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geschrieben 2026 von Lüdel (lüdel).
Veröffentlicht: 03.03.2026. Rubrik: Menschliches


Der Fluch

In der Bäckerei eines kleinen Bauerndorfes habe ich meine Lehre gemacht und insgesamt sechs Jahre dort gearbeitet.

Diese Erinnerung ereignete sich gegen Ende meiner Zeit dort.

Jedes Jahr kamen Zirkusleute oder Bettler vorbei, meist schickten sie die Kinder.

In dieser Zeit war das nichts Ungewöhnliches:

Hausierer, die Besen an der Haustür verkauften, Messerschleifer – und eben auch jedes Jahr die Leute vom Zirkus.

Meine Chefin gab ihnen immer fünf Mark.

Manchmal gaben auch meine Kollegin und ich etwas dazu.

Dann kam dieses eine Jahr.

Es waren zwei mittelalte Personen, ein Mann und eine Frau.

Meine Chefin war an diesem Tag nicht da, meine Kollegin gab ihnen etwas Geld.

Am nächsten Tag kamen sie wieder.

Dieses Mal war ich allein im Laden.

Sie verlangten Geld von mir.

Ich sagte, dass ich selbst kaum Geld habe, nicht viel verdiene und auch kein Bargeld dabei hätte.

Daraufhin sagten sie dreist, ich solle doch aus meiner Spardose nehmen.

Das verweigerte ich.

Dann forderten sie mich auf, Geld aus der Kasse zu nehmen.

Ich antwortete, dass meine Chefin nicht da sei und ich ohne ihre Erlaubnis niemals Geld aus der Kasse nehmen würde.

In diesem Moment kamen Kunden herein – und kurz darauf auch meine Kollegin von ihrer Mittagspause zurück.

Daraufhin verschwanden die beiden.

Meine Kollegin teilte uns später mit, dass diese Leute mit einem Mercedes unterwegs seien.

Es seien Betrüger, die hier Bettler spielten, obwohl sie ein hochwertiges Auto besaßen.

Als meine Chefin davon erfuhr, beschloss sie, niemandem mehr Geld zu geben.

Am nächsten Tag tauchte eine Frau auf, schätzungsweise über fünfzig.

Sie hatte eine unangenehme Ausstrahlung, mir war sie unheimlich.

Sie sah aus wie eine Zigeunerhexe:

Am Rock hingen kleine goldfarbige Blättchen, um den Hals trug sie ein langes Tuch, das vorne mit einem Verschluss zusammengehalten wurde.

Sie stellte sich direkt vor die Theke.

Meine Chefin, meine Kollegin, ich und noch zwei weitere Kunden waren im Laden.

Die Frau verlangte in direktem Ton Geld von meiner Chefin.

Ihre freche Art passte meiner Chefin überhaupt nicht.

Zum ersten Mal, seit ich sie kannte, sagte meine Chefin klar, dass sie ihr kein Geld geben werde.

Das sei alles nur Schwindel.

Die Frau wurde daraufhin immer fordernder.

Doch meine Chefin gab nicht nach.

Da verfluchte sie meine Chefin:

Sie solle so schwer krank werden, dass sie nicht mehr aufstehen könne.

Dann werde sie schon an sie denken.

Danach drehte sie sich um und ging.

Monate später hatte niemand mehr an diesen Vorfall gedacht.

Doch meine Chefin wurde von einem Tag auf den anderen so schwer krank, dass sie nicht mehr aufstehen konnte.

Hinter dem Laden befand sich die Küche, daneben ein schmales Zimmer.

Dort war ein kleines Wohnzimmer eingerichtet, mit einem Fernsehsessel für ihren Mann, der sich nach der Arbeit dort aufhielt, und einer Couch, auf der nun meine Chefin lag.

Der Hausarzt kam, weil es ihr sehr schlecht ging.

Wir machten uns große Sorgen.

So schlecht beieinander hatten wir sie noch nie gesehen.

Es war das erste Mal, dass meine Chefin nicht in den Laden gehen konnte.

Der Arzt sagte, sie habe eine schwere Grippe erwischt.

Die Krankheit dauerte mehrere Wochen, und sie erholte sich nur sehr langsam davon.

Meine Chefin war fest davon überzeugt, dass dies der Fluch dieser Frau gewesen sei.

Ob es tatsächlich damit zusammenhing?

