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geschrieben 2026 von Lüdel (lüdel).
Veröffentlicht: 17.03.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Schwieriger Fall (2)

Am Nachmittag wiederholte sich die Bestellung. Manchmal kamen Obst oder Zucker dazu.

Wir erinnerten Frau Suchi daran, dass sie bereits da gewesen war. Doch sie blieb unbeirrbar.

Es wurde zur Gewohnheit, dass meine Chefin sie nach Hause fuhr.

Nach längerer Zeit kam die Schwiegertochter, die gelegentlich ebenfalls Semmeln bei uns holte.

Sie bat uns, ihrer Schwiegermutter keine Waren mehr doppelt zu geben, da sie diese hortete und das Obst bereits schimmelte.

Ihre Schwiegermutter habe eine eigene Einliegerwohnung. Der Kühlschrank werde von ihr und ihrem Ehemann regelmäßig gefüllt. Beide seien voll berufstätig.

Es war uns sehr unangenehm. Es wurde ein schwieriger Fall.

Einige Zeit später kam Frau Suchi wieder.

Vormittags die gleiche Bestellung wie immer.

Am Nachmittag wurde es nun besonders schwierig.

Wir verkauften Ware, sollten ihr aber nichts anbieten.

Ich – oder wir – versuchten, Frau Suchi daran zu erinnern, dass sie bereits da gewesen war.

Manchmal war es unausweichlich, und sie bekam die Semmeln doch.

Sie verlangte Zucker, Marmelade oder andere Waren.

Wir erinnerten sie daran, dass ihre Familie alles zu Hause habe.

Dann fand sie eine Ausrede: Ihr Sohn habe den Zucker vergessen.

Was sollte man dagegen sagen?

Es blieb schwierig und teilweise sehr unangenehm.

Sie stand da und wartete, dass man ihr die Ware gab.

Meist endete es damit, dass meine Chefin sie ablenkte und nach Hause fuhr.

Die Waren blieben dann bei uns hinten auf dem Thekentisch stehen.

Das zog sich über Monate hin.

Bis zu dem Tag, an dem die Schwiegertochter erneut auftauchte.

Sie holte Semmeln und erzählte uns schuldbewusst, dass sie ihre Schwiegermutter in ein Altersheim für Demenzkranke bringen mussten.

Frau Suchi hatte eine Gabel in den Toaster gesteckt, weil sie annahm, es sei eine Brotscheibe.

Es kam zu einem Kabelbrand, doch alle kamen mit dem Schrecken davon.

Die Schwiegertochter entschuldigte sich regelrecht bei uns.

Sie und ihr Ehemann hätten diese Entscheidung treffen müssen, da beide voll berufstätig seien.

Schuldbewusst blickte sie uns an.

Ich sagte nichts.

Ich hatte einen Kloß im Bauch und verstand diese Situation damals nicht.

Frau Suchi fehlte mir.

Einfach so war sie weg.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Rautus Norvegicus am 17.03.2026:

Liebe Lüdel,

Frau Suchi war schwer erkrankt, hat aber ihr Leben, so lange es ging, normal weiter gelebt. Jeder Augenblick davon sei ihr gegönnt, denn, so wie ich das sehe, zählt bei dieser Erkrankung nur noch der Augenblick. Ihr habt euch alle um sie gesorgt und zuletzt blieb nur noch das Pflegeheim.

Es ist ein Glück für diese erkrankten Menschen, wenn sich jemand um sie kümmert, denn sie selber können es nicht mehr. Ihr habt das alles richtig gemacht, und die Familie von Frau Suchi auch 🙂

Liebe Grüße
🐀
Rautus




geschrieben von lüdel am 17.03.2026:

Damals war ich viel zu jung und kam das erste Mal mit so einem Krankheitsbild in Berührung.

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