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4xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Rika.
Veröffentlicht: 06.07.2026. Rubrik: Persönliches


Die Angst und der Mut im Gespräch

Dinge aufzuschieben, darin war und bin ich immer gut, weil es immer leichter ist, nichts zu tun, als einen Schritt aus der Angst hinaus zu machen. Hier habe ich einen kleinen Dialog zwischen Angst und Mut verfasst.

Seit einigen Tagen spielte ich immer wieder mit dem Gedanken, einer Freundin eine Nachricht zu schreiben, um sie über ein für mich und vielleicht auch für sie wichtiges Thema zu informieren. Doch jedes Mal, wenn ich zum Handy griff, meldete sich sofort die Angst wieder, wie ein Geräusch, welches so laut war, dass man es nicht ignorieren konnte. "Ich sollte es lieber bleiben lassen", sagte die Angst. "Ich weiß nicht, wie sie reagiert, und was ist, wenn sie sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt, weil ich zu aufdringlich wirke?" Unbewusst nahm ich die Hand vom Handy weg, als sich der Mut einmischte. Im Gegensatz zur Angst war er viel leiser, kaum zu hören neben der so lauten Angst. "Du kannst es nur herausfinden, wenn du den ersten Schritt wagst! