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geschrieben 2026 von Lüdel (lüdel).
Veröffentlicht: 04.02.2026. Rubrik: Menschliches


Die ewige Sitzenbleiberin (Teil 3)

Sie fand keinen Anschluss.

Auch ihre Schwester wollte nicht, dass sie mit ihr mitlief.

Sie war Außenseiterin – nicht akzeptiert.

Am Ende der achten Klasse wurden erste Vorbereitungen getroffen.

Sie hatte Pläne.

Sie war gut im Maschinenschreiben. Auf der Auswahlliste standen außerdem: Handarbeit, Hauswirtschaft, Sport und Englisch.

Für die neunte Klasse wollte sie unbedingt wenigstens den Quali schaffen.

Wie es dazu kam, weiß sie bis heute nicht genau.
Der Direktor und der Lehrer bestellten ihre Eltern in die Schule.

Am Ende hieß es, sie solle lieber von der Schule gehen, sie sei „schon zu alt“.

Sie war sechzehn.

Ohne sie zu fragen, unterschrieben ihre Eltern.

Sie wurde von der Schule genommen.

Damals fügte man sich.

Ihre Mutter war sehr streng, und sie traute sich nicht, etwas dagegen zu sagen.

Schon als Zwölfjährige hatte sie einen einzigen Wunsch: Sie wollte Handarbeitsverkäuferin werden.

Doch ihre Noten waren zu schlecht.

In der Nähe gab es keine Möglichkeit.

So wurde sie über die Oma in eine Bäckerei vermittelt.

Damals fuhren sie alles mit dem Fahrrad.
Das Dorf war fünfzehn Kilometer entfernt.

Über ein Jahr lang, Winter wie Sommer, bis die Oma den Führerschein für ihren Papa bezahlte.

Dort machte sie ihre Lehre.

Ihre Chefin setzte sich jeden Abend mit ihr hin und übte mit ihr Mathematik.

Mit Ach und Krach bestand sie, bekam jedoch von der Berufsschule einen schlechten Lehrbrief.

Von außen wurde ihr Beruf oft schlecht angesehen.

Sie hörte, wie man abwertend sagte:„Ach, du bist Bäckereiverkäuferin …“

Wieder Außenseiterin. Wieder die ewige Sitzenbleiberin.

Erst viel später, durch einen Zufall, begann sie am Erdinger Flughafen in der Gastronomie zu arbeiten.

Dort wurde ihre Arbeit geschätzt – vor allem ihre Zuverlässigkeit.

Die Arbeit war stressig, doch sie arbeitete gern dort.

Unter den Arbeitskollegen entstand in der Personalkantine schnell das Gefühl einer großen Gemeinschaft.

Das war für sie eine sehr schöne, anerkennende Zeit. Dort war sie eine wertvolle Mitarbeiterin und geschätzte Kollegin.

Heute weiß sie, was sie kann.

Sie half ihrer Tochter bei den Hausaufgaben. Inzwischen ist ihre Tochter in der siebten Klasse und erledigt vieles selbstständig.

Sie ist dankbar, dass ihre Tochter es in der Schule leicht tut und Schulfreundinnen hat.

Lange verstand sie nicht, warum sie selbst nie akzeptiert wurde, warum sie keine Freunde hatte.

Heute, im Kreis ihrer Familie, weiß sie, wie wertvoll sie ist.

Es war ein langer Weg, der längst beendet ist.

Dadurch konnte sie ihn euch erzählen.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Rautus Norvegicus am 05.02.2026:

Liebe Lüdel, du kannst wirklich mit Stolz auf das Erreichte zurück blicken. Du bist wie die starke Eiche, die es auch nicht stört, wenn sich Wildschweine an ihr scheuern.

Diese tiefen Einblicke in deine Vergangenheit hab ich sehr gern, aber auch etwas betroffen gelesen. Danke, dass du jetzt die Kommentare wieder zulässt, es war aber eine sehr gute Idee von dir, diese bis zum Ende deiner Schilderungen zu verwehren.

Liebe Grüße
🐀
Ratte Rautus




geschrieben von Angricolan am 05.02.2026:

Eine wenn...außergewöhnliche Biographie in Sätzen, ungeschönt und punktgenau. Die Worte von Rautus sind treffend dazu.