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 03.03.2026:

Hallo @lüdel, ich glaube schon, dass da was dran ist.
Wenn ich Danielas Texte im Forum hier richtig verstanden habe, war das (der 'Fluch') ein Trigger, der Deiner Chefin Angst gemacht hat.
Die Worte der Dame haben Deine Chefin innerlich so sehr beschäftigt und sie wurde krank.
Ging mir während der Corona-Zeit ähnlich.
Ich hatte mir immer gesagt, Du bleibst gesund. Dann ging die sinnfreie Testerei auf Arbeit los und oh Schreck, irgendwann zeigte der Test plötzlich Striche an.
Das hatte mich derart beschäftigt, dass ich krank wurde.
Ohne die Testerei wäre vielleicht alles nur halb so wild gewesen.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von HanaLores am 03.03.2026:


Puh.. richtig unheimlich ist diese Geschichte, da läufts mir eiskalt den Rücken runter. Da sieht man mal wieder: Mit Zigeunerhexen sollte man es sich nicht verscherzen und sie niemals unterschätzen! *grins*




geschrieben von lüdel am 03.03.2026:

Ja, Jo Hannes, wie gesagt – ob es tatsächlich damit zusammenhing, weiß ich nicht. Aber Negatives beschäftigt einen leider oft tiefer.

@HannaLores: Damals waren Zigeuner noch üblich. Seit diesem Moment bin ich ihnen aus dem Weg gegangen, auch wenn sie freundlich waren. Sicher war sicher.
Danke für eure Kommentare und eure Herzen.
Lüdel 🧚‍♂️




geschrieben von Butterblume am 03.03.2026:

Liebe lüdel, deine Geschichte habe ich sehr gern gelesen.

Es kommt wie es kommt...
Es ist wie es ist...
Dies pflegte mein Opa zu sagen.
( geboren 1905)🌳




geschrieben von Angricolan am 03.03.2026:

Diese Geschichte passt in die heutige Zeit. Wer aufmerksam Fußgängerbereiche in der belebten Innenstadt beobachtet, kann besonders Samstags viel erkennen. Mit Wissen über die osteuropäische Bettelmafia und ihre Methoden, ließ mich Köln den Rücken kehren, sowie einige Stadtbezirke in anderen Städten. Nicht jede Stadt hat aktive, sichtbare Ordnungsamtsmitarbeiter die gleich eingreifen. In einer Stadt am Samstag gab es auf meinen Hinweis gleich den Zugriff auf eine Bande, die von Köln anreiste mit dem Zug und schon bekannt war.
Aufräumen in NRW wäre nötig... m.E.
Beste Grüße




geschrieben von HanaLores am 03.03.2026:


Liebe Lüdel, "Zigeuner" haben sehr gute Gründe dafür zu sein wie sie sind. Es ist wirklich schade, wenn ihnen, nach wie vor, mit Vorurteilen begegnet wird, nicht für sie, weil sie sind es gewohnt und können damit umgehen.
Liebe Hexengrüße
Hana




geschrieben von HanaLores am 03.03.2026:


@Angricolan, du hast also Wissen über die "osteuropäische Bettelmafia", Respekt! Da bleibt mir glatt die Spucke weg.




geschrieben von ehemaliges Mitglied am 03.03.2026:

Schöne Geschichte meine Liebe, ein sehr schönes Beispiel, wie das so funktioniert, wenn man sich selbst bewusst ist, was man durch seine Gedanken oder durch Suggestion, im Positiven wie im Negativen, bei sich selbst und anderen erreichen kann. Danke dafür
❤️




geschrieben von Dan Prescot am 03.03.2026:

Makia: Energie folgt der Aufmerksamkeit




geschrieben von Rautus Norvegicus am 03.03.2026:

Liebe Lüdel, das ist eine tolle, spannende Schilderung der Ereignisse. Nehmen wir mal die Fakten, um den "Fluch" herum.

Man könnte, wenn man empfänglich für solche Fluch-Mythen ist, glauben, die Zigeunerin hätte deine Chefin mit einem Fluch belegt. Aber wäre deine Chefin dann nicht schon am nächsten Tag krank geworden? Dann könnte man von einer 'sich selbst erfüllenden Prophezeiung' reden. Sondern Monate später? So wie du es beschrieben hast, war die Krankheit reiner Zufall. Aber, wie gesagt, eine tolle und spannende Geschichte wars😃, die du aufgeschrieben hast. Hab ich sehr gern gelesen😎

Liebe Grüße
🐀
Rautus




geschrieben von CaptainX am 03.03.2026:

Ja. Der Verstand ist die Geisel des Gehirns und nicht etwa umgekehrt.

Gruß
CaptainX

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