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geschrieben 2026 von Angricolan (Angricolan).
Veröffentlicht: 21.04.2026. Rubrik: Unsortiert


Fischauge -Teil 2

Teil 2
„Aufwachen, du bist nicht zum Ausschlafen hier Gernot!“.
Jetzt zwei Frauen zu sehen, kam nicht gut bei ihm an. Er schloss die Augen, drehte sich um im Bett. Bärbel kannte er, die andere würde wohl Anne sein. Er fühlte sich überfordert. Wäre Bärbel allein gewesen dann... lag nun schon zwei Monate wieder zurück.
„Ich liege ohne Jeans im Bett, kann ich euch zumuten mich in Unterhose zu sehen?“
Bärbel grinste als die andere Frau sagte ich bin Anne, vieles gewöhnt von euch Männern.
Er stand auf, zog sich an, um während dieser Zeit von Anne zu hören sie hätte ihn all die Jahre vermisst, nicht gewusst wo er hingezogen war. Alles von ihm musste Anne nicht wissen und nach einer Ehefrau fragte sie ihn auf dem Weg nach draußen.
„Anne sie gibt es vielleicht, wir wohnen allerdings nicht zusammen. Es liegt nicht nur an ihrem Job, mehr an mir. Sie hat eine Tochter, ist nicht von mir. Egal so lebt es sich leichter für uns. So es reicht Mädels, kommt noch jemand oder bin ich der einzige Mann, der hier sich noch einmal ins Dorf traut?“
„So sieht es aus, Roland wollte nicht kommen wegen Anne. Die alte Geschichte ist nicht vergessen. Er fährt zur See auf einem Containerschiff rund um die Welt“.
Bärbel sah Gernot an, schloss kurz ein Auge. Es stimmte nicht, er wusste Roland sitzt zurzeit hinter Gittern wegen wiederholtem Betrug. Die falsche Frau und drei Kinder kosten Geld, das er nicht normal verdiente.
Herbert Rübsam sah die drei, stieg voll in die Bremsen und hielt dann neben ihnen an. Scheibe runter Motor aus. „Mensch Gernot was bist du alt geworden, komm am Abend zu uns gibt lecker Grillhähnchen. Gudrun wird sich freuen und dir alles zeigen, was du möchtest“.
„Herbert sei vorsichtig er nimmt dich beim Wort und deine Gudrun ist nicht ohne“. Bärbel und Herbert konnten als Kinder schon nicht friedlich miteinander umgehen.
„Heute nicht Herbert, ich bin noch einige Tage hier, wohne bei Karin. Ich komme aber muss erstmal hier wieder warm werden und Bärbel helfen“.
„Ok, wir sehen uns morgen bei der Beisetzung, gibt doch danach die Feier bei Karin. Ich kann nicht lange bleiben, bei uns ist Vollzeitjob angesagt“. Er fuhr weiter und Bärbel sagte: „Gott sei Dank er ist weg, nervt mich, seit er weiß das Fred Tod ist und mir jetzt alles gehört“.
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„Herbert hat mir ein Angebot gemacht, will alles von Fred kaufen, meint er braucht mehr Land. Den anderen im Dorf stinkt es zu sehr und Karin bereut schon von Fred den Gasthof gemietet zu haben. Sie und Anne machen es gemeinsam. Sie haben sich mit Fred gut verstanden, habe mich da rausgehalten. Alles hat mir Karin nicht erzählt, sie kam zurück und hat erst für die Wax-AG gearbeitet, bis die Pleite war“.
