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7xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Lüdel (lüdel).
Veröffentlicht: 16.03.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Schwieriger Fall (1)

Teil (1von 2)

Hier erzähle ich von ungewohnten, ungewollten Erlebnissen – Situationen, die man nicht plant und die einen oft hilflos oder nachdenklich zurücklassen.

***

Als ich in der Bäckerei meine Lehre anfing, war ich sehr schüchtern und zurückhaltend.

Am Anfang machte ich Helferarbeiten: Regale auffüllen, Brot und Semmeln bringen.

Viele Kunden schreckten mich ab. Besonders am Wochenende, wenn der kleine Laden vollgestopft mit Menschen war, bereitete mir das großes Unbehagen.

Meine Chefin merkte das und teilte mir bestimmte Kunden zu.

Mein erster Kunde war meine eigene Oma. Ich kannte sie und hatte bei ihr keine Hemmungen. Die Kasse machte meine Chefin, ich sagte an.

Unter anderem gehörte auch Frau Suchi dazu – das war ihr Spitzname.

Sie war eine der Kundinnen, bei denen ich immer gerufen wurde, wenn sie kam.

Frau Suchi, eine ehemalige Lehrerin, war bestimmt über achtzig Jahre alt. Ihre Augen wirkten immer wachsam, suchend.

Sie war eine sehr freundliche Frau, immer gepflegt gekleidet: zum Oberteil passende Hose, ein Jäckchen und darüber ein dünner Mantel.

Auch an ihrer Sprache merkte man sofort, dass sie einmal Lehrerin gewesen war.

Sie kam gelegentlich und kaufte immer zwei Semmeln und Joghurt. Mehr brauche sie nicht, sagte sie, denn ihre Schwiegertochter und ihr Sohn würden alles andere für sie besorgen.

In meinem zweiten Lehrjahr war ich schon eingelernt, dennoch bediente ich Frau Suchi weiterhin.

Alles fing damit an, dass Frau Suchi eines Vormittags, nachdem sie ihre Semmeln und den Joghurt verlangt und eingepackt hatte, erschöpft auf der schmalen Brettablage vor der Theke Platz nahm.

Meine Chefin fragte besorgt nach.

Frau Suchi sah eindeutig erschöpft aus. Sie klagte, dass sie den langen Weg nach Hause nicht mehr schaffen könne.

Meine Chefin, gutmütig wie sie war, fuhr sie nach Hause.

Ich durfte mitfahren und bemerkte dabei, wie lang dieser Gehweg tatsächlich war. Ich wunderte mich, dass Frau Suchi diesen Weg regelmäßig zu Fuß zurückgelegt hatte.

Einige Tage später kam sie nicht nur am Vormittag, sondern auch am Nachmittag.

Sie verlangte wieder zwei Semmeln.

Erschöpft setzte sie sich erneut auf die Brettablage vor der Theke.

Manchmal nahmen sie Kundinnen oder Nachbarn, die sie kannten, mit nach Hause.

Diese Einkaufsbesuche häuften sich.

Sie kam fast jeden zweiten Tag: vormittags wie immer zwei Semmeln und Joghurt.

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