Veröffentlicht: 12.01.2026. Rubrik: Menschliches
Selbstüberschätzung
Keine Bank, nur ein Baumstumpf. Sie hielt sich fest, setzte sich langsam alles drehte sich vor ihren Augen und schlecht war es ihr. Hier im Wald glaubte sie der Tageshitze entfliehen zu können. Nicht weit gehen. Nur die Beine bewegen bis zu einer Bank. Sie kannte den Wald, war in einen Seitenweg abgebogen hatte nicht den breiten Hauptweg genommen.
Nun saß sie da ohne Flüssigkeit, sollte ja nur kurz sein. Sie war mit dem Bus drei Haltestellen gefahren. Mein Kreislauf, ihr Körper spielte verrückt. Ähnliches hatte sie damals erlebt, als ihr Mann seinen Herzanfall hatte. Sie konnte schnell den Notarzt verständigen. Krankenhaus und dennoch war alles zu spät gewesen.
Sollte es mit ihr hier auch so enden? Zwei Mountainbiker kamen auf sie zu gefahren, schnell, rücksichtslos. Sie sprachen dabei, sahen zu ihr hin, fuhren von ihr weg, hatten sie nicht beachtet, ihre Worte überhört. Rasende Kopfschmerzen, hinlegen wäre jetzt besser. Sie atmete tief durch, hörte einen Specht hämmern. Aufstehen und weitergehen. Ihr Versuch misslang, der Schwindel kam zurück. Sie sagte laut Hilfe. Es klang kläglich, ihr Mund war trocken. In ihrer Handtasche gab es keine Bonbons.
Ohne es zu bemerken war ein langsam fahrender Mann mit einem Klapprad in dem schmalen Weg eingebogen, kam auf sie zu gefahren. Er hatte einen Rucksack um und schaute zu ihr hin. Wenig später hielt er vor ihr an.
„Kann ich ihnen helfen?“
„Das wäre nett, ich habe gesundheitliche Probleme, die nicht besser werden“.
Er holte eine kleine Wasserflasche aus seinem Rucksack und reichte sie ihr. „Trinken sie, bei den Temperaturen sollte jeder…“.
Sie unterbrach ihn. „Ich habe nicht dran gedacht“.
Er reichte ihr einen Riegel Traubenzucker, sie sagte danke nahm ihn an. Nun bekam sie einen Wadenkrampf. Er sah ihr Gesicht, das sich veränderte, Schmerzen zeigte. Soll ich den Notruf wählen, er hatte sein Handy herausgenommen.
„Es ist nur ein Wadenkrampf, habe ich öfter“.
„Magnesium Mangel, ich kann ihnen helfen, wenn sie eine Tablette auflösen in der Flasche und weitertrinken lässt es nach“.
„Sind sie Arzt?“
Er lachte, „nein nur gut ausgerüstet für einen Notfall, leichtsinnig war ich früher, heute habe ich alles dabei, wenn ich unterwegs bin. Mein Auto steht nicht weit entfernt auf dem Wanderparkplatz“.
Sie trank die Flasche leer hatte sie vorher geschüttelt damit sich das Magnesium auflöste.
„Brauchen sie noch etwas?“
„Nein Danke, es geht mir schon besser“. Sie reichte ihm die leere Flasche, er tat sie in den Rucksack, den er sich wieder umlegte. „Mein Angebot steht sie mit meinem Wagen nach Hause zu fahren. Wenn sie wollen, halten sie sich an meinem Rad fest, bis wir am Parkplatz sind“.
Danke, wenn wir langsam gehen, schaffe ich es.
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So hatte sie, Angelina, diesen Mann kennengelernt Ende Juni. Er sie nach Hause gefahren und es abgelehnt von ihr dafür einen Geldschein anzunehmen. Abends erzählte sie es ihrer Tochter am Telefon, versprach am nächsten Tag zu ihrem Hausarzt zu gehen.
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