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geschrieben 2026 von Rika.
Veröffentlicht: 23.06.2026. Rubrik: Fantastisches


Die Macht des Hasses, Teil 1

Eine nachdenkliche Fantasy-Geschichte

Kapitel 1: Der Rat der Engel

Alle Engel versammelten sich im Tempel des Himmels, um einen Rat abzuhalten, denn sie hatten die Befürchtung, dass ihre Welt langsam aber sicher von Hass zersetzt wurde. Paradisia, noch vor zehn Jahren eine wahrhaft paradiesische Welt, welche von den Engeln des Himmels bewacht wurde, war inzwischen alles Andere als ein Paradies. Dies hatte begonnen, als die Menschen begannen, machtgierig zu werden und noch mehr zu wollen. Mehr Luxus, mehr Einfluss und schließlich die Weltherrschaft. Einige von ihnen wandten sich von den Engeln ab und gründeten den Orden der Magie. Sie wollten mit allen Mitteln Magie benutzen können, um ihre Macht zu sichern, und einem jungen Mann Namens Milan gelang es schließlich, einen mächtigen Dämon in diese Welt zu holen. Dieser Dämon war jedoch mächtiger, als Milan selbst. Nicht viel von den Aufzeichnungen des Magierordens war noch übrig, man wusste nur, dass der Dämon Milan und viele seiner Anhänger vernichtet hatte. Nur wenige der Ordensmitglieder überlebten. Manche von ihnen boten dem Dämon ein Bündnis an, andere distanzierten sich von der Magie und zogen sich zurück. Der Dämon begann, immer mehr seiner dunklen Magie in dieser Welt auszubreiten, was den Hass zur Folge hatte. Nun mussten die Engel etwas tun, um dem Dämon endlich Einhalt gebieten zu können.

Erzengel Octavio ergriff das Wort. "Wir sind heute zusammengekommen, um zu besprechen, was wir gegen den Dämon und seine Anhänger tun können", sagte er. Er hatte auch schon eine Idee, denn vor kurzem hatte er etwas Bahnbrechendes entdeckt. Es war das Aufblitzen von Magie. Nein, nicht irgendeiner Magie, Engelsmagie. Dies hätte ihn nicht sonderlich gewundert, wäre diese Magie im Himmel spürbar gewesen, aber nein. Ein Mädchen aus Paradisia strahlte diese himmlische Aura aus. Nachdem Octavio es den anderen Engeln erzählt hatte, blieben dennoch einige von ihnen skeptisch. "Habt ihr euch sicher nicht geirrt?", fragte einer von ihnen. Octavio schüttelte heftig den Kopf. "Was gedenkt ihr nun zu tun, Erzengel?", wollte Tirag, sein Assistent wissen. "Ich werde mit diesem Mädchen mentalen Kontakt aufnehmen und eventuell später nach Paradisia reisen, um sie zu holen." Nach kurzem Zögern erklärten sich die Engel damit einverstanden, und ein Plan wurde besprochen.

