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7xhab ich gern gelesen
geschrieben 2022 von Christelle (Christelle).
Veröffentlicht: 06.05.2022. Rubrik: Fantastisches


Kapitel 6: Fortsetzungsgeschichte, Ende offen

Heimweg mit Hindernissen

Charlotte drängte zur Eile und flatterte immer wieder ein Stück durch die Luft. Wir anderen taten es ihr nach, nur die kleine Isolde entpuppte sich als Klotz am Bein. Sie versuchte zwar auch, durchs Flattern schneller vorwärts zu kommen, doch landete sie nicht auf ihren Füßen, sondern platschte jedes Mal mit dem Bauch auf den Boden, was sie selbst am meisten verwunderte. Dann dauerte es eine Weile, bis sie sich wieder aufgerappelt hatte. Dadurch verloren wir kostbare Zeit. Doch konnten wir Isolde nicht einfach zurücklassen, auch wenn Charlotte ungeduldig wurde. Ihr Blick ging immer wieder gen Himmel, immer auf der Hut vor Feinden aus der Luft, aber sie hatte auch die Umgebung im Blick und hätte einen Fuchs, der sich uns nähern würde, sicherlich bemerkt.

Glücklicherweise erreichten wir ohne Zwischenfälle die Kleingartenanlage. Hier gab es für uns, falls nötig, mehr Versteckmöglichkeiten als auf dem freien Feld. Es dämmerte bereits und Charlotte entschied: „Wir suchen uns hier ein Versteck zum Übernachten, es ist gleich dunkel.“

Isolde, die inzwischen völlig erschöpft war, gackerte Zustimmung. Wir anderen wären gern noch weiter geflattert, weil wir meinten, unser Zuhause könne nicht mehr weit sein, doch wir fügten uns, weil wir sahen, dass Isolde am Ende ihrer Kraft war.

„Aber wir wollen nicht in der Nähe der Barbaren schlafen“, gackerte Emilia, „da kriege ich vor Angst kein Auge zu.“

Charlotte hatte sich inzwischen umgesehen und einen Garten entdeckt, in dem sich offenbar keine Menschen aufhielten. Neben der Laube, die wohl für die menschlichen Eigentümer gedacht war, befand sich ein kleiner Anbau. „Der sieht nach Hühnerstall aus,“ meinte Charlotte, „ich schaue mal nach.“ Wir hörten, wie sie zu jemanden sprach, dann winkte sie uns heran. „Drinnen sitzen vier Hennen auf der Stange, aber wir dürfen rein. Sie geben uns Asyl heute Nacht.“

Die Hühner auf der Stange hatten offenbar schon geschlafen. Sie blinzelten uns neugierig an. Wir bedankten uns artig für die Gastfreundschaft, aber sie meinten, es sei selbstverständlich, ihresgleichen zu helfen. Auch sie rieten, keinesfalls im Dunklen weiterzugehen, das sei viel zu gefährlich.
„Ihr müsst morgen aber ganz früh weiterziehen, damit unser Eigentümer euch nicht sieht,“ sagten sie, „der kommt immer recht zeitig.“

Am nächsten Morgen gegen 5 Uhr wurden wir wach. Wir frühstückten frisches Gras und fanden zwischen den Halmen noch ein paar Körner. Wir verabschiedeten uns herzlich von unseren Gastgebern und machten uns gestärkt auf den Heimweg. Als wir am Drehspieß vorbeikamen, ergriff uns leise Nervosität und wir wurden automatisch schneller. Zu tief saß noch der Schock von gestern. Doch heute Morgen war glücklicherweise keine Menschenseele zu sehen.

Gegen Mittag erreichten wir Wilhelms Hühnerhof. Fast alle hatten uns vermisst und geglaubt, dass wir Füchsen zum Opfer gefallen waren. Umso größer war die Freude, dass wir unversehrt zurück waren.

Sie alle wollten wissen, wo wir waren und was wir erlebt hatten. Wir berichteten alles haarklein und betonten, wie gut wir es bei Wilhelm haben im Vergleich zu dem, was wir draußen gesehen hatten. Genau das hatte uns Berta einmal erzählt. Aber es aus eigener Anschauung zu erleben, ist bei weitem schockierender.

