Veröffentlicht: 19.08.2026. Rubrik: Unsortiert
Anna - Der geheimnisvolle Briefkasten (3)
Einige Tage später hatte Anna den Blumenladen regelrecht in ein Blumenparadies verwandelt. Gezielte stellte sie kleine Blumensträuße auf, daneben einzelne, farblich abgestimmte Blumen in kelchähnlichen Blumentrögen.
An den Wänden hingen Bilder von Seen und Bergen. Eines zeigte einen stillen See am Waldrand; nah am Wasser stand ein Hirsch – wunderbar passend zur Stimmung des Ladens.
Johann war mehr als überrascht und freute sich sehr darüber, wie Anna den Laden in eine kleine Oase verwandelt hatte. Im Laden lag wieder dieser süßliche Blumenduft in der Luft.
Anna strahlte ihm entgegen, und Johann nickte ihr anerkennend zu und legte dabei leicht seine Hand auf ihre Schulter.
Sie verliebten sich, und ihre Liebe keimte zwischen den Blumen.
Einige Zeit nach der Eröffnung machte Anna Johann den Vorschlag, die Gärtnereihalle ebenfalls für Kunden zugänglich zu machen, denn es kamen so viele Anfragen. Anna lief immer zwischen Laden und Halle hin und her.
Diese Idee fand Johann wunderbar. Dann müsste er nicht mehr so viel ausfahren, und er könnte sich einen Fahrer einstellen.
***
In der Zwischenzeit lief das Geschäft bei den Eheleuten Huber nicht mehr so gut. Zudem kam hinzu, dass der Besitzer die Geschäftshäuser abreißen lassen wollte, weil dort nun ein Einkaufszentrum entstehen sollte.
Somit mussten sie auch aus ihrer Wohnung ausziehen.
Ein paar Tage später drängelte Johann:
„Komm, Anna, wir fahren rüber zum Blumenladen der Hubers.“
Als sie mit dem Auto ankamen, sah Anna schon die Eheleute mit Koffern auf der Straße stehen, und in den Umzugswagen wurden gerade die Möbel eingeladen.
Johann stieg aus, Anna hinterher.
Johann ging auf die Hubers zu, breitete die Arme aus und rief:
„Überraschung! Die Hubers kommen mit uns!“
Dabei drehte er sich zu Anna um.
Anna schaute alle drei an und küsste Johann, ohne zu überlegen.
Beide sahen sich verliebt an.
Die Hubers nickten sich zu und bestätigten:
„Haben wir es doch gleich gewusst!“
Nachdem sich alle gegenseitig umarmt hatten, stiegen sie zu viert ins Auto.
Bei der Gärtnereihalle angekommen, wurde erst einmal der Laden begutachtet. Die Hubers waren begeistert.
Während sie so schön beieinanderstanden, rückte Johann mit einer weiteren Überraschung heraus. Er hatte nämlich heimlich seinen Bungalow, der sich hinter der Gärtnereihalle befand, für die Eheleute Huber hergerichtet – und über dem Laden die große Wohnung für Anna und ihn eingerichtet.
Alle waren freudig überrascht.
Johann fuhr die Eheleute zu ihrem neuen Zuhause. Schnell kam er wieder zurück, um endlich Anna die obere Wohnung zu zeigen.
Anna war mehr als überrascht. Das Erste, was sie erblickte, war ihr Puppenhaus – es hatte im Wohnzimmer wieder einen Ehrenplatz erhalten.
Anna blickte ihn verliebt an. Er zog sie an sich, und sie küssten sich.
Anna sagte überwältigt:
„Also wirklich, diese Überraschung ist dir gut gelungen. Alles ist wie in einem Traum.
Du, Johann, ich habe gesehen, den kleinen weißen Briefkasten von deinem Opa hast du auch draußen neben der Eingangstür aufgehängt.“
Johann erklärte lächelnd:
„Das ist in Zukunft unser Liebespostkasten, in den wir unsere Geheimnisse hineinstecken.“
Anna nickte gerührt und grinste Johann an.
***
Am nächsten Tag in der Früh saß Johann im Wohnzimmer am Esstisch und war gerade dabei, seinen Kaffee zu Ende zu trinken. Anna räumte den Tisch ab, als ihm beim Puppenhaus auffiel, dass einige Töpfe und Teller woanders standen.
Johann fragte:
„Anna, sag mal, standen diese Töpfe und Teller nicht vorher woanders?“
Anna überlegte und antwortete dann:
„Manchmal räume ich die Sachen um, einfach so.“
Johann runzelte die Stirn und nickte langsam.
In den Monaten darauf beobachtete Johann gelegentlich weitere Veränderungen im Puppenhaus. Ihm kam der Gedanke, vielleicht sei es die Seele von Annas verstorbenem Vater – doch er schwieg darüber.
Es kam öfter vor, dass Johann seine Schlüssel, besonders den Autoschlüssel, verlegte. Wenn er es eilig hatte, suchte er ungeduldig und murmelte:
„Wo könnte der Autoschlüssel nur sein?“
Genau dann, wenn er Anna fragen wollte, lag der Autoschlüssel vor seiner Nase auf dem Tisch.
Johann sagte zu Anna:
„Da ist er! Da habe ich doch schon mehrmals geschaut! Wie kann das sein?“
Anna rutschte heraus:
„Das wird ganz bestimmt Heinz gewesen sein.“
Johann runzelte die Stirn und überlegte.
„Welcher Heinz?“
Anna lenkte ab:
„Das Heinzelmännchen. Kennst du nicht das Heinzelmännchen, das dir beim Aufräumen hilft?“
Johann lächelte, dann rief er scherzhaft in den Raum:
„Danke, Heinzelmännchen.“
Dann umarmte er Anna und eilte zur Arbeit.
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