Das des Täters.“
Voss schwieg einen Moment.
„Wir wissen nicht einmal, ob er eines benutzt hat.“
„Doch“, sagte Cailin.
Seine Stimme klang nicht überzeugt. Nur sicher.
„Er hat einen Anruf begonnen.“
Voss sah zu Caricio.
„Und wieder aufgelegt.“
„Woher wollen Sie das wissen?“
Am anderen Ende blieb es kurz still.
Dann sagte Cailin:
„Weil Menschen in solchen Momenten fast immer versuchen, Hilfe zu rufen.“
Voss sagte nichts.
„Lass die Notrufzentrale prüfen“, fuhr Cailin fort.
„Es wird einen abgebrochenen Anruf geben.“
Voss sah wieder zum Schreibtisch.
Zur abgesplitterten Holzkante.
Zur Blutspur am Boden.
„Und noch etwas“, sagte Cailin.
Voss wartete.
„Der Täter hat den Puls überprüft.“
Caricio hob leicht eine Augenbraue.
„Er wollte wissen, ob Schlunser noch lebt.“
Voss sah zum Schreibtisch.
„Das ist eine Vermutung.“
„Ja.“
Eine kurze Pause.
Dann sagte Cailin:
„Sieh dir den Tisch noch einmal an.“
Voss blickte zur beschädigten Stelle.
„Wo genau?“
„Rechts neben der Bruchkante.“
Voss schwieg.
„Dort wird eine Spur sein.“
Die Leitung wurde still.
Voss nahm das Telefon langsam vom Ohr.
Caricio sah ihn an.
„Und?“
Voss steckte das Telefon wieder ein.
Dann sah er zum Schreibtisch.
„Wir sollten uns den Tisch noch einmal ansehen.“

Szene 5 – Die Spur
Voss stand vor dem Schreibtisch und betrachtete die abgesplitterte Kante.
„Rechts daneben“, sagte er ruhig.
Der Techniker kniete sich hin und leuchtete mit einer kleinen Lampe über das Holz. Für einen Moment war nur das leise Summen der Geräte zu hören.
Dann hielt er inne.
„Hier.“
Er deutete auf eine matte Spur im Lack. Ein Handballenabdruck, leicht verschmiert, aber klar genug, um ihn zu sichern.
Caricio trat näher.
„Nicht perfekt“, sagte der Techniker, „aber verwertbar.“
Voss nickte nur.
Er griff nach seinem Telefon und wählte eine Nummer.
„Notrufzentrale.“
„Hier Voss. Prüfen Sie eingehende Anrufe vom Petersplatz, heute Abend, ungefähr zweiundzwanzig Uhr.“
Eine kurze Pause.
Dann: „Einen Moment.“
Voss sah zum Fenster hinaus. Der Platz lag ruhig. Nur vereinzelt bewegten sich noch Menschen über das nasse Pflaster.
„Wir haben etwas“, sagte die Stimme am anderen Ende schließlich.
„Abgebrochener Anruf. Zwei Sekunden. 22:17 Uhr.“
Voss richtete sich leicht auf.
„Nummer?“
Die Zentrale nannte sie.
Voss wiederholte sie leise.
„Leiten Sie die Nummer weiter“, sagte er ruhig.
„Ich brauche den Teilnehmer.“
„Verstanden“, kam die Antwort.
Caricio sah ihn an.
„Und?“
Voss steckte das Telefon ein und sah zu Caricio.
„Das dauert nicht lange.“
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Die Adresse lag nur wenige Straßen entfernt.
Die Wohnung war klein. Licht brannte.
Als die Polizei klopfte, dauerte es einen Moment.
Dann öffnete ein junger Mann.
Er wirkte überrascht. Und sofort angespannt.
„Polizei“, sagte Voss ruhig.
Der Mann trat einen Schritt zurück.
Die Beamten durchsuchten die Wohnung. Auf dem Tisch lag ein Mobiltelefon.
Voss hob es auf.
„Ihre Nummer?“
Der Mann nickte zögernd.
Voss aktivierte das Display und ließ den Blick kurz darüber gleiten.
Caricio trat näher.
„Sie waren am Petersplatz.“
Der Mann schwieg.
Voss legte das Telefon wieder auf den Tisch.
„22:17 Uhr“, sagte er.
„Sie haben einen Anruf begonnen.“
Keine Antwort.
„Und wieder aufgelegt.“
Der Mann sah zu Boden.
Voss ließ den Blick kurz durch den Raum gehen.
Dann sagte er ruhig:
„Wir haben einen Abdruck vom Tatort.“
Stille.
„Nicht perfekt“, fuhr er fort,
„aber gut genug.“
Der Mann schluckte.
Voss sagte nichts mehr.
Die Sekunden vergingen.
Dann, leise:
„Ich wollte ihn nicht töten.“
Niemand antwortete.
Voss sah ihn an.
„Was haben Sie gesucht?“
Der Mann zögerte.
Dann:
„Das Objekt.“
Voss’ Blick blieb ruhig.
„Wo ist es?“
Der Mann schluckte.
„Ich habe es abgegeben.“
Caricio trat einen Schritt näher.
„An wen?“
Der Mann schüttelte den Kopf.
„Ich kenne den Namen nicht.“
„Wo?“
„Schließfach.“
Der Mann sah wieder zu Boden.
Voss betrachtete ihn einen Moment.
Dann wandte er sich an die Beamten.
„Nehmt ihn mit.“
Er sah noch einmal kurz auf das Telefon auf dem Tisch.
„Den Rest klären wir später.“
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Kurz darauf stand er wieder auf dem Petersplatz.
Der Regen hatte aufgehört. Die Luft war kühl.
Er zog das Telefon aus der Tasche und wählte die Nummer.
Cailin nahm sofort ab.
„Ja.“
Voss sah hinüber zum alten Haus.
„Das Objekt ist weg.“
Eine kurze Pause.
Dann sagte Cailin ruhig:
„Ich weiß.“
Voss schwieg.
Der Platz lag still.
Dann fügte Cailin hinzu:
„Jetzt wird es erst interessant.“

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