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geschrieben 2026 von Lüdel (lüdel).
Veröffentlicht: 07.01.2026. Rubrik: Märchenhaftes


Wir haben nichts anzuziehen!!

Kaisers Kleidung

Kaiser Augustus, gut genährt mit Kugelbauch, saß den ganzen Tag auf seinem Thron. Kleidung hatte er genug, aber keine Lust, sie anzuziehen. Deshalb trug er immer dieselbe. So saß er da und wartete – mit einem riesigen Tuch um den Körper – darauf, dass seine gewaschene Wäsche fertig wurde.

Seine Frauen standen vor den Schränken. Ein ständiges Klick-Klack der Türen war zu hören und dazu die Rufe:
„Wir haben nichts anzuziehen!!“

Das große Raunen drang bis in den prunkvollen Kaisersaal. Der Kaiser konnte es nicht mehr hören – immer dasselbe am frühen Morgen!

Mit frischer Kleidung kam ihm ein neuer Einfall: Ein Schneider muss her, das ist doch wohl klar!

Mit Trompeten ließ er Kunde verbreiten, die den ganzen Tag von Mund zu Mund weitererzählt wurde. Brieftauben wurden eilig in die Winde geschickt – da würde sich doch etwas ergeben?

Eine Schlange von Menschen stand vor den Toren. Doch so lang sie zuerst gewesen war, so kurz wurde sie.

„Das gibt es doch nicht! Das kann doch nicht sein! Lauter eingebildete Schnösel!“ schrie und brüllte der Kaiser.

Seit Tagen saß Kaiser Augustus ungewohnterweise in denselben Kleidern auf seinem Thron. „Ist es eh schon egal“, dachte er sich und schmollte.

Da wurde er aus seiner Trägheit gerissen:

Eine junge, schlanke Frau – unscheinbar – stellte sich vor und wollte als Köchin arbeiten.

„Nö!“, rief der Kaiser. „Von denen habe ich schon genug.“

Doch ehrgeizig sprach die junge Frau:
„Dann sagt, was Ihr braucht! Ich bin vielseitig. Ich kann schreinern, malen, nähen, stricken und töpfern. Torten backen kann ich auch gut.“

„Was? Was war das? Nähen?!“, rief Kaiser Augustus.

Die junge Frau Dora bestätigte: „Ja, nähen!“

„Super, dann stelle ich dich als unsere Hofschneiderin ein!“, rief der Kaiser euphorisch.

Die junge Frau lächelte und bedankte sich herzlich.

Vom Schrei des Kaisers angelockt, kamen seine Frauen angerannt – jede wollte die Erste sein.

Doch die junge Dora war schlau:
„Zeigt mir eure Kleiderschränke, dann weiß ich, was ihr schon alles habt!“

Und schon waren alle entschwunden, um ihre Schränke zu zeigen. Die Kleider wurden begutachtet.

Die junge Dora sprach:
„Gut, ich brauche ein Zimmer, das hinter eurem Schrankraum liegt. Bis ich eure Kleider fertig habe, nähe ich für jeden von euch einen Morgenmantel.“

Auch der Kaiser bekam einen Morgenmantel, einen Bademantel und das Versprechen, ihm besondere kaiserliche Kleidung zu machen.

Kaiser Augustus nickte zufrieden. Endlich musste er keine lästigen Kleider mehr aus- und anziehen – außer der kaiserlichen Unterwäsche.

Unterdessen baute die junge Dora eine Konstruktion: ein Bogenrohr, das durch die nebeneinander stehenden Schränke zu ihrem Nähzimmer führte.

Dadurch – nähte Dora jeden Tag neue Kleider? Nö! Sie änderte sie um: kürzte, verzierte, verschönerte mit Bändern, machte Rüschen an die Kleidung.

Jetzt, wenn die Frauen den Schrank öffneten – Klick-Klack! – erschien immer ein neues Modell. Ein „Oh“ und „Ah“ war bis zum Kaiser zu hören. Ach, wie wunderbar! schmunzelte dieser höchstzufrieden, während Dora ihm wie versprochen weitere Morgenmäntel und Bademäntel reichte.

Daraufhin sprach Kaiser Augustus erleichtert:
„Mir reichen diese kaiserlichen Kleidungsstücke völlig aus!“

Zufrieden ließ er im Schlossgarten ein Fest mit einer Modeschau ausrichten. Das gesamte Volk wurde eingeladen. Dora half, das Event vorzubereiten.

Es war voll im Schlossgarten. Zuerst gespannt, später überrascht bewunderte das Volk die kaiserlichen Frauen, die die neue Mode vorführten.

