Veröffentlicht: 27.04.2026. Rubrik: Unsortiert
Deine Probleme hätte ich gerne -Ende
„Ach hier seid ihr“. Ludwig, Leiharbeiter und ehemaliger Student nach seinen Worten, warf zwei Kinokarten auf den Schreibtisch von Laura. Ludwig war anders, freier und machte den Lieferboten seid er die Urlaubsvertretung im Lager war.
„Sind für euch, bekam sie geschenkt, kann aber heute Abend nicht“. Er ging einfach, hatte zwei Lieferscheine vorher auf meinen Schreibtisch gelegt, sagte nichts mehr.
„Ist er immer so zu dir?“ Ich sah Laura an.
„Ja, er brachte mir letzte Woche zu Essen mit, sagt ich schaffe nicht alles, bin schon fett genug. Er hat studiert, kein BWL, sondern Informatik. Geplatzte große Liebe brachte ihn zur Leiharbeitsfirma. Er möchte gerne hierbleiben“.
„Du kannst beide Karten nehmen Laura, ich muss für morgen noch einiges vorbereiten“.
„Wir beide heute Abend… geht wohl nicht?“
„Im Moment nicht, kommt einiges zusammen, wird bald ruhiger bei mir“.
„Ein wenig Wärme brauchen wir doch alle, oder?“
„Im Grunde ja“. Ich sah auf meine Armbanduhr. Was wollte sie mir mit Wärme da sagen. Ihr Freund, wohl mehr Geliebter hatte ihre Beziehung beendet. Nach nun drei Wochen mit ihr hatte sie einiges darüber erzählt. Ich kann nachts nicht mehr durchschlafen gehörte dazu. Er ist verheiratet und hat Kinder, ein Haus und zwei Autos. Es zeigte mir so eine Nebenbei-Beziehung endet manchmal abrupt. Jetzt bei den sommerlich warmen Temperaturen von Wärme zu sprechen, bedeutete doch körperliche Nähe. Noch bis Freitag, danach wäre Laura wieder eine Etage höher in einem Büroraum mit zwei anderen zusammen.
„Ist die Uhr echt?“
„Vielleicht, bekam sie geschenkt“.
„Von einer Frau?“
Ich lachte,“ ja eine Art Abschiedsgeschenk, ist so fünf sechs Jahre her. Nicht was du denkst, jetzt“.
„Wie denn wirklich?“
„Von meiner Mutter, an dem Tag wo ich auszog“, ich zögerte, „ein Hotel Mama war es nicht. Wie kamst du hier hin?“
„Du meinst in die Firma?“
„Ja, du bist mir nie aufgefallen bei internen Feiern oder beim Firmenjubiläum“.
„Kann ich einfach erklären. Ich war bei der RXT-GmbH und die Reduzierten ihren Wasserkopf drastisch. So fiel ich der Säuberung zum Opfer da ledig und ohne Kinder. Auf einer Betriebsversammlung fielen diese brutalen Worte. Ich zählte zum Wasserkopf“. Laura lachte sah mich an und verließ ihren Schreibtischstuhl.
„Du kennst nun meine Probleme noch nicht alle. Vielleicht sage ich dir noch am Freitagnachmittag welches mein größtes derzeit ist. Ich komme Freitag erst gegen Mittag, habe einen Arzttermin“.
„Ich hoffe für dich es ist nichts schlimmes“.
„Abwarten, sei froh keine Frau zu sein“.
Sie verließ den Raum, mein Telefon klingelte, sie haben eine Mail kam. Die Ruhe war dahin, im Lager gab es Ärger mit einem Zulieferer, der mal wieder kein deutsch sprach. Da bleibt mir nichts anderes übrig als vor Ort es zu regeln. Ich eilte in die Warenannahme und dort etwas erhöht versuchte Ludwig es zu klären in mehreren Sprachen.
„Komm von der Kiste runter, Augenhöhe ist hier angesagt“. Die Kartons auf der Palette waren beschädigt. „Russisch spricht hier niemand, nur deutsch hier oder englisch. Kaputt wird nicht angenommen also wieder mitnehmen, geht zurück“.
„Der begreift das nicht, habe ihm genau das schon mehrmals gesagt“. Ludwig hielt mir den Lieferschein hin. Ich gab ihn dem Fahrer zurück, sagte nix haben wollen, kaputt. Jetzt verstand er, nickte und schob seine Palette zurück in den LKW. Nun musste ein Energiedrink her. Problem erkannt, Problem gebannt sagte Ludwig und gleich ein Danke dazu.
Zurück im Bürotrakt saß Laura am Fenster und schaute auf die befahrene Straße. Sie sah bleich im Gesicht aus. „Wenn dir nicht gut ist dann sage es mir. Heute ist es ruhig, geh nach Hause und leg dich hin“.
„Wirklich, kann ich Donnerstag zu Hause bleiben und erst Freitag nach 12 Uhr kommen?“
„Klar doch, fällt nicht auf, ist doch sonst niemand im Bürogebäude diese Woche“.
„Danke, mir ist wirklich echt mies seit einigen Wochen. Den Arzttermin bekam ich erst Freitag, überall sind Ferien“.
Freitagmittag, sah auf die Uhr und es war 14 Uhr noch keine Laura wieder im Hause. Die beiden im Lager saßen wartend auf UPS, schienen alles erledigt zu haben was raus musste. Wir sahen wie Laura kam, ihren Mini abstellte und dann in den Bürotrakt ging.
„Was hat sie, ist so anders als sonst“. Ludwig schaute ihr hinterher, sah mich dann an.
„Ich muss wieder, ruft mich an, wenn alles raus ist und schönes Wochenende. Bist du Montag noch hier oder schon weg Ludwig?“
„Schade, war ganz nett hier und stressfrei. Können Sie nicht… wenigstens mich lobenswert erwähnen und fragen, ob ich hier einen festen Job bekommen könnte?“
„Werde ich machen, mit einer Antwort, eine schriftliche Bewerbung würde helfen, ginge es leichter. Danke für deinen Einsatz hier“. Ich reichte ihm die Hand und er griff gleich zu.
„Deine Probleme hätte ich gern jetzt und du bekommst meine, ginge mir dann besser“.
„Komm Laura, mach Butter an die Fische und lass es raus was dich bedrückt“.
„Ich bin schwanger und er hat gelacht, gleich aufgelegt, meine Nummer blockiert. Ich war blöd, sag jetzt nichts und umarme mich wenigstens jetzt einmal“.
Ich tat es, tat noch mehr später, aber darüber sollte ich nicht schreiben, lasse es also und beende die Problemgeschichte hier.
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