geschrieben 2026 von CaptainX.
Veröffentlicht: 25.04.2026. Rubrik: Fantastisches
Mysteriös! - Teil 1(6)
Hinweis: Die komplette Story ist bereits jetzt schon in der pdf verfügbar. Teil 2 bis 6 poste ich in den nächsten Tagen.
Eins
122-930 war die Katalogbezeichnung des IISS für eine unbewohnte Ozeanwelt am Rand der Imperialen Grenze. Der Planet war mit einem Durchmesser von 16.312 Kilometern sehr groß (ein sogenannter Superplanet) und komplett mit tiefen Ozeanen bedeckt. Hohe Temperaturunterschiede auf der Oberfläche sorgten für ein äußerst aktives und dynamisches Wettersystem. Permanent rasten dutzende Sturmzentren über den Polen und am Äquator entlang.
Das kleine Scoutschiffe des IISS 'Blackspace' materialisierte sich an der Sprunggrenze dieser Welt und beschleunigte.
Nach etwa fünf Stunden erreichte das Schiff einen hohen Orbit über den Äquator. Sensoren suchten nach einem Leitstrahl, der die 'Blackspace' durch die meist unsichtige und turbulente Atmosphäre hindurch und hinunter zu der einsamen Landeplattform führte.
In der kleinen Brücke saßen in den Kommandosesseln Commander Kirkumu und Chief Walten-Berg, die das Navigationspanel bediente: "Leitstrahl erfasst. Kurs korrigiert."
"Bestätigt.", sagte ihr Kommandant. Er schaltete die Bodenkamera ein, die nach 'Unten' die bewegte Atmosphäre des Planeten live aufzeichnete.
Obwohl scheinbar statisch, wirkte das mächtige und diffuse Wolkenmeer unter ihnen einschüchternd. Gewaltige Energieblitze durchzogen die dunklen Sturmzentren. Ein dezenter grüner Punkt deutete den Leitstrahl an, der die Position der Landeplattform anzeigte.
Helloway bestaunte fasziniert diese Szenerie. So etwas Gewaltiges hatte sie noch nie gesehen.
Nicht ganz vorschriftsgemäß stand sie und Operative Lee hinter Kirkumu und Walten-Berg. Beide waren bereits seit vier Jahren beim IISS, hatten bislang aber nicht viel gesehen. Wie die meisten Neulinge mussten auch sie zunächst eine Dienstzeit beim Express-Kurierservice ableisten. So wichtig diese Aufgabe für das Imperium war, so langweilig war es auch. Die Kurierpiloten sahen die gesamte Zeit über nur Versorgungsschiffe und ab und zu mal eine Raumstation im interplanetaren Raum.
"Abstieg beginnt.", meldete Chief Walten-Berg.
Nur langsam änderte sich das Bild der Bodenkamera. Die Wolkenstrukturen wurden immer größer, verblassten aber mit zunehmender Atmosphärendichte.
Commander Kirkumu schaltete den Flugstabilisierungspanel auf seine Konsole. Das kleine 3D-Icon des Schiffes wurde vom rapide zunehmenden Wind in alle Richtungen gedrückt.
"Nase in Windrichtung nach 100 Grad.", erging seine Anweisung an den Chief, die die dafür notwendige Kurskorrektur vornahm, was dann die Eigenbewegungen der 'Black Space' etwas reduzierte.
Da an Bord eine stabile, künstliche Schwerkraft von 1g herrschte, bekam Helloway von diesen Turbulenzen nichts mit. Ein Blick auf die Flugstatuskontrollen zeigten ihr, dass die Trägheitsstabilisatoren auf 100 Prozent arbeiteten, Schwankungen im Schwerkraftfeld bislang aber nur unter 0,5 Prozent lagen. Trotzdem umklammerte sie unbewusst mit einer Hand einen in die Wand eingelassenen Griff und mit der anderen die Kopfstütze ihres Kommandanten. Falls die Stabilisatoren ausfallen sollten, würde sie und Lee bei diesen Flugverhältnissen kreuz und quer durch das Cockpit geschleudert werden - mit entsprechenden Verletzungen natürlich. Deswegen war auch beim IISS bei Starts und Landungen eine Anschnallpflicht vorgeschrieben. Jedoch wurden Vorschriften bei den Scouts in Gegensatz zur Navy oder der Handelsflotte etwas lockerer gesehen.
