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2xhab ich gern gelesen
geschrieben von Hessehex.
Veröffentlicht: 25.04.2026. Rubrik: Unsortiert


Auf Bauer H.'s Hof (Tiergeschichte 3)

Bauer H. war einer der reicheren Bauern im Dorf. Mein Spielkamerad Volker war der Enkel eines Mannes, der in jedem Witzblatt eine gute Karikatur abgegeben hätte. Man stelle sich drei aufeinandergesetzte Kugeln vor, wobei wie bei einem Schneemann die dickste Kugel die Basis bildet. Der Kugelkopf zeigt ein dunkelrotes Gesicht, Hamsterbacken, Knollennase und aus dem Kopf quellende Augen. Er bewegte sich auf dicken Beinen, diese krumm wie ein Kringel Wurst. Gekleidet in geräumige Manchesterhosen, Flanellhemd und grüne Arbeitsmütze schlurfte er über den Hof, in dessen Mitte ein riesiger Misthaufen dampfte. Seine Frau ließ sich selten auf dem Hof sehen, ihr oblag die Aufsicht über Küche und Garten. Schlank und zierlich stand sie manchmal mit ihren Nachbarn von gegenüber zu einem Schwätzchen zusammen, wobei sie beim Reden mit ihren falschen Zähnen und gespitztem Mund zischende Laute von sich gab.
Volkers Eltern arbeiteten mit auf dem Hof. Den Vater braucht man sich nur als eine jüngere Ausgabe des Großvaters vorzustellen, einer weiteren Schilderung bedarf es nicht. Die Mutter, abgearbeitet und früh gealtert, musste sich als Schwiegertochter den Hof sauer ver– bzw. erdienen. Für ihre Kinder hatte sie kaum Zeit, stapfte in schweren, schwarzen Gummistiefeln und Männer-Arbeitskleidung herum, stets schwere Lasten schleppend oder die Mistgabel schwingend. Vor lauter Arbeit war ihre Weiblichkeit gänzlich verschwunden. Mir tat sie leid und ich hoffte immer, dass ihr Mann es ihr durch zärtliche Zuwendung dankte.
Der alte H. war von brummiger Gutmütigkeit, ließ uns zuweilen auf dem Trecker mitfahren oder sogar ein paar Runden auf einem der schweren, dicken Ackergäule reiten. Der gesamte Hof war unser Spielplatz. Am liebsten mochte ich es jedoch, wenn die Schweine Junge hatten. Die kleinen, quiekenden, rosa Bündel hatten meine ganze Sympathie, und am liebsten hätte ich mir eines mit nach Hause genommen. Auch die Kälbchen liebte ich und sah gerne zu, wenn ihr Futter angemischt wurde. Geheimnisvolle Zutaten wurden in Eimern zusammengeschüttet, bis über beide Ellbogen manschte Volkers Mutter darin herum, es roch wunderbar nach Kleie und Milch. Wenn sie dann mit den Händen ihre Arme abstreifte und sich die Eimer schnappte, dann lief ich flugs hinterher, Ich sah es zu gerne, wenn die Tiere ihr Futter bekamen. Wenn die Schweine schlürften und schlappten, grunzend mit den Füßen im gefüllten Fresstrog standen, das gefiel mir! Oder das beruhigende Mahlen und Malmen, wenn die Kühe ihr Futter wiederkäuten und auch ihr Geruch – das hatte so etwas Heimeliges. Oft kam der große, alte Kartoffeldämpfer zum Einsatz. Wenn die gegarten, aufgeplatzten Kartoffeln heraus kullerten, dann durften wir uns nach Herzenslust bedienen. Und davon machten wir regen Gebrauch, denn diese Kartoffeln schmeckten uns natürlich viel besser als daheim.
Zuhause schimpfte meine Mutter: "Du riechst wieder nach Stall."

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von lüdel am 25.04.2026:

Weißt du was? Als ich deine Geschichte gelesen habe, dachte ich, vielleicht ist an dir eine Bäuerin verloren gegangen.
Als junge Frau wollte ich auch immer gerne auf einem Bauernhof leben 🐖🐖🐖🐄🐄🐕🐈Tiere sind einfach wunderbar.
Lüdel 🧚‍♂️💛




geschrieben von Rautus Norvegicus am 25.04.2026:

Liebe Anne,

durch deine Schilderung kamen mir eigene Erinnerungen an Stall, Rinder, Schweine und Landluft in den Sinn. Ferkel sind sehr süß, ich kann deine Zuneigung zu diesen kleinen, umher wuselnden Geschöpfen sehr gut nachvollziehen.

Leben auf dem Bauernhof bedeutet viel Arbeit. Glücklich kann sich schätzen, wer dort nur seinen Urlaub verbringt und die Sonnenseiten des Landlebens genießt.

Liebe Grüße
🐀
Rautus






geschrieben von Hessehex am 25.04.2026:

Danke für Eure lieben Kommentare.
Egal ob Friedrich II oder Schopenhauer, es stimmt: Seit ich die Menschen kenne liebe ich die Tiere. LG

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