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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von Dan Prescot (Dan Prescot).
Veröffentlicht: 27.11.2019. Rubrik: Lustiges


Damals….

Ich erinnere mich, dass meine Großeltern einmal erzählten, früher gab`s so etwas nicht, früher war alles besser. Ich kann gar nicht mehr genau sagen was das eigentliche Thema so eskalieren ließ, aber im Wesentlichen ging es wohl um die unzuverlässige Jungend im Allgemeinen und die jetzige Generation im Besonderen und schlussendlich meines Vaters Sohn im Speziellen. Alles Klar? Ich war also schuldig!
Meine Güte, habe ich mir was anhören müssen. Das Pflichtbewusstsein sei der heutigen Jugend vollständig verlustig gegangen und sie hätten wenigstens versucht ihren Kindern ein wenig Vernunft einzubläuen, was aber offensichtlich nicht gereicht hätte, da ja schon eine Generation weiter alles was mit Pflicht, Tradition und Ehre den Eltern gegenüber zu tun hatte, verloren wäre! Das ganze Versagen wiege den Großeltern gegenüber natürlich doppelt so viel. Meine Eltern schwankten in ihrem Standpunkt ein wenig mit dem Wind. Einerseits versuchten sie mich zu verteidigen und schoben mein verantwortungsloses Handeln auf mein schwieriges Alter von 16 Jahren. Anderseits beschlich sie wohl eine Mischung teils aus eingeredeten, erzieherischen Versagertum und teils berechtigten, notorischen Misstrauens gegenüber pubertierenden, pflicht- und verantwortungslosen Teenagern.
Ich muss natürlich zugeben, so ganz zu unrecht erhielt ich die Standpauke ja nicht. Hatte ich doch nach eigenen Angaben Opas besten Wacholder auf der Dorfhauptstraße verteilt, als die Pulle von dem Gepäckträger meines Rennrades rutschte.
Ich sei bestimmt wieder wie ein Geisteskranker durch die Kurven gejagt oder hatte ich womöglich das Fahrrad wieder so abgestellt, dass es umfallen musste während ich über irgendwelchen Teenagermist mit den Gleichaltriegen quatschte und der arbeitenden Klasse die Zeit stehle. Oder noch schlimmer, ich würde den Dorfschönheiten hinterher steigen, lange genug hatte es ja gedauert bis ich vom Einkauf zurück war. Ich solle ja aufpassen und kein Kind anschleppen! Dann würde ich den Weltuntergang kennen lernen!
Der Einwand es würde aber immer noch um eine olle Pulle Schnappes gehen und nicht um eine Grenzverletzung an der ostdeutschen demokratischen Republik, brachte mir eine gezeterte Strafpredigt und eine gestreckte, linkshändige Ohrfeige ein.
Oho! Ich will nicht so sehr ins Detail gehen aber nur ganz kurz: Ich nehme mal an, sie sind auch nicht ganz unerfahren im Umgang mit Ohrfeigen? Egal, ob verteilend oder empfangend? Nun, diese Watsche war schnell. Sie war schallend und sie trieb einem auf eindrucksvolle Weise die Röte in das Gesicht und die Tränen in die Augen!
Mit wenigen und in ruhigen Tonfall gesprochenen Worten, erbot ich mich eine neue Flasche Wacholder von dem 1 km entfernten Einkaufsladen zu holen. Ob meines reumütigen Verhaltens händigte man mir ein weiteres Mal den Kaufpreis aus und mit ruhigen, gleichmäßig schneller werdenden Pedalhub entfernte ich mich hocherhobenen Hauptes und mit gepeinigtem Geist und Körper von meinem Elternhaus.
Soso, ich war also unzuverlässig! Denen werde ich es noch zeigen. Ohne weiteren Zwischenfall kam ich umgehend wieder nach Hause und händigte mit steinerner Mine das Streitobjekt aus. Dann erklärte ich dass ich zu meinen Kumpels wollte und ich mich nur noch versichern wollte ob denn für die Herrschaften alles zu ihrer Zufriedenheit geregelt worden sei. Ich entkam dem folgenden Zornausbruch weil ich mich in meiner Weitsicht schon an die Haustür gestellt hatte und ich die zum Teil sehr lauten Worten als ein „Ja es ist alles in Ordnung und du kannst gehen“ interpretierte. Ich hechtete auf mein Rennrad und raste wie ein Geisteskranker durch die Kurven. Nach einem kleinen Abstecher und etwa 15 Minuten erreichte ich den vereinbarten Treffpunkt in einem nahe gelegenen Waldstück. Alle meine Kumpels und natürlich auch die Dorfschönheiten waren schon versammelt. Auf die Frage wo ich denn so lange gesteckt hätte antwortete ich grinsend ich hätte den Abend gerettet. Und Simsalabim zog ich eine Flasche Wacholder aus dem Inneren der Jacke.
An dieser Stelle endet meine Geschichte aber es soll noch auf einige Dinge hingewiesen werden:
Erstens, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Großeltern sind natürlich rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Und zweitens, nein, natürlich ist diese Geschichte reine Fiktion. In Wahrheit mag ich gar keinen Wacholder! Schon seit meinen 16. Lebensjahr nicht mehr.

1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von DER WORTKOTZER am 11.03.2020:
Herrlich! Eine sehr schöne Geschichte mit einer wunderbaren Pointe.

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