Das kleine Schiff glitt weiter durch die immer dichter werdende Atmosphäre. Sehr bald war die Sicht der Bodenkamera gleich null. Es dauerte aber nicht lange, da erschien in der Mitte des Bildschirms recht verwaschen eine kleine, runde Struktur. Dabei musste es sich um die Landeplattform handeln! Schon waren Details erkennbar. Ein Gebäudering friedete den Landebereich ein. Positionslichter kennzeichneten die Innen- und Außenfront. Schiffe waren nicht zu erkennen. Um den Ring brodelte die See. Vor lauter Gisch waren die hohen Wellenberge kaum zu erkennen.
Helloway erinnerte sich an die Beschreibung der Plattform in den IISS-Aufzeichnungen.
Die runde Landeplattform hatte einen Durchmesser von etwa einhundert Metern. Sie steht auf 16 gewaltigen Pylonen, die wiederum auf riesigen Schwimmkörpern montiert waren, die unterhalb der Wasserfläche lagen. Diese waren mit Spezialketten an einem Unterseeberg fixiert, die ein Abdriften verhinderten.
Die Landefläche wurde außen zur Seeseite durch einen Gebäudering begrenzt, in dem Wohn-, Service- und Lagerbereiche untergebracht waren.
Unterhalb des Landebereichs lagen zwei Serviceebenen, von denen die stark beanspruchte Unterkonstruktion gewartet wurde.
Von einer im Boden eingelassenen Pumpe konnten Schiffe bei Bedarf ihre Tanks auffüllen, ohne eine direkte und gefährliche Wasserentnahme aus dem Ozean zu riskieren.
Der Bau der Plattform war eine logistische Meisterleistung, verschlang eine Menge Geld und kostete dem IISS Unsummen an Unterhalt. Aber das schien es dem Imperium wert zu sein.
Die unbemannte Landeplattform darf von allen raumfahrenden Spezies benutzt werden und kann Schiffe bis maximal 800 dtons aufnehmen, wenn es die Dimensionen zulassen.
Alle landenden Schiffe werden automatisch erfasst und müssen sich beim Stationscomputer registrieren. Das geschieht aber nicht immer und somit bleibt das Stationslogbuch lückenhaft.
Trotz regelmäßiger Wartung und Bewirtschaftung durch den IISS ist die Plattform in einem schlechten Zustand. Die extremen Wetterverhältnisse setzen dem an sich sehr robusten Material sehr zu. Unsachgemäße Handhabung, Vandalismus und sogar Diebstahl der Rettungs- und Komfortausrüstung machen die Plattform zu einem unwirtlichen Ort.
Aus Berichten und Logbüchern geht hervor, dass spezien-übergreifend viele Crewmitglieder sich beim Aufenthalt, insbesondere auf den unteren Serviceebenen beobachtet, unwohl, ja sogar bedroht fühlten. Natürlich ist die Plattform in ihrem Zustand und Lage von Haus aus ein unheimlicher Ort. Die vielen Erfahrungsberichte sind sich aber zu ähnlich, als das sie nur einer ausschweifenden Fantasie entspringen könnten.
Und es schüttete wie aus Eimern. Auf Sicht zu fliegen war beinahe unmöglich.
Walten-Berg schaltete die Bodenniveauanalyse auf ihre Konsole. Die vereinfachte 3D-Darstellung der Plattform war in fein abgestuften, farbigen Bereichen eingeteilt. Grün zeigte eine Ruheposition an, bei Rot war der Bereich vertikal in Bewegung.
Die Plattform war durch Wind- und Wellenbewegung extremen Schwankungen ausgesetzt. Egal in welche Richtung Walten-Berg das Schiff drehte, die Wechsel zwischen Grün- und Rottönen kamen unerwartet und schnell hintereinander.
"Das wird wieder schwierig werden.", meinte der Kommandant. Walten-Berg kniff die Lippen zusammen und konzentrierte sich. Sie wählte eine Landeposition etwas weiter am Rand, wo die vertikalen Bewegungen zwar extremer, aber in der Fläche leichter vorherzusehen waren. Sie fuhr das Fahrwerk aus, glich die Fluglage aus und setzte auf.
