Veröffentlicht: 06.02.2026. Rubrik: Persönliches
In Nöten mit Goethen - Teil 1: Lieber Johann Wolfgang
Lieber Johann Wolfgang
Als ich zwei Jahre alt war, nannte ich dich Onkel Noethe und war davon überzeugt, du kämest jeden Augenblick zur Tür herein. Schuld trug meine Oma, die von dir wie von einem engen Freund der Familie, einem Vertrauten, sprach. Dein Bild hing über ihrem Bett. Aus einem schmalen, vom Alter bereits gezeichneten Gesicht blickten große Augen sehnsüchtig, suchend und doch wissend, klug in diese Welt. Meine Oma erzählte von deinem Gartenhaus in Weimar und mir war dabei so, als nähme sie mich an die Hand und führe mich die Wege, die du einst gegangen. Dabei sagte sie, dass du hier viele deiner Werke geschrieben habest. Den Erlkönig zum Beispiel, den sie – ganz die Schauspielerin – ein ums andere Mal deklamierte. Ich lauschte und war, obwohl ich nichts verstand, gebannt von deinen Worten. „… erreicht den Hof mit Müh’ und Not – in seinen Armen, das Kind war tot …“
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