Diese Eleganz, Einzigartigkeit und Besonderheit der Kleider übertraf einfach alles. Verwunderte Augen bestaunten jedes Detail.

Kaiser Augustus kam, um eine Schlussrede zu halten. Doch als er ungeschickt die Stufen hinaufstieg, stolperte er – und sein modischer Bademantel öffnete sich leicht. Erschrocken tastete der Kaiser nach seinem Gürtel, der nach hinten hing.

Da rief ein Kind:
„Schaut mal – der Kaiser hat nichts anzuziehen!“

Ein schallendes Gelächter brach aus. Dora sprang schnell hinauf, rettete die Situation und stellte den modischen Bademantel als kaiserliche Designerkleidung vor.

Somit war die Ehre des Kaisers gerettet.

Alle lächelten besonnen, besonders Dora schmunzelte verschmitzt in sich hinein.

Sie wusste: Sie hatte für ihr Leben ausgesorgt. Denn immerfort würde sie nähen – und so hörte man im Kaiserlichen Palast:

Klappern – Klick-Klack – die Nähmaschine ratterte – ratterte – ratterte…

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Angricolan am 07.01.2026:

Wir, besser aus der Sicht einer Frau gehört dieser Satz mehr zum weiblichen Menschen. Ein Ehemann kennt es und ahnt gleich da kommt noch mehr.
Betrachtet man es nun von einer anderen Basis, denkt etwas verrückt ist es schon, so greift man in die wissenschaftliche Psychologie und hin zur Statistik.
Was folgt ist dünnes Eis und darum beende ich nun besser meinen Kommentar aus Erfahrungen die ich lieber für mich behalte.
Sollte nun eine Frau fragen was passt dir nicht, müsste ich mit Blick zu ihr eine kleinere Kleidergröße erwähnen.
Danke für deine wirklich etwas sonderbare Kurzgeschichte. LG Angricolan




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 07.01.2026:

Hallo @ Lüdel, jung ist das Jahr und schon hast Du eine neue Geschichte am Start.
Ich bewundere Deine Kreativität.

Das Aktionsthema für Februar könnte ruhig mal "Sagen und Legenden, neu erzählt" lauten.

Viele Grüße, Jo




geschrieben von Butterblume am 07.01.2026:

Liebe lüdel,
deine Geschichte ist leicht und locker.

Gerade habe ich sie einen meiner Enkel vorgelesen.

"Oma vielleicht kann Dora für alle Menschen einen Mantel nähen."

Deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen.
Winterliche Grüße
Butterblume




geschrieben von lüdel am 07.01.2026:

@Angricolan:
Diese Geschichte habe ich speziell zum Jahresanfang gewählt.
Es wird so viel eingekauft und wieder umgetauscht.

Ich gehöre wahrscheinlich zu den wenigen Frauen, die nur das im Schrank haben, was man gerade braucht. Mit den Schuhen handhabe ich es genauso.

Die Geschichte entstand, weil man mich immer fragt:
„Was soll ich anziehen?“ 😊




geschrieben von lüdel am 07.01.2026:

@Butterblume, das freut mich sehr, dass meine Geschichte deinen Enkeln so gut gefallen hat.
Dankeschön und schöne Grüße
Lüdel 🌸





geschrieben von lüdel am 07.01.2026:

@Jo Hannes:
Danke für deinen lieben Kommentar.
So eine ähnliche Aktion gab es: Sagen und Märchen.
Dadurch ist das Märchen „Rumpelstilzchen und die Zauberbrille“ entstanden.




geschrieben von Babuschka am 07.01.2026:

Liebe Lüdel, deine Geschichte ähnelt sehr dem Märchen "Des Kaisers neue Kleider" von Hans Christian Andersen.

Von mir aus könnte das Februar-Thema gerne wieder "Sagen und Märchen, neu erzählt" lauten, auch wenn es schon einmal dran war.
LG Babuschka




geschrieben von lüdel am 07.01.2026:

„Warum nicht, Babuschka? Märchen schreiben macht einfach Spaß.
Ja, das mit dem Kaiser hat sich so ergeben – eine neue Version des Kaisers, neue Kleidung.😊👑




geschrieben von lüdel am 08.01.2026:

Babuschka, Jo, mir ist eine schöne Idee eingefallen:
Nächste Aktion – vergessene Sagen und Märchen, die kaum noch jemand kennt, in einer neuen Version. ✨ 📖 Eure Lüdel




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 08.01.2026:

Hallo Leute,
ich habe von "Sagen und Legenden, neu erzählt" geschrieben.
Nicht von Märchen! Das gab es schon zweimal im Forum.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von lüdel am 08.01.2026:

Jo, 👍

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