LG Angricolan




geschrieben von lüdel am 05.02.2026:


@Rautus, das mit der Eiche trifft es genau – jetzt bin ich fest verwurzelt.
Und ja, du hast richtig erkannt, dass ich den Kommentar extra am Schluss gelassen habe.
Danke für deine treffenden Worte, Rautus. Du weißt doch, dass ich dich ins Herz geschlossen habe.
Liebe Schreibgrüße
Lüdel




geschrieben von lüdel am 05.02.2026:



Ja Angricolan, es ist schon erstaunlich, wie so ein Lebensabschnitt in drei Teile erzählt werden kann.
Ein Buch wäre eigentlich auch zu wenig für all das bisher Erlebte.
Schöne Schreibgrüße
Lüdel




geschrieben von Butterblume am 05.02.2026:

Liebe lüdel, deine Lebenslinie hat mich sehr berührt.

Du kannst stolz auf dich sein.

Für die Zukunft wünsche ich dir weiterhin
Gesundheit, Freude, Liebe und Frieden.

Herzliche Grüße
Butterblume






geschrieben von lüdel am 05.02.2026:


Danke, liebe Butterblume, das kann ich alles gut gebrauchen ❤💓




geschrieben von lüdel am 05.02.2026:

Danke euch allen für eure Herzen ❤❤❤❤❤




geschrieben von Hubert Staller am 05.02.2026:

Liebe Lüdel,
den Worten von Rautus, Agricolan und Butterblume kann ich kaum noch etwas hinzuzufügen, außer: Klasse.
Auch ich bin beeindruckt von deiner Biografie.
Ich wünsche dir für dein weiteres Schreiben sehr viele kreative Ideen.
Mach weiter so, schreibe weiter deine Geschichten und entwickle dich weiter.
Liebe Grüße
Hubert





geschrieben von lüdel am 05.02.2026:

Danke dir, Hubert. Das war ein winziger Bruchteil meiner Biografie.
Danke für deine Worte.
Lüdel 🧚‍♂️




geschrieben von Babuschka am 05.02.2026:

Liebe Lüdel,
ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschließen und wünsche dir, der alten Eiche, weiterhin alles Gute!
LG Babuschka




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 05.02.2026:

Hallo @lüdel, ich ahnte vom ersten Satz an, dass Du hier Deine Lebensgeschichte niedergeschrieben hast.
Mann oh Mann, Du hast einiges durchgemacht.
Und jetzt hast Du hier im Forum die kreativste Märchensammlung. Respekt.
Viele Grüße, Jo Hannes




geschrieben von lüdel am 05.02.2026:


Danke dir, Babuschka, für dein Kompliment – so wird die Entenmama mal zur Eiche 😊




geschrieben von lüdel am 05.02.2026:


@Jo Hannes, ich bin eine Märchenerzählerin.
Märchen erzählte ich auch spontan meiner damals dreijährigen Tochter, und manche nahm ich als Sprachaufnahme auf, die ich nach und nach in Textform gebracht habe.
In meinen Lesebärwolken sind sie auch anzuhören.
Danke dir Lüdel 🧚‍♂️




geschrieben von En-hedu-ana am 05.02.2026:

Hi Lüdel
Ich habe habe mich in vielem, was du geschrieben hast, wiedergefunden. Das ewige Aussenseiter-Sein, das Gefühl, nicht recht reinzugehören, das von den anderen befeuert wird. Du warst ein stilles Kind, ich war es auch. Still, verschüchtert, verträumt und mit den Gedanken immer woanders.

Du schreibst sehr lakonisch, aber gerade dieser Stil trifft mich. Er passt zum dem , was du zu berichten hast. Ohne Pathos, einfach drauflos.

Schreiben ist Therapie. Gott sei Dank hast du diene Weg gefunden und kannst auf diese grauenvollen Jahre mit einem Lächeln zurückblicken.

Danke dafür, dass du deine Geschichte geteilt hast.

Herzlich En-hedu-ana




geschrieben von lüdel am 06.02.2026:

@En-hedu-ana: Herzlichen Dank, für deine Worte.
Schöne Grüße Lüdel

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