Veröffentlicht: 25.04.2026. Rubrik: Unsortiert
Deine Probleme hätte ich gerne
"Deine Probleme hätte ich gerne"
„Danke, eine andere Antwort von dir wäre hilfreicher in diesem
Augenblick“.
„Entschuldige, wenn ich jetzt lache. Such dir eine Therapeutin,
sie hört dir gerne zu, bin halt keine, will keine sein gerade bei
dir“.
Ich sah zu ihr hin, sah ihr Kopfschütteln. Sie kratzte sich an der
Schulter, griff mit schmerzhaftem Gesichtsausdruck zu ihrer
Teetasse, bemerkte sie ist leer, stellte sie zurück.
„Du bringst mich durcheinander, machst dir Sorgen über Dinge
die normal sind. Schau mich an, soll ich loslegen?“
„Mach ruhig, du hast mir zugehört, ich nun dir. Wir haben die Pause
verdient, alles erledigt was ankam“.
Urlaubszeit, ruhige Zeit keinesfalls. Wer Kinder sein Eigen
nannte, verheiratet war, durfte in die Ferne reisen, Single und
Alleinlebende konnten im Frühjahr oder Herbst ihren Urlaub
nehmen. Wir beide waren willige Opfer, sagten ohne weitere
Worte ok, teilten uns ein Büro in dieser Zeit von vier Wochen.
„Was machst du, wenn du krank bist, im Bett liegst, den Fuß
gebrochen hast du als Beispiel?“
„Hatte ich noch nie, vielleicht kommt der Pflegedienst und hilft“.
Sie lachte. „Der war gut. Klar da kommt gleich jemand von der
Caritas und betreut dich oder eine von der Diakonie. Ihr Männer
seid alle gleich, eine Mama hast du nicht die dir hilft?“
„Gab es schon, sie kommt aber nicht, ist ihr zu weit und sie hat
… haben doch alle, gib nicht so an, frage ich nach deiner Mutter?“
Ein Anruf unterbrach meinen Dialog mit ihr. Zuhören, dank
Headset schrieb ich gleich einiges auf, sagte die Lieferung zu für
den nächsten Tag.
Mein heute muss es noch raus ergab Widerworte im Lager,
schon gut geht raus, kam 10 Minuten danach an mein Ohr.
Im Lager war kleine Mannschaft angesagt, hatte sie wohl beim
Skat gestört.
„Muss ich jetzt die Papiere noch fertig machen?“
„Du hast mir zugehört, zum Dank mache ich alles fertig“.
„Nett von dir, so können wir noch Freunde werden. Glaub jetzt
nicht ich höre dir ständig zu, da muss schon mehr Nähe
zwischen uns sein“.
Sie grinste: „Geh beichten, dein Pfaffe soll was tun für deine
Kirchensteuer. Ich lass dich allein, schon gut will nicht streiten“.
Sie stand auf verließ den Raum, schloss leise die Türe.
Nach einer Woche hatten wir uns aneinander gewöhnt. Sie trank
nur Tee, aß Butterkekse oder schälte sich einen Apfel den sie in
Stücke schnitt. Laura, blonde lange Haare, dezent geschminkt, rote Fingernägel und geschätztes Gewicht 65 KG trug sonst
helle Jeans, passende Shirts und so einen BH der nicht auffiel.
Ihre flachen, wohl weichen Schuhe, wechselten täglich. Am
Nachmittag, es war warm im Raum, schwitzte sie unter den
Unterarmen. Bei dunklen Shirts fiel es mir besonders auf. Sie
merkte es wohl, kam am anderen Tag in einer Blümchenbluse
die weit geschnitten war, schnell waren zwei Knöpfe offen. Es
lenkte mich ein wenig ab.
Lauras Anblick befreite mich von meinen aktuellen Problemen, die ich nicht lösen konnte. Nicht jeder hat eine Laura und keine Probleme. Du etwa?
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