Veröffentlicht: 01.10.2026. Rubrik: Persönliches
Der missverstandene Kranke „Empathie Verlust durch Krankheitsängste“
Der missverstandene Kranke
„Empathie Verlust durch Krankheitsängste“
Safe Word, aus der Situation gehen, rechtfertigen …? Was tun, wenn dein Partner krankheitsbedingt narzisstisch ist?
Wochenlanger Schmerz, Angst vor der Krankheit, den Folgen, dem Schmerz – alles verständlich. Doch er verfällt in eine wütende, cholerische Angst und verliert jegliche Empathie und rechtfertigt diese in jedem Satz, an jedem Tag, mit: „Ich bin krank.“
Einen Kranken zu kritisieren oder eigene Gefühle zu beanspruchen, fällt bei ihm unter eine Todsünde. Er bemerkt nicht mal, dass er seine Angst vor der Krankheit in jedem Fall über alles andere stellt. Er macht Vorwürfe, dass er nicht mehr sagt, wie es ihm geht, weil es einen ja nicht interessiert. Nur vergisst er dabei, dass man sehr wohl wahrnimmt, wie es ihm geht. Man ist aber nicht sein Doktor, sondern sein Partner, der auch Bedürfnisse, Gefühle oder Sorgen hat.
Alles wird aufgewogen, aus der Vergangenheit hervorgeholt und verglichen. Alles wegen seines Leidensdrucks. Wo ist da die Schmerzgrenze, seine eigene persönliche Grenze?
Man kennt die Krankheit, aber ich trage sie nicht mit und kann die Gespräche darüber nicht mehr zum Mittelpunkt machen. Es ist, wie es ist. Aber bei jedem Treffen, an jedem Tag geht es nur um das.
Verliert er sich im Rückzug aus Eigenschutz oder ist es eine Bestrafung für mich?
Seine cholerische Art ist dadurch ausgeprägter und, na klar, seine Worte: „DU verursachst Stress. DU regst mich auf.“
Ich entschuldige mich für meine Fehler, aber akzeptiere nicht sein Verhalten, seinen Tonfall, wenn es um meine Fehler geht.
Was er nicht zugibt, ich aber sehe, ist sein Leid und sein Schmerz. Aber muss ich diesen jeden Tag kommentieren? Und was ist mit mir?
Und so beginnt eine toxische Beziehung. Jeder fühlt sich unverstanden und man schiebt sich gegenseitig die Schuld zu.
Er ist so gefangen in dem Wissen um seine Krankheit, dass er sich zurückzieht. Tausend Ärzte sagen etwas, aber es wird nicht besser. Und dann der Satz: „Du verursachst Stress in mir.“
Oder macht er sich den nur selber?
Durch seine Erkrankung rechtfertigt er unbewusst sein verletzendes Verhalten. Er sieht sich als Opfer, dem alles zusteht, während meine Bedürfnisse entwertet werden. Sein Schutzschild ist seine Krankheit.
Hier müssen wir klare Grenzen setzen. Doch wie, wenn er in allem sofort einen Angriff sieht und sich nicht verstanden fühlt? Er inszeniert sofort die Situation als missverstandener Kranker.
Er nimmt sich seine Ruhephasen. Einen Tag geht es ihm gut, dann nutze ich die Chance, etwas zu unternehmen. Am nächsten ist alles anders. Ich bin schuld, dass es ihm schlechter geht.
Ja, aber das Leben steht doch nicht still.
Ich erzähle von meinem Erfolg und höre an seiner Stimme, dass etwas mit ihm ist. Es kam gleich der Satz: „Ich bin krank.“
Ja, wie soll man da über seinen eigenen Erfolg noch reden beziehungsweise erzählen?
Wie so oft, wenn er krank ist – und das ist er viel – würde er jetzt sagen: „Weißt du, wie oft du jammerst?“
Richtig jammern ist aber nicht krank sein.
Und warum werden hier eigentlich gleich wieder Rechtfertigungen gesucht???
Genau, weil es ihm damit besser geht, statt zu reflektieren oder einzusehen. Es endet immer in einer sehr lauten Diskussion.
Diese Lautstärke löst in mir Trotz aus und ein Gefühl von Flucht. Denn Lautstärke hat keine Argumente und ist nichts weiter als Druck auszuüben.
Also ist das hier ein Spiel um Macht, Recht oder worum geht es?
Fühlt er sich nicht verstanden oder umsorgt genug? Muss ich jeden Tag meine Sorge ausdrücken, was dann wie Mitleid wirkt?
Ich sehe das Problem und seine Sorge, aber sieht er auch meine?
In einer Ehe bringt man viel Geduld und Verständnis auf. Aber wo ist seine persönliche Grenze? Verstehe ich vielleicht seine Krankheit nicht oder verliert er sich darin?
Er ist wütend über seine eingeschränkte Mobilität. Aus Wut wird lautes Brüllen und dann ist es für ihn Stress. Ich bin für ihn Stress.
Aber die Situation für mich vielleicht auch. Wer hinterfragt das?
Das ist die toxische Gefahr für eine Beziehung.
Vom Erfolg zum Misserfolg gemacht und die eigene Freude wird unterdrückt oder abgewertet durch seine Krankheit.
Das Wissen über das, was er hat, ist da. Ändern, Schritt für Schritt, mit Geduld. Aber dies sollte kein Grund sein, sie jeden Tag zur Priorität zu machen.
Ich war nicht gefühlvoll von Anfang an. Ich habe unterschätzt, was er hat und welche Folgen es haben kann. Manchmal versuche ich, einfühlsam zu sein. Dies stößt aber auf Misstrauen und Abweisung.
Und dann geht man seinen eigenen Weg …
Man sucht nach Strategien, beliest sich heimlich über die Krankheit und versucht, ohne darüber zu reden, ihn aufzupeppeln.
Auch falsch. Nur Vorwürfe hagelt es.
Er ist so belesen, dass er weiß, was ihm gut tut, und trotzdem nonstop TV oder Handy. Zusagen für Bauprojekte, statt einfach öfter Nein zu sagen. Bei mir kann er es ja auch.
Ich akzeptiere, dass er sich seine Ruhe nimmt, aber ich kann auch nicht unsichtbar sein.
Er wird gemein und ungerecht, wenn er krank ist. Warum ist das so? Ist es aus der Vergangenheit, weil er als Kind schon auf eigenen Beinen stehen musste?
Spricht man aber genau dies an, wird es laut und der Finger wird erhoben.
Ins Schwarze getroffen?
Vor einiger Zeit konnten wir über alles reden. Seit ein paar Monaten fahren wir ins Nirgendwo. Wir können nicht mit Stress umgehen, uns nicht pushen oder motivieren.
Was ist passiert?
Wie kriegen wir das hin?
Ich weiß sehr wohl, wo meine Fehler sind, und kann mich reflektieren, auch wenn ich es nicht zugebe. Aber ich habe das Gefühl, er kann das nicht und fühlt sich immer im Recht, als wäre er der saubere Mann.
Cholerische Ausbrüche bringen mich zur Sturheit. Wir verfallen beide in einen toxischen Zustand, gefolgt von Beleidigungen.
Gesprochene Wörter kann man nicht zurücknehmen und enthalten immer die Wahrheit, denn sie sind Wörter ohne Überlegung.
Ich sehne mich nach Harmonie und will meinen Mann zurück – so, wie er war.
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