Veröffentlicht: 04.02.2026. Rubrik: Kürzestgeschichten
Ungenauigkeit (Ergänzung zum Drabble-Fieber des letzten Sommers)
Ungenauigkeit schleicht leise durch Gespräche.
Sie trägt keine Fehler, nur Abweichungen.
Ein Wort verrutscht, ein Blick bleibt hängen.
Gemeintes und Gesagtes liegen knapp daneben.
Man spürt es sofort, kann es aber nicht greifen.
Korrekturen würden erklären, doch zerstören sie den Moment.
Also bleibt man stehen und lässt es wirken.
Zwischen Zahl und Gefühl entsteht Raum.
Dort lebt stilles Verständnis ohne Beweis.
Ungenauigkeit ist kein Mangel.
Sie ist die Toleranz des Denkens,
der Spielraum zwischen Absicht und Wirkung,
in dem Begegnung möglich bleibt.
Ungenauigkeit erlaubt Nähe, wo Präzision Distanz schafft, und lässt Bedeutung atmen, wachsen, schweben, ohne endgültige Fixierung im Alltag.
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