Startseite Registrieren Login Kontakt Impressum
Kurzgeschichten Stories
Schreib, wie Du willst!
Facebook
1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2017 von Michaela Klein (Froschkönigin).
Veröffentlicht: 07.01.2018. Rubrik: Kinder und Jugend


Senta, die Räubertochter (Märchen)

Es war einmal ein Hunde-Mädchen, das hieß Senta. Sie war zwar noch ein Hunde-Kind, aber schon sehr gross und sehr klug und sie hatte ein pechschwarzes Fell.
Und neugierig war sie! Eines Tages setzte sie sich auf einen Staubsauger, um damit Schlitten zu fahren. Es machte sehr viel Spass. Plötzlich landete sie vor den Pfoten eines anderen Hundes. Dieser war schon ein älter, denn er hatte graue Strähnen in seinem schwarzen Fell und einen langen Bart.
"Grrrr!" knurrte der ältere Hund. "Was treibst du in meinem Revier?"
"Oh, ich wollte nur ein bisschen Schlitten fahren." antwortete Senta keck. "Du musst ja nicht gleich böse werden."
"Schlittenfahren? Aber hier liegt doch gar kein Schnee." wunderte sich der andere Hund.
"Deshalb habe ich ja auch den Staubsauger genommen!" erklärte ihm Senta. "Man muss nur ein bisschen kreativ sein, dann geht alles!"
Der andere Hund nickte und war erstaunt, wie schlau die junge Senta schon war. "Ich heiße Rico und bin ein Riesenschnauzer. Und wer bist du?"
"Ich heiße Senta und bin ein Mischling. Aber ich werde einmal ein riesengroßer Hund sein!" sagte Senta stolz.
"Wir werden sehen. Aber bis dahin musst du noch viel lernen." meinte Rico.
"Ich habe aber keine Lust, in die Hunde-Schule zu gehen." antwortete Senta.
"Ich bin viel älter als du und könnte dein Hunde-Papa sein. Dann kannst du von mir lernen." schlug Rico vor. Damit war Senta einverstanden und Rico brachte ihr bei, wie man aus einem Wasserhahn säuft, wie man Türen öffnet, wie man den Menschen Leckerchen klaut und wie Hunde-Männer ihr Revier markieren. Senta war zwar kein Mann, aber sie lernte das alles schnell.

Als Senta erwachsen war, war sie tatsächlich größer als Rico und die schlaueste Hündin der ganzen Welt. Und Rico war ihr bester Freund.
"So, jetzt hast du alles gelernt, was ich dir beibringen kann." sagte Rico. "Und was machen wir jetzt?"
"Jetzt gründen wir eine Räuber-Bande!" schlug Senta vor.
"Aber ich bin schon ein alter Hund. Ich kann nicht mehr so schnell rennen wie du." meinte Rico.
"Das ist nicht so schlimm, Papa. Dann mache ich meine Raubzüge eben alleine und bringe dir immer etwas von meiner Beute mit." tröstete Senta ihn.
Und so geschah es auch.

Am ersten Tag übte Senta noch. Sie schlich auf leisen Pfoten zu den Menschen und schaute vorsichtig, ob sie auch niemand bemerkte. Die Menschen waren gerade vom Einkaufen zurückgekommen und standen vor ihrem Auto, um viele leckere Sachen aus dem Kofferaum zu holen. Da hüpfte Senta blitzschnell zwischen ihnen hindurch, klaute einen Feta-Käse und rannte davon. Die Menschen wollten ihr nachlaufen, aber so schnell wie Senta war keiner.
Abends fragte Rico: "Na, Senta, hast du heute Beute gemacht?"
Senta antwortete stolz: "Hey Papa. Ich habe einen Feta-Käse geklaut. Da drüben, unter den Blumen, habe ich ihn verbuddelt."
"Das ist toll. Ich bin stolz auf dich." fand Rico und leckte sich die Schnauze.
"Und morgen bringe ich dir einen Ochsenziemer mit!" versprach Senta.