Außer einer Vibration spürte Helloway nichts, aber auf dem Schadenspanel leuchteten einige Anzeigen gelb auf.
"Shit!", zischte der Chief durch die Zähne und sicherte die Landekufen.
"Nicht schlimm, Antonia.", sagte Eneri mit ruhiger Stimme: "Bei diesen Bedingungen kein Wunder."
Für Helloway und Lee deutete er auf das Schadenspanel: "Baugruppe 15 hat sich verzogen und ein Dämpfer ist gebrochen. Das Schiff hat jetzt eine leichte Schräglage, aber unter fünf Prozent. Nicht weiter dramatisch."
Commander Kirkumu schnallte sich nun ab und stand auf.
"So, Leute. Ich will hier nicht länger als nötig bleiben. Allwetteranzüge und Sicherheitsgeschirr."
Er öffnete mit seinem Handabdruck das Missionsfach in einer Abseite der Brücke und holte zwei pistolenförmige Scanner in Hüftholstern hervor.
"Antonia? Nathalie? Sie übernehmen die Materialanalyse. Ist alles bereits vorkonfiguriert. Schon mal mit einem MSA gearbeitet, Nathalie?"
"Auf der Akademie, Eneri.", antwortete Helloway etwas schüchtern.
"Das wird reichen."
Er griff erneut in das Fach und holte zwei Pistolen hervor - ebenfalls geholstert: "Falls es Probleme geben sollte!" Er übergab die Waffen den beiden Scouts.
"Ich schließe das Schiff an das Tanksystem der Plattform an und klappere dann mit Lee die Servicegebäude ab und checken die Notfallrationen und Ausrüstung. Kommunikation über Intercom Kanal Zwei." Mit diesen Worten holte er zwei wasserdichte Panels aus dem Fach hervor und übergab eines davon Lee.
"Noch Fragen? Nein? Dann Abmarsch."
Helloway ging in ihre Kabine, zog schnell ihren Allwetteranzug an und gürtete sich mit dem Scanner und der Waffe. Dann traf sie sich mit Walten-Berg an der Heckschleuse des Schiffes.
"Denken sie dran, Nathalie, dass hier an Bord die Bewegung der Plattform auskompensiert wird. Wenn sie aus der Schleuse treten, geht der Spaß los. Und wir haben hier ein höheres Bodenniveau. Wir müssen also die Leiter hinab. Nutzen sie den Sicherheitsgurt."
"Ja, Chief. Das bekomme ich schon hin."
Sie hatte zwar versucht sich mental vorzubereiten, aber als die Schleuse sich öffnete, sah sie ein, dass es nicht ausreichte.
Sie blickte in eine windgepeitschte Wasserwand. Haushohe Wellen brachen sich an der Plattform und nebelten das Landefeld mit Gisch ein. Der Sturm zog ihr die Luft aus der Lunge. Sie klinkte ihren Sicherheitsgurt ein und stieg nach draußen. Wie Chief Walten-Berg schon gesagt hatte, spürte sie sofort, wie ihr Gewicht ohne stabilisierende künstliche Gravitation durch die Bewegung der Plattform und dem Wind in alle Richtungen gezogen wurde.
Langsam stieg sie die Leiter hinab und löste unten angekommen den Gurt. Instinktiv ließ sie sich auf alle Viere nieder, weil sie das Gefühl hatte, das Gleichgewicht zu verlieren.
Chief Walten-Berg war bereits hinter ihr und zog sie wieder auf die Beine.
"...", schrie sie ihr ins Ohr gegen das Wetterchaos. Helloway verstand kein Wort, nahm aber zurecht an, dass der Chief möglichst schnell weiter zum Treppenhaus gegenüber zu den unteren Ebenen wollte. Schon jetzt waren beide klitschnass. Helloway war bereits fix und fertig, folgte aber tapfer Chief Walten-Berg weiter in Richtung Treppenhaus. Nur undeutlich sah sie den Gebäudering.
Fortsetzung folgt ...
Geschrieben: April 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
www.kurzgeschichten-stories.de
1x




