Veröffentlicht: 19.06.2026. Rubrik: Unsortiert
Meine Stadt ???
Meine Stadt war einmal sehr schön. Bekannte Kurstadt im Rhein-Main-Gebiet mit vielen heißen Quellen, alter Bausubstanz und umgeben von den grünen Anhöhen des Taunus. Kaiser Wilhelm, Tolstoi, Jawlenskij, Kandinski – alle waren sie hier. Von diesem Ruhm lebt sie heute noch – ungerechtfertigt. Was aus ihr geworden ist? Ein verdrecktes, vermülltes, seelenloses Etwas. Durch die Fußgängerzone, in welcher es kaum noch Geschäfte gibt, wälzt sich leeren Blickes eine verfettete, ungepflegte, gleichgültige Masse. Sicherheitsposten patrouillieren, was leider unumgänglich geworden ist. Wenn ich zwangsweise durch ihre Straßen gehen muss, höre ich stundenlang kein Wort mehr in meiner Sprache, und wenn dann in seiner primitivsten Form. Was ich jedoch höre, ist der Lärm – beginnend mit einem festen Stamm von 12 Hunden, welche auf dem Wohngelände ausgeführt werden, 3 x täglich von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts, die sich dann gegenseitig ankläffen. Die Besitzer treffen sich hier auf ein lautstarkes Schwätzchen, versuchen ihre Hunde an Lautstärke zu übertreffen um sich verständlich zu machen. Gegen das Gebelle sind sie mittlerweile immun. Wir Anwohner leider nicht, denn unsere Schlafräume liegen in deren Richtung. Ein Tier anschaffen ja, für seine Erziehung sorgen nein. Wenn die Sonne brennt, stinkt es nach Fäkalien. Im Sandkasten spielen längst keine Kinder mehr – nur die Tauben nutzen ihn noch.
Trete ich aus der begrünten Anlage, heulen mir sogleich diverse Martinshörner in die Ohren. Die verfolgen den Besucher allenthalben, man kann sich ihnen nicht entziehen. Dazu kommt noch das aggressive Aufheulen diverser Motoren, wenn die Ampeln wieder auf grün schalten – und sofort wird die Hupe beim geringsten Anlaß ungeduldig, lautstark und lang anhaltend genutzt, der Angehupte antwortet auf die gleiche Weise, andere Autofahrer nehmen Partei – endlich kann man mal seinen Frust loslassen! Und schaltet die Ampel auf rot, noch schnell durchwitschen. Fußgänger stören eh nur und gehören unter die Erde.
An den Bushaltestellen drängen sich die Menschen, die Busse sind überfüllt. Üble Szenen spielen sich ab im Kampf um einen (Steh-)Platz. Den Busfahrer kümmerts nicht, er hat aufgegeben. Teilnahmslos spult er seine Strecke ab. Als Ortsfremder eine Frage stellen ist sinnlos, man spricht kein Deutsch. Im Bus lautes Handygeplapper, schlimmer noch das aggressive Brüllen und Kreischen der unbeachteten verzogenen Blagen, welche pausenlos bespaßt zu werden wünschen. Der Mutter ist’s egal, sie muß ins Smartphone glotzen.
Ich könnte bittere Tränen vergießen, wenn ich sehe was aus meiner Stadt geworden ist und erwäge einen Umzug. Aber wohin? Wo ist es heutzutage noch ruhig? Ach, ich weiß: Auf dem Friedhof.....
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