Am nächsten Tag war Senta noch mutiger. Sie versteckte sich im Kofferraum des Autos, als die Menschen wieder zum Einkaufen fuhren.
Als der Kofferraum geöffnet wurde, sprang Senta blitzschnell hinaus und rannte in den Laden. Sie musste nur mit ihrer Nase schnuppern, da fand sie schnell das Regal mit dem Hundefutter. Daneben stand ein Eimer voller Ochsenziemer und Senta nahm einen heraus.
Dann legte sie sich neben den Eimer und fing an, auf dem Ochsenziemer zu kauen. Er schmeckte ihr gut.
Plötzlich kam ein Verkäufer, der in dem Laden arbeitete, und schimpfte mit ihr: "Wenn du dir einen Ochsenziemer nimmst, dann musst du ihn auch bezahlen!"
"Siehst du denn nicht, dass ich ein Hund bin?" fragte Senta. "Hunde haben doch kein Geld!"
Da wusste der Verkäufer nicht, was er jetzt tun sollte. Ein Hund hatte bei ihm noch nie eingekauft. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als Senta den Ochsenziemer zu schenken.
"Hmmm! Lecker!" freute sich Rico, als Senta mit dem Ochsenziemer ankam.
"Das war eine leichte Beute." erklärte ihm Senta stolz. "Und morgen bringe ich noch mehr Leckereien."

Am dritten Tag schlich Senta wieder zu den Menschen. Dort roch es lecker nach Fleisch. Sie wollte herausfinden, wo der Geruch herkommt und lief immer ihrer Nase nach.
Plötzlich stand sie auf einer Terrasse und auf dieser Terrasse stand ein Tisch. Und auf diesem Tisch stand ein Teller mit frisch gebratenen Frikadellen! Die waren noch ganz warm!
Senta sah sich um, ob kein Mensch in der Nähe war. Dann zog sie ein wenig am Tischtuch, damit der Teller mit den Frikadellen näher rückte und als er nahe genug stand, sprang Senta am Tisch hoch, nahm den Teller in ihre Schnauze und rannte zu Rico.
"Lecker! So viele Frikadellen!" freute sich Rico. "Wo hast du die denn her?"
"Die habe ich den Menschen geklaut." antwortete Senta.
"Hast du denn gar keine Angst, erwischt zu werden?" fragte Rico.
"Ich bin doch viel schneller und viel schlauer als die Menschen!" erklärte ihm Senta.
"Aber die Menschen haben jetzt keine Frikadellen mehr." sagte Rico.
"Dann sollen sie eben Vegetarier werden." meinte Senta und die beiden Hunde machten sich gierig über die Frikadellen her.

Am vierten Tag schlich sich Senta auf eine andere Terrasse. Dort roch es total lecker. Senta konnte sehen, dass ein Feuer brannte. Über dem Feuer hing ein Grillrost und viele Schwenkbraten und Würste bruzzelten darauf vor sich hin.
Aber leider standen ganz viele Menschen um den Grill herum. Wie sollte Senta jetzt an die leckeren Sachen herankommen? Die Menschen würden sie sicher am Klauen hindern wollen.
Nein, sie konnte dem leckeren Geruch der Schwenkbraten nicht widerstehen. Schnell wie der Blitz lief sie um die Menschen herum, klaute einen Schwenkbraten vom Grill und rannte davon. Die Menschen waren viel zu erschrocken um ihr nachzujagen.
Nun hatte Senta zwar ihre Diebes-Beute, aber beim Klauen hatte sie sich die Schnauze am heißen Grill verbrannt und das tat ihr jetzt weh.
Rico schimpfte mit ihr: "Übermütig bist du! Weißt du denn nicht, wie gefährlich so ein Feuer ist? Du hast dir die Schnauze verbrannt, aber da hätte sogar noch viel schlimmeres passieren können!"
"Ich weiß." sagte Senta kleinlaut. "Aber ich war doch so gierig."
"Vielleicht ist das mit der Räuberbande doch keine so gute Idee." meinte Rico.
"Aber bis jetzt hatten wir doch jeden Tag eine leckere Beute." antwortete Senta.
Rico dachte nach. "Du darfst dich aber nicht erwischen lassen. Räuber kommen ins Gefängnis!" sagte er.
"Aber ich bin doch ein Hund. Kommen Hunde auch ins Gefängnis, wenn sie klauen?" fragte Senta.
Rico überlegte. "Hunde-Räuber sperrt man in den Zwinger. Das ist genauso schlimm."
Das sah Senta ein und sie beschloss, ab sofort nicht mehr so übermütig zu sein. Die Schnauze tat ihr noch ein bisschen weh.

