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geschrieben 2026 von Jo (Jo Hannes Coltitz).
Veröffentlicht: 18.03.2026. Rubrik: Fantastisches


Die Legende von den Wassermenschen (Fanfiktion)

Liebe Leser und Leserinnen, ich war von der Geschichte "Professor Marcellonis Reise in die Zukunft" derart fasziniert, dass mir spontan diese kleine Legende eingefallen ist.
Auf meinen Recherchen aufbauend, ist die Entwicklung einer neuen humanoiden Spezies, die ausschließlich im Wasser lebt, durchaus möglich.
Wenn es nicht schon längst geschehen ist.

Wir schreiben das Jahr 2247 alter Erdzeit oder 215 nach neuer Zeitrechnung.
Mein Name ist Thor Johannson.
Ich arbeite seit meiner Pensionierung ehrenamtlich als Archivar in einer großen Regionalbibliothek.
Gerade habe ich eine Legende aus der Zeit der Weltenwende neu digitalisiert.
Neu bedeutet, dass eine Textdatei noch zusätzlich in verschiedene Sprachen vertont wird.
Ich finde die Legende deswegen interessant, da sie die Phase der gesellschaftlichen Neuordnung auf der Erde gut beschrieb.
Außerdem war mir die Herkunft der Wassermenschen bis dato unbekannt.
Ich weiß lediglich, dass es die Wassermenschen gibt.
Als Fazit schlage ich dem hohen Rat (also der Regierung) vor, die Legende in die Enzyklopädie der neuzeitlichen Geschichte aufzunehmen.

Am Anfang waren es nur einige versprengte Spinner, die sich zu einer gut vernetzten Gruppe zusammen schlossen.
Fischer, Hobbysegler, Surfer, Taucher, pensionierte Seemänner der Kriegsmarine und Zivilschifffahrt mit ihren Familien.
Sie nannten sich die Meeresmenschen.
Sie hatten alle einen gemeinsamem Nenner, sie liebten die Binnenseen, die Meere und die Ozeane.

Es begann in den Jahren der Neuordnung auf der Erde.
Die letzten großen Kriege waren gerade beendet.
Damals kurz bevor die Welt in Schutt und Asche gebombt wurde, tauchte eine unbekannte Macht auf.
Die Menschen nannten diese Macht die Armee Gottes.
Sie kamen mit gigantischen Fluggeräten, bewaffnet mit hochtechnologischen Plasmakanonen an Bord.
Diese Macht zerstörte alle weltlichen Waffensysteme und fing Marschflugkörper und Raketen souverän ab.
Sie zwang die Kriegsherren zum Einlenken.
Schließlich ergaben die Armeen sich, ihre Ausweglosigkeit anerkennend.
Es folgten Strafgerichte für die Brandstifter des großen Weltenbrandes.
Die Zivilbevölkerung verhandelte währenddessen an "runden Tischen" den Neuanfang.
Zwanzig Jahre später hatten sich drei völlig neue Gesellschaften herauskristallisiert.
Dieser Prozess beruhte auf Eigenverantwortung und Freiwilligkeit.

Es gab die Transhumanisten.
Das sind Menschen, die ihr Heil in der Mensch-Technologie-Symbiose suchten.
Sie leben in Megacitys unter künstlichen Kuppeln.
Sie sind Bestandteil eines einzigen großen Mechanismus.
Alles was diese Gruppe an Lebensmitteln benötigt, kann sie synthetisch erzeugen.

Eine weitere, mit Abstand kleinere Gruppe schloss sich der unbekannten Macht an und verließ mit ihr die Erde.
Überlieferungen sehr alter Schriften zufolge, kehrt diese Macht zyklisch wieder.
Immer dann, wenn die Dunkelheit droht, erneut die Oberhand auf der Erde zu übernehmen.