Bernadette fügte hinzu: „Wahrscheinlich haben wir unsere glückliche Heimkehr Charlotte zu verdanken. Sie ist ein wahres Organisationstalent, die sehr umsichtig alles bedacht und immer gewusst hat, was zu tun ist. Ich bin ihr auf jeden Fall sehr dankbar.“

Unsere drei Brüder, die ebenfalls unter den Zuhörern weilten, beobachteten Charlotte plötzlich voller Interesse. Sie stießen sich an und begannen zu tuscheln.

Schade, dass ich nicht verstehen konnte, was sie sagten. Aber ihre Augen signalisierten Bewunderung. Einer von ihnen, sein Name war Charles, schritt zu Charlotte und sagte ihr, sie sei eine tolle und tapfere Frau.

Und ich konnte kaum fassen, wie sie reagierte!


Es folgt Kaitel 7: Vom Zauber des Augenblicks und Charlottes Ungeduld vom 11.05.2022

7xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Horst Radmacher am 06.05.2022:
Kommentar gern gelesen.
Die Geschichte spricht mich immer noch an, ich verlängere das 'Abo'...




geschrieben von Christine Todsen am 06.05.2022:
Kommentar gern gelesen.
Einfach toll. Ein ganz kleines Problem habe ich mit dem Namen Charles. In Kapitel 4 werden die Schwestern der Ich-Erzählerin Alexandra genannt, die als erstes der 9 Küken geschlüpft ist: Bernadette, Charlotte, Emilia, Friederike, Isolde. Demnach müssten die Namen der 3 Brüder mit D, G und H anfangen. Oder irre ich mich?




geschrieben von Ben Warrik am 06.05.2022:
Kommentar gern gelesen.
Ich les deine Fortsetzungsgeschichte in einem Stück, wenn das letzte Kapitel fertig geschrieben ist :) Freu mich schon drauf. Bisher nur Kapitel 1 gelesen.




geschrieben von Christelle am 06.05.2022:

@Horst Radmacher: Das freut mich sehr, lieber Horst. Ich hoffe, dass du von den nächsten Kapiteln nicht enttäuscht bist.




geschrieben von Christelle am 06.05.2022:

@ Christine Todsen: Es waren insgesamt 12 Küken, 9 weibliche und 3 männliche. Berta hatte vermutet, dass der Züchter schon vorher männliche Bruteier aussortiert hatte, anstatt es dem Zufall zu überlassen. Für die 9 Mädel hatte ich mir folgende Namen zurechtgelegt: Alexandra, Bernadette, Charlotte, Dorothea, Emilia, Friederike, Gerlinde, Henriette und Isolde. Dorothea, Gerlinde und Henriette sind ein bisschen in Vergessenheit geraten, weil sie den Ausflug der anderen nicht mitgemacht haben. Jedenfalls waren sie nicht zur verabredeten Zeit am Treffpunkt „Alte Eiche“. Ich hatte es mir so vorgestellt, dass die männlichen Küken wieder mit A beginnen, also Alexander, Bernhard und Charles. Den Namen Charles habe ich deshalb gewählt, weil er die männliche Form des weiblichen Vornamens Charlotte ist. Vielleicht kann man das weiterspinnen: entweder zu einer Romanze oder zu einer extremen Feindschaft zwischen Charles und Charlotte. Auf alle Fälle fand ich deinen Einwand berechtigt, weil ich mir selber den Sachverhalt wieder ins Gedächtnis rufen musste.




geschrieben von Christelle am 06.05.2022:

@ Ben Warrik: Vielleicht musst du darauf gar nicht mehr so lange warten. Aber ein paar Kapitel folgen noch!




geschrieben von Christine Todsen am 06.05.2022:
Kommentar gern gelesen.
Sorry, Christelle, da hatte ich etwas vergessen! Aber eine Romanze zwischen Bruder und Schwester? Sicher, als Bruteier-Küken müssen Charles und Charlotte keine leiblichen Geschwister sein, und in der Natur gibt es sowieso Inzest… aber irgendwie käme es mir trotzdem seltsam vor. Bin gespannt auf die Fortsetzung!




geschrieben von Christelle am 06.05.2022:

@ Christine Todsen: Es sind sehr wahrscheinlich keine leiblichen Geschwister, aus den gekauften Bruteiern könnten theoretisch Küken unterschiedlicher Rassen schlüpfen. 🐣 🐥 🐤




geschrieben von Gari Helwer am 07.05.2022:
Kommentar gern gelesen.
Ohne viel hin und her: Einfach wunderbar, ich lese die Geschichten total gerne! Grüße an die kleine Isolde - lass weiterhin alle gut auf sie aufpassen! ;-)

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