Am fünften Tag war Senta aber wieder ganz gesund und hatte schon vergessen, dass sie nicht mehr so übermütig sein wollte.
Sie kam an einem Haus vorbei, in dem gerade ein grosses Fest gefeiert wurde. Die Balkontür stand offen und Senta spitzte neugierig hinein. Da standen so viele leckere Sachen auf den Tischen - Kuchen, Plätzchen, Torten und Kaffeeteilchen! Vor lauter Begeisterung fing Senta an zu jaulen.
Ihr Jaulen wurde von den Menschen gehört. "Da steht ja ein Hund auf dem Balkon!" Alle blickten in ihre Richtung. Plötzlich wurde die Tür weit geöffnet. Da sprang Senta schnell wie ein Turbo-Blitz ins Haus, klaute einen Käsekuchen und rannte davon. Als sie mit ihrer Beute davonjagte, hörte sie die Menschen lachen.
"Die haben über mich gelacht!" sagte sie zu Rico.
"Bist du dir sicher?" fragte Rico. "Die Menschen lachen doch nicht, wenn sie beklaut werden."
"Doch!" Senta nickte. "Die haben wirklich gelacht. Ich bin mir ganz sicher!"
Rico schüttelte den Kopf. "Ich verstehe die Menschen nicht!"
"Ich auch nicht!" meinte Senta.

Am sechsten Tag schlich Senta wieder zu den Menschen. Wieder lag ein leckerer Geruch in der Luft und Senta schnupperte. Da stand ein Tisch auf einer Terrasse und auf diesem Tisch stand eine riesengroße Tasche. Senta konnte zwar nicht sehen, was in der Tasche war, aber Hunde haben eine gute Nase. Sie konnte es riechen! Und es roch nach Gänsebraten! Gestern hatten die Menschen gefeiert. Sicher waren das die Reste ihres Festmahls.
Der Gänsebraten würde auch für Senta und Rico ein riesiges Festmahl abgeben. Senta lief schon das Wasser in der Schnauze zusammen. Also sprang sie am Tisch hoch und nahm die Tasche samt Gänsebraten herunter.
Unterwegs fiel ihr ein, dass zu einem Festmahl auch eine Beilage gehört. Also kehrte sie noch einmal um, lief in einen Keller und klaute dort ein paar Brötchen. Diese warf sie in die Tasche zu dem Gänsebraten und lief damit zu Rico.
An diesem Abend ließen es sich die Hunde gutgehen. Sie fraßen so viel, dass sie am siebten Tag noch satt waren und Senta gar keinen Raubzug unternehmen musste. An diesem Tag ruhten sich die Hunde aus.

Doch die Menschen hatten längst gemerkt, dass ständig jemand ihr Essen klaute.
"Bei mir war ein grosser schwarzer Hund, der hat meine Frikadellen gefressen!" sagte eine Frau.
"Das glaube ich dir nicht!" schimpfte ihr Mann. "Die hast du bestimmt alle selber gegessen und mir keine übrig gelassen!"
"Das stimmt nicht. Es war wirklich ein grosser schwarzer Hund! Ich schwöre!" antwortete die Frau.
"Ja, ich habe auch einen grossen schwarzen Hund gesehen!" bestätigte ein anderer Mann. "Der hat mir einen Schwenkbraten vom Grill geklaut!"
"Und mir hat er den Käsekuchen vom Tisch geklaut!" sagte eine andere Frau.
"Und mir einen Feta-Käse aus dem Kofferraum!" sagte deren Tochter.
"Und uns die Brötchen aus dem Keller!" riefen deren Nachbarn.
"Und in meinem Laden hat ein grosser schwarzer Hund die Ochsenziemer weggefressen." erzählte ein Verkäufer.
"Wir haben zwar den Hund nicht gesehen, aber uns wurde vorgestern ein Gänsebraten gestohlen!"
"So kann das nicht weitergehen!" beschlossen die Menschen. "Wir müssen den großen schwarzen Hund fangen!"