Die Naturisten sind Menschen, die auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Technik und Natürlichkeit achten.
Soviel wie notwendig, statt soviel wie möglich.
Sie hegen und schützen Felder und Wälder.
Sie ernähren sich weitestgehend vegetarisch.
Unter den Naturisten wurden auch die Gewässer vom Plastikmüll und Schrott befreit.
Das so geborgene Recyclingmaterial wurde an die Gruppe der Transhumanisten abgegeben, die dann im Austausch für die Naturisten moderne Agrartechnik lieferte.
Diese neue Ordnung funktionierte ausgesprochen gut.

Doch zurück zu den Wassermenschen.
Die Wassermenschen sind eine Untergruppe der Naturisten.
Sie sind diejenigen Menschen, die ihre Zukunft hauptsächlich in den Gewässern der Erde sehen.
Am Anfang lebten sie noch in schwimmenden Dörfern auf der Wasseroberfläche.
Später entstanden schwimmende Städte.
Es trug sich laut der Legende zu, dass ein Zwillingspärchen in eine Familie der Wassermenschen hineingeboren wurde, mit ausgeprägten Schwimmhäuten zwischen den Finger und Zehen.
Außerdem besaßen die beiden Kinder Kiemen für den Unterwasseraufenthalt sowie Lungen für das Leben an Land.
Man nannte das Mädchen Atlantaja und den Jungen Aquarinus.
Für die Wassermenschen war das ein positives Omen.
Eine Prophezeiung erfüllte sich.
Die Wassermenschen taten alles dafür, dieses Wunder der Natur zu vermehren.
In einer Kooperation mit den Transhumanisten extrahierten sie genügend genetisches Material der beiden Kinder, um fortan die Wassermenschen zu reproduzieren.
Eine neue Spezies war entstanden.
Bereits nach vier Generationen bevölkerten die Wassermenschen sämtliche Gewässer der Erde.
Auch lebten sie in Städten auf dem Meeresgrund.
Atlantaja wurde der Legende nach, zur Schutzherrin der Nordmeere und Aquarinus zum Schutzherr der Südmeere gekrönt.

Wenn Du lieber Leser, in Zukunft einen dieser Wassermenschen während des Badenurlaubs neben dir schwimmen siehst, erschrecke bitte nicht, es ist ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Jo Hannes Coltitz, März 2026

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Rautus Norvegicus am 18.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Ich habe bereits einmal eine Wassermenschin getroffen. Sie nannte sich Arielle, war klein und schön. Ich habe mich sehr gewundert und mir den Kopf zerbrochen, wer diese sehr attraktive Frau wohl wäre. Jetzt weiß ich es endlich. Gern gelesen😊

Rautus🐀




geschrieben von CaptainX am 18.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hallo Jo.
Jawoll. Alles plausibel und in eine hübsche, kleine Legende verpackt.
Dabei fällt mir ein ... Landsäugetiere haben sich ja wohl ursprünglich im Meer entwickelt und sind dann - in mehreren Zwischenstufen - an Land gekrochen. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Delphine und andere Meeressäuger nach ihrer Zeit am Land wieder ins Meer gekrochen sein könnten. Also Säugetier 2.0 oder so.
Dieser Gedanke gefällt mir und klingt nach 'Warum auch nicht ...'.

Gruß
CaptainX




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 18.03.2026:

Hallo @Rautus, meine Kinder waren auch entzückt von Arielle, der Meerjungfrau.
Meine Frau war vor Jahren mal zu Fasching aus Nixe gegangen - ich sage Dir, holla die Waldfee...;-)
Vielen Dank für Deine Bewertung und Deinen Kommentar.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 18.03.2026:

Hallo @CaptainX, die kleine Legende hatte ich schon fertig, als ich über meiner Abhandlung zu den Amphibienmenschen saß.
Werde ein paar Sagen und Legenden zu Nixen, Nymphen und Wasserfrauen neu aufbereiten. Ist ein spannendes Thema.
Vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Bewertung.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von lüdel am 18.03.2026:

Jo Hannes, ich habe dieses Thema „Sagen und Legenden“, das du vor einiger Zeit ins Gespräch gebracht hast, als Vorschlag für nächsten Monat gemacht, denn ich finde es auch sehr spannend.

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