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9xhab ich gern gelesen
geschrieben von Hessehex.
Veröffentlicht: 20.05.2026. Rubrik: Unsortiert


Briefe

Wenn man heute noch Post im Briefkasten hat, sind es meist nicht sehr erfreuliche Nachrichten, die einen erreichen: Rechnungen, Termine etc. Meistens kommt die Post sogar trocken per Mail.
Ach waren das noch schöne Zeiten, als es noch handgeschriebene Briefe und nicht in jedem Haus Telefon gab! Gaanz wichtige Nachrichten von der besten Freundin im Internat, Urlaubsgrüße von lieben Menschen – und natürlich Liebesbriefe! Man setzte sich an den Tisch (oftmals war es nur der Küchentisch), tunkte den Füller ins Glas, füllte dessen Tank – und dann gab es als erstes einen dicken Tintenklecks. Das wußte man schon und plante es ein (Löschpapier, gibt es das heute noch?) Später gab es – Fortschritt läßt grüßen – Tintenpatronen.
Aber dann: Die ersten Buchstaben auf dem extra gekauften neuen Schreibpapier, oftmals verziert mit eingedruckten oder mit mehr oder weniger Talent, aber liebevoll selbt gemalten Verzierungen. Die Umschläge passend dazu. Da wußte der Empfänger sogleich, von wem er Post bekam. Und dann grübelte man über den Formulierungen. Man wollte Eindruck schinden und auch das gute Papier nicht vergeuden.
In der Schule gab es noch ein Fach „Schönschreiben“, welches auch benotet wurde. Ich habe sogar noch - allerdings freiwillig – Sütterlinschrift gelernt, das bot unser Lehrer interessierten Schülern an.
Manchmal gab man noch eine selbstgepreßte Blume hinzu oder eine liebevoll ausgesuchte Kleinigkeit. Zum Schluß scheuerte man sich die Tintenflecke von den Fingern – ja den Brief nicht verunzieren – bevor man ihn ableckenderweise zuklebte. Mehr oder weniger trat dann die Briefmarkensprache in Aktion, wer kennt die heute noch ?
Ja, und dann wartete man auf Antwort. Rannte, sobald der seit Jahren brav Dienst tuende Postbote kurz vor dem Haus bzw. dem Briefkasten Halt gemacht hatte, dorthin und kam entweder freudestrahlend die Post schwenkend oder traurig, aber hoffnungsvoll wieder zurück (vielleicht morgen…)
Schade, daß es das alles nicht mehr gibt. Ist dem nüchternen Fortschritt zum Opfer gefallen, wie so vieles. Vielleicht sollte man es einfach mal wieder tun? Das wäre doch was….
Frohe Pfingsten wünscht Euch allen die Hex‘ aus dem Hesseländsche
PS: Ich mußte unlängst schnell etwas notieren und tat dies in Steno. Eine Anwesende fragte: Ist das arabisch oder Geheimschrift?

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Angricolan am 20.05.2026:

Briefe?
Es war einmal schön und heute fehlen einer Frau, sie drückt es so aus, Liebesbriefe aus der Ferne mit Poststempel.
Liebesbriefe vom Amtsgericht gibt es nicht und wenn sie kommen, Mails werden geblockt, auf die Post hingewiesen wo dann erst bei Einschreiben mit Rückschein man weiß sie kamen an.
Mit der Hand geschrieben heute auf Papier, wer schreibt noch?
Ausdrucken ist angesagt, so verschwand eine Zeit wo Schönschreiben noch in der Schule gelernt wurde.
Danke für deine kleine Schreiberinnerung, liebe Grüße Angricolan

PS: viele haben eine *Sauklaue die niemand leicht lesen kann. Ich gehöre dazu, muss in Blockbuchstaben schreiben um es nachlesen zu können. Bei Zahlen geht es, aber nicht bei mehreren Sätzen. Ich hatte gleich die Schreibmaschine, meine elektrische steht sogar noch auf dem Dachboden.( zur Erinnerung)




geschrieben von Hubert Staller am 20.05.2026:

Hallo Anne,
um wieder Schreiben zu lernen, habe ich mir kürzlich einen Füllfederhalter zugelegt. Es fällt mir nicht leicht, ordentlich und lesbar zu schreiben. Ein Füller eignet sich zum Üben der Schönschrift besser als ein Kugelschreiber. Ich fühle mich beim Üben auch wie ein Schüler in der Unterstufe. Und ich übe täglich, denn das eigene Testament muss handschriftlich verfasst werden und sollte auch lesbar sein.
Gern gelesen.
Liebe Grüße
Hubert





geschrieben von Hessehex am 20.05.2026:

Lieber Angricolan, heute gibt es nicht mal mehr Farbbänder für die Schreibmaschine.....




geschrieben von Rika am 20.05.2026:

Hallo Hessehex, ich habe deine Geschichte gern gelesen. Das mit dem Schreiben ist so eine Sache. Als Blinder profitiere ich von dem Fortschritt was Computer und das Schreiben von Mails angeht. Ich denke da nur an Bücher in Blindenschrift, ich hatte mal ein Kochbuch für Sehende in der Hand und dann eine Version in Blindenschrift, das sind vier dicke Mappen gewesen. Daher ist es schon cool, Dinge am Computer nachschlagen oder Mails schreiben zu können. Natürlich ist es bei Briefen anders, da diese ja viel kürzer sind und nicht so viel Platz für die Blindenschrift brauchen, aber diese Schrift können die meisten Sehenden ja nicht. Daher ist der Computer schon eine Bereicherung.

@Angrikolan: Das mit der Sauklaue kommt mir aber von Freunden und Bekannten sehr bekannt vor. Ein Freund von mir sagt zum Beispiel immer, dass er seine eigene Schrift später oft nicht mehr entziffern kann, wenn er etwas nachlesen möchte.

Man liest sich, Rika




geschrieben von Hessehex am 20.05.2026:

Hallo Hubert, wie hat unser Lehrer geflucht, als die ersten Schüler mit 'nem Kugelschreiber ankamen!




geschrieben von Hessehex am 20.05.2026:

Liebe Rika, ich finde es schon sehr fortschrittlich, wenn z.B. in Aufzügen, bei der TV-Fernbedienung etc. Brailleschrift angewandt wird - es ist nicht alles schlecht an der neuen Zeit. Lieben Gruß Anne




geschrieben von Angricolan am 20.05.2026:

Der kluge Mann hat natürlich, kein Scherz, ein neues altes Farbband dazugelegt. Neu ? farbtüchtig? alles mit Fragezeichen 2026. Mein alter Volksempfänger, von 1940 gibt allerdings keinen Mucks mehr ab. Die Engländer haben ihn auf dem Gewissen. Meine Kinder sagen jedesmal verkaufe ihn nicht, wollen wir haben und staunen was der Papa noch so gebunkert hat.
Schmunzelgruss an alle!




geschrieben von Butterblume am 20.05.2026:

Ich kann dich gut verstehen.

Deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen.

Ich habe auch viele Briefe geschrieben.
Manchmal tu ich es auch heute noch.
Weihnachten/Geburtstag 🎂

Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend.
Beste Grüße 😉







geschrieben von Rautus Norvegicus am 20.05.2026:

Liebe Anne,

Löschpapier, Briefpapier, Tintenklecks, passend zum Briefpapier die Umschläge; alles Begriffe aus einer vergangenen Zeit. Aber grübeln tue ich auch heute noch das ein oder andere Mal über passende Formulierungen. Ich kann mich daran erinnern, dass es Schulstunden extra für Schönschrift gab, auf der Grundschule. Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich manchmal Mühe hab, meinen Einkaufszettel im Laden zu entziffern🤭. Briefpapier konnte immer gut zum Geburtstag verschenkt werden, wenn jede gute Geschenkidee fehlte.

Es ist natürlich eine gute Idee, wieder mehr Briefe zu schreiben, ist viel persönlicher als Email. Aber in Zeiten der kostenlosen Internet-Anwendungen werden sie immer mehr an Bedeutung verlieren.

Oft habe ich wahnsinnig viel Lust darauf, etwas handschriftlich zu erledigen, ich nehme mir dann meinen alten, vergoldeten Mont Blanc Füller mit Feder aus 585 Gold, den mir dereinst mein Vater schenkte. Aber der tropft und schmiert, ist wohl eher ein Ausstellungsstück🤣

Steno ist bestimmt so gut wie ausgestorben in der elektronischen Zeit. Vielleicht gibt es das noch als Geheimsprache für Gauner und Behörden, weil es niemand mehr dechiffrieren kann😏?

Liebe Grüße
🐀
Rautus







geschrieben von Hessehex am 21.05.2026:

Lieber Rautus, wie schön daß Du noch differenzierst zwischen Gaunern und Behörden...
Sollte mal meine Rente nicht mehr ausreichen, werde ich meine Kenntnisse dort zur Verfügung stellen :- )))
Grüße !!! Anne

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