Als Senta wieder auf Raubzug gehen wollte, geschah etwas Schreckliches: Die Menschen hatten Fleischreste in den Wald geworfen und weil Senta wieder viel zu gierig war, merkte sie nicht, dass sie in eine Falle lief. Plötzlich stand sie in einem Gehege, das von einem hohen Maschendraht-Zaun umgeben war, und fand nicht mehr hinaus. Oh nein! Sie ist wieder zu übermütig gewesen und nun war sie in einem Zwinger gefangen! Sie musste fürchterlich jaulen! "Wauhuuuuuuh!!!"
Im Wald gingen gerade eine Frau und ihre Tochter spazieren. Da hörten sie Senta's Gejaule. "Wauhuuuuuuh!"
"Hörst du das?" fragte die Mutter.
"Wauhuuuuuuh!!!"
"Oh weh! Das ist ein Ungeheuer!" meinte ihre Tochter.
"Nein, kein Ungeheuer, das ist ein Hund!" sagte die Mutter.
"Komm, lass uns nachsehen." Die beiden liefen in die Richtung, aus der das Jaulen kam. Dann sahen sie die arme Senta, wie sie hinter dem hohen Maschendraht-Zaun stand.
Die Mutter hatte Mitleid mit Senta. "Was ist denn mit dir passiert?" fragte sie.
"Ich bin gefangen und komme nie wieder aus diesem Zwinger! Wau!" jaulte Senta.
"Wie bist du denn da reingekommen?" fragte die Tochter.
"Ich wollte Fleisch fressen, das die Menschen in den Wald geworfen haben." erklärte Senta.
"Aha!" sprach die Mutter. "Dann bist du bestimmt der grosse schwarze Hund, der meinen Käsekuchen geklaut hat!"
"Und mir hast du den Feta-Käse geklaut!" sagte die Tochter. "Weißt du nicht, dass man nicht klauen darf?"
"Doch. Aber ich war gierig. Warum habt ihr eigentlich gelacht, als ich den Käsekuchen geklaut habe?" wollte Senta wissen.
"Weil das so lustig aussah." sagte die Tochter. "Und so niedlich! Da konnten wir dir gar nicht böse sein."
"Warte, wir holen dich da raus." Die Frauen suchten sich einen Ast, mit dem sie den Maschendraht-Zaun nach unten bogen, so dass Senta darüber springen konnte.
"Danke!" sagte Senta.
"Aber nicht, dass du uns jetzt wieder beklaust!" mahnten die Frauen.

Senta lief zu Rico und erzählte ihm, was sie heute erlebt hatte.
"Da hast du noch einmal Glück gehabt!" meinte Rico. "Das nächste Mal lassen sie dich bestimmt nicht mehr laufen."
"Aber was sollen wir denn machen, wenn ich nicht klauen darf? Wo bekommen wir dann unsere Leckerchen her?"
"Sagtest du nicht, dass die Menschen uns lustig und niedlich finden? Wir könnten ja mal versuchen, ganz besonders lieb zu gucken. Dann geben sie uns vielleicht etwas von ihrem Essen ab?"
"Ja, das ist ein schlauer Plan!" freute sich Senta. "Und wir könnten ihnen Pfötchen geben! Das funktioniert bestimmt! Komm, lass es uns ausprobieren!"
Und die beiden Hunde liefen zu den Menschen, setzten sich vor sie hin, machten liebe Gesichter und gaben Pfötchen.
"Wie niedlich!" riefen die Menschen und gaben den Hunden freiwillig viele, viele Leckerchen.
Und so wurden Senta und Rico verwöhnt und verhätschelt und lebten glücklich in Saus und Braus.

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

Weitere Kurzgeschichten:

Heimweg
Das verschlossene Fenster zur Seele
Der Verein der ungünstigen Geburtstage