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8xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Lüdel (lüdel).
Veröffentlicht: 13.01.2026. Rubrik: Märchenhaftes


Tagebuch des Zwerges

Nachdenkliches Märchen


Der Zwerg saß mit seinem langen Bart und gesenktem Kopf über das Tagebuch gebeugt.

Darin schrieb er seine Erlebnisse nieder – Erinnerungen aus seiner Kindheit.

Er war ein Kind aus einer kinderreichen Familie.

Der Zwerg schrieb schon viele Jahre. In Gedanken hing er seinen alten Erinnerungen nach – seine Kindheit war meist betrüblich. Der Zwerg erlebte eine harte, oft unfaire Erziehung.

Der Zwerg erhob sich. Er träumte, dass er sich aufrichtete, dass Erlebtes vor seinem inneren Auge vorbeizog …

Der Zwerg erwachte, blickte auf das Tagebuch, klappte es sehr langsam zu, nahm einen Beutel Samen und trat hinaus aus seinem Pilzhaus auf die Wiese.

Der Zwerg suchte mit suchendem Blick nach freiem Erdboden – nichts.

Der Zwerg nahm einen Spaten und machte sich ein Beet …

Seine Gedanken kreisten um seine eher schlechten Erinnerungen. Ebenfalls fühlte es sich für den Zwerg so an.

Der Zwerg nahm den Beutel und ließ die Samen hinunterrieseln. Er sah zu, wie sich die Samen auf dem Erdboden verteilten.

Dem Zwerg fiel auf: Die Samen brauchten Wasser.

In der Nähe war ein kleiner Bachlauf, bei dem der Zwerg die Gießkanne füllte.

Als der Zwerg die Samen goss, kreisten seine Gedanken. Wie viel Zeit er doch über seinem Tagebuch verbracht hatte – so viel, dass ihm sogar ein langer Bart gewachsen war.

Scheinbar hatte der Zwerg sein Leben mit dem Schreiben verbracht.

Oder doch nicht?

War es nicht wichtig für den Zwerg gewesen, all die Jahre vergangener Erinnerungen aufzuschreiben?

Nun war er alt, sehr alt geworden.

Das Buch blieb verschlossen – und die Gedanken des Zwerges auch.

Ende


************************

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 14.01.2026:

Hallo @Lydia, ja, wir verbringen sehr viel Zeit mit Grübeln und dem Schmieden von Plänen, dass wir vergessen, bewusst im Hier und Jetzt zu leben.
Und wir können die Vergangenheit nicht ändern.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von Angricolan am 14.01.2026:

Um am Ende Lebenslinien zu ziehen, braucht es ein Buch der Erinnerungen, gegen das Vergessen. Die Einen bezeichnen es als ihre Biographie, andere als ihr Testament. In Seniorenheimen leben Menschen die gerne aus ihren Erinnerungen vorlesen oder es Fremden erzählen, die ihnen Zeit schenken.
Beste Grüße mir




geschrieben von Butterblume am 14.01.2026:

Liebe lüdel, sehr eindrucksvoll geschrieben.

Ich mag deine Geschichten.
Beste Grüße

Butterblume





geschrieben von lüdel am 14.01.2026:

Danke euch für eure Kommentare und euer gern gelesen.
Diese Geschichte entstand Ende Dezember, als ich von den dunklen Tagen (Winterdepressionen) las und davon, dass bald wieder hellere Tage kommen.
Da lief mir diese Tagebuchgeschichte in meinem Kopf ab.
Ich freue mich, dass sie euch gefällt.
Eure Lüdel




geschrieben von Rautus Norvegicus am 14.01.2026:

Liebe Lüdel,

du weißt, dass ich den Zwerg von Anfang an in mein Herz geschlossen habe. Der Zwerg altert, bekommt hin und wieder Depressionen, altert und sinniert über sein Leben. Das macht ihn für mich sehr sympathisch und greifbar. Richtig menschlich, wie seine Schöpferin🙂

Liebe Grüße
🐀
Ratte Rautus




geschrieben von lüdel am 14.01.2026:

@Rautus, du und der Zwerg …
Ich habe so gelächelt, wie du das Treffen beschrieben hast.
Danke dir.
Lüdel




geschrieben von Babuschka am 15.01.2026:

Seit einigen Jahren habe ich auch angefangen, mich an verschiedene Geschichten aus meinem Leben zu erinnern und habe begonnen, diese aufzuschreiben. Wie der Zwerg.

Da sich meine Kinder nicht dafür interessieren, und damit sie nicht verschlossen bleiben, habe ich sie hier veröffentlicht und gute Resonanz bekommen. Danke dafür!

Mit lieben Grüßen, Babuschka




geschrieben von lüdel am 15.01.2026:

@Babuschka, ich finde, du kannst deine Lebensgeschichten wunderbar erzählen.




geschrieben von Rautus Norvegicus am 15.01.2026:

Liebe Babuschka, meine Tochter interessiert sich auch nicht dafür, dass oder was ich schreibe😃

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