Beide hatten Freds Hütte erreicht. Freds Hütte war ein verwinkelter, mehr verbauter Altbau von über 100 Jahren. Innen roch es muffig und in einem Anbau hatte Fred leere Becken stehen und sein Angelzeug. Gernot schaute kurz rein, schloss die klemmende Türe wieder. Sammeln war Freds Leidenschaft. Bärbel hatte es mit ihm zusammen nur wenige Jahre ausgehalten, um dann in die Stadt zu ziehen. An und Verkauf, Fred, einst gelernter Schlosser versuchte sich überall nützlich zu machen, hielt selten lange durch und begann auf Trödelmärkten nebenbei Geld zu verdienen. Bärbel hatte Gernot von Freds letztem Waldarbeiterjob erzählt, von dem er sich verabschiedete, weil zu anstrengend. Fred war ein Lebenskünstler, nicht reich geworden durch seine Vermietungen und mehr Gelegenheitsarbeiten. Der Umbau zur Gastwirtschaft war seine Idee und Anne machte mit. Ein Dorf braucht eine Kneipe, wenn ich schon Schnaps brenne. Die Männer im Dorf unterstützen ihn dabei.
„Was willst du mit allem hier machen Bärbel?“
„Du kannst mir helfen, dem Rübsam schenke ich nichts davon, kennst ihn ja und seine Art. Herbert nervt, seine Kinder lungern abends hier herum. Ich bin froh, wenn die Beerdigung vorbei ist, du bleibst doch noch ein paar Tage hier“.
„Hatte ich vor, ich kann dir helfen kommt ja einiges noch auf dich zu“.
„Ich zähl auf dich und deine Hilfe. Udo wollte kommen, er will die Schnapsbrennerei kaufen. Einmal war er hier, hat Fred besucht, als den schon seine Fettleber ins Grab zog. Willst du nicht…“.
„Bärbel, wir könnten hier alles abreißen und ein Ferienhaus hinstellen und so die alten Zeiten neu beleben“.
„Du spinnst Gernot. Schau dir doch alles an, es stinkt hier. Der Hof vom Hofmeier ist Schweinemastbetrieb. Seine Tochter Ruth hat alles verpachtet, wohnt in Stuttgart. Wer kann lebt woanders bis auf die Millionäre oben am Hang. Die kommen nicht ins Dorf hat Fred gesagt“.
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Udo Wiehler, er kam im Alter von 15 Jahren zu ihnen mit seinem Vater. Gernot erinnerte sich an diesen erst Einzelgänger, der seine Stiefmutter aus dem Dorf nicht leiden konnte, ständig ärgerte, bis er ein halbes Jahr in einem Heim geläutert wurde. Sein Vater war Landarbeiter, Spätaussiedler. Im Dorf gab es einige Witwen. Der Wiehler kam durch eine Zeitungsanzeige und blieb wurde erzählt. Bei Karin stand ein Kleintransporter. Wiehler-Transporte stand ringsum auf dem Fahrzeug mit der Telefonnummer. Bärbel ging vor in die Gaststätte und Gernot wollte noch eine Runde durchs Dorf drehen. Die alte kleine Kirche, mehr Friedhofskapelle war verschlossen. Gottesdienste gab es nicht mehr. Seit der alte Pastor verstarb kam kein neuer. Wer noch gläubig war musste in die Kreisstadt fahren. In einem Vorgarten saß ein Mann im Rollstuhl und genoss die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Gernot grüßte freundlich und ging weiter. Es gab keinen Lebensmittelladen mehr, das alte Backhaus hatte ein neues Dach und einen eisernen Zaun mit Tor. Seit Ewigkeiten stand es unter Denkmalschutz durfte nicht abgerissen werden, weil aus dem 18.Jahrhundert. Sein Blick auf den kleinen Friedhof mit den großen Grabsteinen der Familien zeigte ihm alles gepflegt, wie damals als er in die Stadt zog zu seinem Vater und dort das Gymnasium besuchte. Gernots Vater, ein Bergbau-Ingenieur arbeitete bei der Ruhrkohle AG, seine Mutter pflegte alte Menschen und bekam schwache Nerven wie man damals sagte, gab die Pflege mit 60 Jahren im Dorf auf. Wer konnte zog weg, wollte bequemer leben.
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In der Gaststube war es laut. Udo unterhielt mit den anderen am Tisch sitzend mal wieder auf seine Art lachend die anwesenden. Karin kam zu Gernot.
