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8xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von misterschreiber (misterschreiber).
Veröffentlicht: 04.04.2019. Rubrik: Satirisches


Sammeln Sie Emoijs

Ich muss vorwegnehmen, dass ich ein Coop und Migros Kind bin und diese beiden, treuen Lebensbegleiter sehr schätze aber manchmal geschehen seltsame Dinge. ( Anmerkung : Coop und Migros sind Warenhäuser in der Schweiz )

So stand ich also an einer Coop Kasse in der Warteschlange und freute mich, dass ich nur zwei Kunden vor mir hatte. So war die Chance gross, dass ich das feine „Erdbeereis“ in meiner Hand noch schön gekühlt geniessen konnte.

Als der freundliche, schon etwas ältere Herr vor mir endlich mit einpacken fertig war, fragte ihn die liebenswürdige Dame an der Kasse, „Haben Sie eine Kundenkarte“? Daraufhin beginnt der Herr in seinem Geldbeutel zu suchen, legte das eine oder andere Kärtchen, sowie sonstige Zettel auf die Ablage und suchte verzweifelt weiter. Nach gefühlten zehn Minuten dann der grosse Erfolg. Wir alle hatten unbeschreibliche Gefühle der Erleichterung, als er die blaue Karte voller Stolz der Dame an der Kasse übergibt.

Natürlich möchte der ältere Herr seinen Einkauf mit einer Kreditkarte bezahlen. Lohnt sich ja auch bei Fr. 27.50.
Es versteht sich von selbst, dass er beim ersten Mal den Code falsch eingibt. Auch der zweite Versuch endete ohne Erfolg. Leicht verlegen meinte er noch „jetzt weiss ich doch glatt meinen Code nicht mehr“. Ja zugegeben, „sauglatt“.
Er hätte für den Notfall den Code aufgeschrieben. Somit suchte er von neuem in seinem Geldbeutel nach einem Zettel und bei Versuch drei funktionierte es dann auch.

Ich wechselte zum ersten Mal mein Eis von der einen Hand in die Andere, um Schäden durch Erfrierung zu vermeiden. So weit so gut. Der Herr wäre nun im Prinzip durch aber jetzt beginnt der Zauber des Erlebnis Shoppings erst richtig zu laufen.

„Sammeln Sie Emojis?“
„Was, wie bitte, was soll ich sammeln?“ Ich ahnte Schlimmes. Die junge Dame an der Kasse erzählte dem älteren Herrn mit viel Geduld, was es mit diesen überflüssigen „Figuren“ auf sich hatte. Klar, der nette ältere Mann hatte natürlich eine Schwester, von der wiederum der Mann, hat eine liebe Arbeitskollegin, welche wiederum eine Tochter hat und deren Töchter sind noch klein und die würden einfach alles sammeln.

Die Dame hinter mir beginnt langsam ihre Nahrungsmittel aufzufuttern, um einer allfälligen Unterzuckerung vorzubeugen. Ich ärgere mich gerade wahnsinnig, weil ich nicht etwas Nahrhafteres eingekauft hatte, wie zum Beispiel ein halbes Poulet. Dann hätte ich ebenfalls etwas zum Essen gehabt, was in Anbetracht der Situation sehr nützlich gewesen wäre.

Jetzt hätte es doch eigentlich weiter gehen sollen. Weit gefehlt, „sammeln Sie Punkte?, „Was, wie, was für Punkte?“ „Ja, diese Punkte vom Jamie Oliver????????“ Der freundliche Herr hatte weder einen Plan, was das für Punkte sein sollen, noch hatte er auch nur im Ansatz eine Ahnung, wer dieser Jamie Oliver sein könnte.

Die freundliche Dame zückte einen Prospekt, erklärte geduldig und ausschweifend, wer dieser Jamie Oliver ist und was man mit diesen Punkten alles anstellen könnte.

Inzwischen sind hinter uns Bauarbeiter mit einem Bagger aufgefahren, um im hinteren Bereich des Ladens ein Loch in die Wand zu brechen, damit das Ende der Kolone auch super Platz hat. Die Dame hinter mir reicht mir gerade ein Papiertaschentuch damit ich die Sauerei auf dem Boden, welche durch mein tropfendes Eis verursacht wurde, aufwischen kann.

Auf den Geschmack gekommen sammelt der ältere Herr natürlich ab sofort Punkte und die Dame hinter der Kasse, zählt in einer Seelenruhe die Punkte, eins, zwei, drei, etc. Dann noch ein Heftchen zum einkleben übergeben und es konnte weiter gehen.

Langsam bricht die Dämmerung über die Stadt herein.
Die Mitarbeiter vom Coop verteilen Essenspakete, Taschenlampen und Zelte für die Nacht. Eine Dame fragt mich noch ob ich das Stückchen Holz in meiner Hand, welches der Rest von meinem „Erdbeereise“ war, noch brauchen würde. Ansonsten könnten sie das wertvolle Stück Holz verwenden, um ein Feuer zu entfachen. Jetzt wurde ein pfadfindergerechtes Feuer entfacht, um unser Biwak in der Nacht vor gefährlichen Tieren und allfälligen Emojis zu schützen. Plötzlich wurde es laut im Laden. Die Gruppe Kunden, welche bisher im Bereich der Spirituosen in der Kolone stand, hatte mittlerweile etwas viel getrunken und startete eine fröhliche Polonäse durch den Laden.

Als niemand mehr damit gerechnet hatte, ging es einen Schritt weiter. Der ältere Herr, schaffte es als Letzter, den Laden noch zu verlassen. Die Meute hinter mir machte eine Laola Welle und tanzte Lambada, es wurde gefeiert, die Nachos Abteilung wurde geplündert, Avocados aus der Gemüseabteilung wurden zu Guacamole verarbeitet, wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, es war ganz einfach Partytime.

Ich nahm mir ein Energy Getränk aus dem Regal, damit ich nachher an der Kasse auch etwas zu kaufen hatte, und freute mich wie ein kleines Kind. Die Dame vor mir hatte schliesslich nur zwei Produkte.

Jetzt Ladys and Gentleman „give me five“, ich nahm die Sieges pose von Usain Bolt ein, klatsche mit wildfremden Menschen in der Kolone ab, legte mein Energy Getränk auf das Förderband und.............

Und dann passierte das, was wir alle so sehr befürchtet hatten...........

„Haben Sie auch eine Kundenkarte?“

So nahm ich also von den inzwischen eingetroffenen Herren vom Care Team einen Schlafsack entgegen, legte mich zwischen die Regale und begann Emojis zu zählen, was mich schon bald sanft in den Schlaf wiegte.

Und die Moral der Geschichte

Kaufe mit Weitsicht, Köpfchen und Verstand,
denn Vorsicht, Emojis und Punkte ziehen durch das Land.

@misterschreiber

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von misterschreiber am 04.04.2019:
Diese Geschichte habe ich bereits einmal auf meinem Facebook Profil eingestellt, und möchte sie hier einen breiteren Publikum zugänglich machen. Viel Spass




geschrieben von Noxlupus am 07.04.2019:
Sehr lustig geschrieben und nein, ich sammle nichts und will auch keine Punkte! Ich möchte nur bezahlen … :-) Gruß Noxlupus

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