geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 31.03.2026. Rubrik: Fantastisches
Verlorener Sieg - Teil 3(3)
Jaina war von der Zuversicht ihres Vaters zu Tränen gerührt, aber sie konnte nichts machen. Der Psi-Angriff hat ihr viel Kraft gekostet - ihr war noch immer schwindelig und konnte sich kaum konzentrieren.
Sie saß auf der Rückbank seines geschlossenen Gleiters. Vorsichtshalber hatte Bowie ihr eine Psi-Haube über den Kopf gezogen, um Jaina jede Möglichkeit zum Einsatz ihrer Kräfte zu nehmen. Sie war völlig hilflos. Aber auch unter normalen Umständen wäre sie diesem Mann völlig unterlegen gewesen. Jaina's bescheidenen telepathischen und telekinetischen Kräfte waren gegenüber seinem Geist weit unterlegen.
Er startete das Fahrzeug und fuhr in die von Jaina angegebene Richtung.
"Warum machen sie das?", fragte sie plötzlich.
"Hmmm? Was meinst du?"
"Warum jagen sie uns, obwohl sie einer von uns sind?"
Er lachte kurz auf.
"Ist nichts Persönliches.", meinte er schließlich: "Es geht mir nur um das Geld. Ich will leben und nicht bloß überleben, verstehst du?"
Sie verstand und das nur zu gut. Jahrelang hatte sie sich das Gleiche gewünscht - einfach nur leben, ohne Angst davor, am nächsten Baum aufgeknüpft zu werden, nur weil man so ist, wie man ist. Aber das war eine Illusion. Und letztendlich hatte es ihrer Mutter das Leben gekostet und ihren Vater gebrochen.
Bowie's Gleiter war schnell. In weniger als einer halben Stunde hatten sie das Waldstück an dem trockenen Flussbett erreicht.
"Eine Hütte. Am Ufer entlang, ein kleines Stück nach Norden.", sagte sie leise. Ihr war klar, dass sie damit das Todesurteil ihres Bruders unterschrieben hatte, sah aber keine andere Möglichkeit.
"Na, dann wollen wir mal.", sagte Bowie lächelnd. Er bremste auf Schrittgeschwindigkeit ab und erhöhte den Bodenabstand des Fahrzeugs, um alle Unebenheiten des steinigen Untergrunds zu kompensieren.
Langsam fuhr er das Flussbett hoch. Nach ein paar Minuten sah er fünfzig Meter voraus die kleine Hütte und hielt an.
"Du bleibst hier!", sagte er überflüssiger Weise zu Jaina, stieg aus und verriegelte das Fahrzeug. Er hatte das Mädchen mit einer weiteren Fessel am Sitz fixiert.
Auf dem Weg zur Hütte zog er seinen Revolver aus dem Holster.
Langsam näherte sich Bowie der Eingangstür. Er sondierte kurz die Umgebung im Astralraum. Er fühlte eine Person im Haus. Ein Mann. Er schien zu schlafen.
"Um so besser.", sagte er zu sich selbst.
Vor der Tür hielt Bowie kurz inne und sammelte Kraft. Nach einem kräftigen Tritt brach die Tür aus den Angeln und er trat ein.
In dem Gang dahinter kniete ein Mann mit einem Gewehr im Anschlag. Bowie reagierte sofort und riss den Revolver hoch. Aber es war zu spät! Vier Projektile durchschlugen ohne nennenswerten Widerstand seinen Brustkorb. Als er tot zu Boden sank, blieb seine dunkle Aura noch einen winzigen Moment in der Luft hängen, bevor sie sich verflüchtigte.
Jaina sah vom Gleiter aus nur die Mündungsblitze und hörte gedämpftes Knallen. Sie ahnte bereits das Schlimmste, aber die Gestalt, die nun das Haus verließ, war Lionell. Er hatte ein Gewehr geschultert und ging hölzernd auf den Gleiter zu.
Er öffnete die Tür, zog ein großes Messer und schnitt wortlos Jaina's Fesseln durch, ohne sie anzusehen. Dann wandte er sich ab und ging zurück das Flussbett entlang. Wie gebannt, sah sie ihrem alten Mentor hinterher. Irgendetwas Unheimliches ging von ihm aus.
Als Jaina sich endlich wieder rühren konnte, rannte sie zum Haus. Sie sprang angeekelt über Bowie's übel zugerichtete Leiche und rief nach ihrem Bruder.
Aus einer Tür taumelte Jeremia - mit einer riesigen Beule am Kopf.
"Verdammt! Was ist denn hier los?"
Epilog
Abends saß sie noch stundenlang alleine am Küchentisch ihres Elternhauses und dachte nach. Bowie hätte eigentlich Lionell's Präsenz spüren müssen, aber das und sein plötzliches Auftauchen und Verschwinden deutete darauf hin, dass es sich bei ihm nur um seine astrale Manifestation handelte. Nur so konnte er seine Anwesenheit verbergen und Bowie glauben lassen, dass Jeremia alleine war. Ihr Bruder hatte ihr berichtet, dass auf einmal ein Fremder auftauchte und ihn mit einem Schlag auf den Kopf betäubte, was Bowie vermutlich als Schlaf wahrnahm und sich dadurch zu sicher fühlte.
Warum Lionell ihnen geholfen hatte, war Jaina nach ihrem jahrelangen Streit rätselhaft.
Einige Tage später wollte sie ihn besuchen und nach dem Grund fragen, aber sein Haus war verwaist. Anscheinend war es von der Polizei durchsucht worden. Lionell war verschwunden - vermutlich vor den Behörden geflüchtet, um irgendwo auf Estinaz eine neue Existenz aufzubauen.
Lionell hatte recht gehabt. Das Verschwinden zweier Kopfgeldjäger bei ihrer Suche nach Psi-Teufel in so kurzer Zeit und auf so engen Gebiet veranlasste die Behörden zu einer umfangreichen Untersuchung der Vorfälle. Bald schon erhöhte die Polizei weiter ihre Präsenz hier im Outback. Razzien wurden durchgeführt, Bürger (Unbeteiligte und scheinbar Begabte) inhaftiert und häufig abgeurteilt.
Schließlich sah Jaina es ein und verließ mit Jeremia ihre Heimat.
Ende
Geschrieben: März 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
www.kurzgeschichten-stories.de
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