„Du musst mir einen Gefallen tun, geh mit Udo raus er hat genug getrunken und will hier ein Zimmer. Ich habe keins mehr frei aber…“.
„Alles klar Karin, ich zieh um in Bärbels Zimmer du hast bestimmt schon mit ihr gesprochen?“
„Ja, das von euch beiden weiß ich schon lange, beneide Bärbel etwas. So wie früher leben viele Paare nicht mehr. Ich bin froh Olaf nicht geheiratet zu haben, wie wir es vorhatten. Brasilien entwickelte sich anders und er verliebte sich, egal es war eine aufregende Zeit. Du hast eine große Wohnung hat mir Bärbel gesagt, sollte ich hier abbrechen kann ich dann zu dir ziehen?“
„Was ist aus uns geworden? Sag Udo ich warte auf ihn, er kann in mein Zimmer. Ich habe selbst noch nichts eingeräumt, nur im Bett kurz gelegen“. Auf Karins Frage bei ihm zu wohnen, gab er ihr keine Zusage. Es kam ihm zu schnell nach all den Jahren und allein wohnen hat Vorteile.
Er wartete im Flur und Udo kam kurz darauf. „He Alter, danke für dein Angebot, wir sollten uns wieder mehr treffen. Du kannst bei mir einsteigen, es läuft gut. Mir fehlen Leute, auf die ich mich verlassen kann“.
„Udo fahr runter, für deine Buchhaltung bin ich geeignet, für anderes nicht. Hol deine Klamotten, komm dann in Zimmer 3“. Er ging die Treppe nach oben an dem großen Wildschweinkopf vorbei. Oben im langen Flur hingen Bilder und Fotos aus vergangenen Zeiten. Er blieb stehen vor dem großen Foto, das die Clique von einst zeigte. Was hatten sie brav ausgesehen und doch waren sie wild gewesen, eine Plage für das friedliche Dorf.
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Strammer Max zum Abendessen mit Salat und für Gernot eine zu große Portion die Anne ihm servierte. „Ich mache es hier mit Karin, bevor ihr fragt, was ich sonst mache, bin weiblicher Privatier und wohne mit Karin hier. Bärbel grinste, die Männer mussten nicht alles wissen selbst von ihr das mit Gernot, wusste nur Karin bisher, jetzt wohl bald alle.
„Jetzt hört mir mal zu“. Bärbel ergriff das Wort, schaute sich um. Hinter ihnen am Stammtisch saß eine Herrenrunde aus dem Dorf. Zu ihnen war ein Mann im Rollstuhl von einer jungen Frau gebracht worden, die alle begrüßt hatte.
Wer ist das, fragte Gernot und erfuhr der alte Hampel, mittlerweile 92 Jahre alt, kam zu jedem Stammtisch-Abend. Bärbel sagte leise er wohnt bei seiner Enkelin, will noch 100 werden.
„Also morgen die Beerdigung ist ohne Pastor. Es kommt ein Trauerredner vom Beerdigungsinstitut. Danach seid ihr alle eingeladen hier zu einem kleinen Imbiss. Die Getränke ohne Alkohol sind frei, wer was anderes will muss bezahlen dafür. Ihr habt euch schon an Freds Selbstgebranntem bedient, ein Kasten mit Flaschen fehlt“. Sie sah zum Stammtisch hin, die Herren bis auf Opa Hampel grinsten, nickten dabei.
„Noch was, ich bestell einen Container. Ihr könnt euch mitnehmen was drin ist. Hilfe nehme ich gerne an, denn alles muss raus. Ich werde das Bachgrundstück behalten, den Rest verkaufen ich aber nicht an den Herbert. Fred hat in seinem Testament es erwähnt und seine Schnapsbrennerei bekommt Udo, fragt mich also nicht danach“.
Anne kam brachte Schalen mit Eis zum Nachtisch. Der Stammtisch bestellte die nächste Runde Landbier und Obstler dazu.

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