Kapitel 2: Die Flucht

Skara berührte den Boden kaum noch, so schnell lief sie durch den Wald, welcher ihre Heimatstadt Takarius umgab. "Du entkommst mir nicht!", hörte sie die fremdklingende Stimme ihrer Mutter hinter sich. Nun hatte auch sie der Hass befallen wie eine Seuche, welche jeden Menschen befiel, welcher zu unvorsichtig war. Skara hatte einen Entschluss: Solange sie konnte, würde sie verhindern, dass der Hass sich auch in ihr breitmachte. Langsam protestierte ihr Körper immer mehr gegen die Strapazen, doch aufgeben war keine Option für das dreizehnjährige Mädchen. Obwohl sie noch ein Kind war, war sie äußerst reif für ihr Alter. Schicksalsschläge und mehrere Fluchten hatten sie zu dem gemacht, was sie war. Schon als kleines Kind hatte sie die Auswirkungen des Hasses gespürt. Es fing meist schleichend an, Menschen, welche vom Hass befallen waren, lebten immer mehr in ihrer eigenen Welt und beschäftigten sich kaum noch mit anderen Menschen. Selbst der sanfteste und gutmütigste Mensch änderte plötzlich seinen Charakter, bis der Hass vollständig von ihm Besitz genommen hatte. Bei ihrem Vater hatte sie dies erlebt, als sie fünf Jahre alt geworden war. Plötzlich war er mit einem Messer auf Skara und ihre Mutter losgegangen, dabei zeigte er keinerlei Mimik. Zum Glück konnte ihm die Mutter das Messer entwinden und ihn damit unschädlich machen. Als Skara neun Jahre alt war, befiel der Hass ihre Großmutter, was eine Flucht zur Folge hatte. Dann, vor einem Jahr, begann ihre Mutter, sich zu verändern. Zuerst appellierte Skara an ihre Vernunft, denn sie brachte es nicht übers Herz, sie ebenfalls zu verlassen. Ihre Mutter war jedoch für keinerlei Vernunft mehr zugänglich, und heute war es schließlich geschehen, der Hass hatte sie vollständig ergriffen.

Längst hatte Skara keine Orientierung mehr. Sie trieb ihren Körper zu Höchstleistungen an und sperrte die Schmerzen aus ihrem Bewusstsein. "Das bin nicht ich", dachte sie sich. "Ich bin nur der Beobachter." Mit dieser Strategie hatte sie es stets erfolgreich geschafft, sowohl körperliche, als auch emotionale Verletzungen zu ertragen. Dennoch war sie emotional keinesfalls abgestumpft, denn eine kleine Hoffnung schlummerte noch immer in ihr. Zwar brannte die Hoffnung nur noch als sehr kleine Flamme, aber solange sie lebte, würde diese niemals ganz erlöschen. Dies hatte sich das Mädchen jedenfalls fest vorgenommen. Nun fiel Skara auf, dass sie ihre Mutter schon lange nicht mehr gehört hatte. Langsam, jedoch ohne anzuhalten, drehte sie sich um, konnte jedoch keinen Verfolger ausmachen. Ihre Sinne hatten sich durch jahrelanges Training geschärft, und sie atmete auf. Schnell suchte sie sich ein Versteck im Wald, und als ihr Körper den Boden berührte, spürte sie, wie ausgelaugt sie wirklich war.

Skara starrte in den Himmel und dachte an ihre Hoffnung. "Bitte, Engel. Tut bitte etwas gegen den Hass", dachte sie sich. "Hallo", hörte sie plötzlich eine Stimme in ihren Gedanken, und sie war nahe daran, an ihrem Verstand zu zweifeln. Bisher hatte niemals ein Engel geantwortet, wenn sie ihr Gebet zum Himmel schickte. "Ich bin wirklich ein Engel", hörte sie die Stimme erneut. "Mein Name ist Octavio, und du bist etwas ganz Besonderes." Skara sog scharf den Atem ein. Sprach da tatsächlich der Erzengel zu ihr? So viel hatte sie noch gelernt, bevor die Schulen vor fünf Jahren geschlossen wurden, da der Hass sich auch unter den Lehrern ausbreitete. "Ja, ich bin es wahrhaftig", antwortete der Engel. "Du besitzt die Magie der Engel, Skara. Es ist kein Zufall, dass der Hass dich noch nicht in Besitz genommen hat, denn deine Magie schützt dich davor." Zum ersten Mal seit einigen Jahren stieg ein wenig Freude in Skara auf. "Was kann ich nun tun?", fragte sie den Engel. "Ich werde mich auf den Weg zu dir machen, um dich in den Himmel zu den Engeln zu holen", erklärte Octavio. "Wann?", wollte Skara wissen. "In den nächsten drei Tagen. Bleib, wo du jetzt bist, denn hier bist du sicher." Skara bedankte sich und sammelte noch einige Früchte, denn nun meldete sich der Hunger. Nachdem sie gegessen hatte, schlief sie das erste Mal mit einem Gefühl der Erleichterung ein.

Fortsetzung folgt

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