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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von VMAssard (V.Massard).
Veröffentlicht: 08.09.2026. Rubrik: Lustiges


Männer und Enten

Aus meinem Reisetagbuch, Tag 12, Champoly, Frankreich

SatirepatzerSatirepatzer
Der vielleicht letzte mögliche Strandtag in diesem Urlaub begann wahrscheinlich wie bei allen Familien wie unserer: verabredet war: alle Jungs sind um Punkt 9.15 unten, wir machen Sandwiches, packen die Strandtaschen, Frühstück und Punkt 10 Uhr los zum See.
Ich dachte, das kann ich von einem 12-, 14- und 18-jährigen durchaus verlangen. Von 3 Jungs, die ein magisches, elektronisches Gerät besitzen, welches ihnen alles interessante und uninteressante Wissen der Welt mitteilen kann. Aber anscheinend keine Weckfunktion besitzt – mein Fehler vielleicht.

9.15: Ich machte mir einen Kaffee und freute mich auf den Tag mit den Jungs. Mein Mann freute sich auf entspannte Ruhe mit den Hunden und einem Buch im kühlen
Ferienhaus. Sonst war noch niemand zu sehen.

9.30: Ich war immer noch allein in der Küche und hatte bereits entschlossen: dann fahre ich eben allein. Aus Gründen des totalen Wunsches nach pädagogisch korrekter, erzieherischer Konsequenz (und Rache). Ja, gut, am meisten Rache. Rache für jedes Mal: „wolltest du nicht aufstehen“, „räumst du noch die Brotdose in die Küche“, „Kann es sein, dass dein Wecker nicht geklingelt hat?“. Die Experten werden feststellen, genau wie ich bereits: klassischer Fall von selbst Schuld, aber jetzt war ich soweit! Mütterliche Konsequenz wird jetzt ausgeführt! Ohne Wenn und Aber werden hier andere Seiten aufgezogen.

9.40: Ich fing an MIR Sandwiches, Obststücke, Snacks und Trinkflaschen vorzubereiten. Wütend, grummelnd, Aber konsequent!!!

9.45: Mein Mann hat sie dann doch noch geweckt. Mir zuliebe, denn er wusste natürlich, dass ich es blöd gefunden hätte, ohne die 3 Langschläfer zum See zu fahren.

9.50: Verschlafen, morgenmuffelig, ungeduscht mit der Hälfte der Sachen, die sie benötigen, standen sie nun in der Küche. Dann der Schreck: Mama hat nur für sich ein Picknick gepackt? Nur ihr Handtuch rausgesucht?

9.51: Zeit, mit einem Stock in einen Ameisenhaufen zu piksen: „Auch wenn ihr jetzt erst da seid, ich fahre um Punkt 10, mit oder ohne Euch.“ In meinem Kopf hörte ich mich teuflisch lachen


Das machte mir heimlich direkt wieder sehr gute Laune zu beobachten, wie sie hektisch, fast panisch wie Ameisen unter der Lupe versuchten, sich ihre Sachen zusammenzusuchen und die Tages- Verpflegung zu organisieren. Völliges Chaos, das schaffen die nie, dachte ich.

Da stellte sich der Mittlere als der Einäugige unter den Blinden heraus und übernahm die Leitung der Operation. Er strukturierte den Älteren und den Jüngeren mit klaren Kommandos wie aus der Sterneküche: Phil, Alufolie! Moritz, bring die Dose mit! Phil, Trinkflasche! Phil, alle drei Trinkflaschen natürlich. Los, die Gurke schneiden. Haben alle Sonnencreme dabei? Muss nochmal einer aufs Klo? Leider war ich noch sauer, durfte nur innerlich lachen, denn es war so lustig und bestätigte: sie können es. Eigentlich können sie es.

10.00: Innerlich und auch schon ein bisschen äußerlich grinsend kutschierte ich die Männer, die sie gerne wären, zum See.

10.15: Außer uns waren nur eine Entenmama, ihre Küken und ein älterer Herr dort, der versuchte mir etwas zu erklären, ich verstand ihn nicht aber er hatte wirklich einen harten Akzent, es lag bestimmt nicht an meinen Sprachkenntnissen. Oui, Oui, merci. Wie ein Geistersee, so einsam war es dort. Ein leichter Wind weht, das Wasser kräuselt sich, dunkle Wolken ziehen auf. Vielleicht haben alle anderen Menschen außer mir sich den Wetterbericht angesehen. Oder die vielen Leute, die hier sonst schwimmen und in der Sonne braten haben eines dieser magischen Geräte, die einen wecken können dafür verwendet, um sich die Wetterprognose anzusehen. Mein Fehler vielleicht.
Es waren wirklich sehr dunkle Wolken und der Wind wurde stärker. Als ich die ersten Tropfen in meinem Liegestuhl abbekam, sind die Jungs gerade mit der Luftmatratze auf der Mitte des Sees angekommen.

10.30: Natürlich waren wir komplett durchnässt, als wir wieder am Auto ankamen. Natürlich nicht nur vom See. Dieses Gewitter hat bestimmt nur meine mütterliche Wut ausgelöst denke ich und musste lachen. Die Enten watschelten entspannt an uns vorbei. Eine Mama und ihre 3 Küken. Ob sie heute auch schon so super-konsequent war?

counter2xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Andy Loginius am 08.09.2026:
Kommentar gern gelesen.
Eine schöne und entspannte Geschichte, trotz der Hecktik vorher.
Grüße
Andy




geschrieben von Babuschka am 08.09.2026:
Kommentar gern gelesen.
Das Wichtigste ist für dich gewesen, dass du doch nicht allein fahren musstest und stattdessen freudig erfahren hast, wie deine Jungs alle notwendigen Sachen in kürzester Zeit selbst zusammensuchen konnten.

Eine gelungene Feriengeschichte.
Liebe Grüße, Babuschka

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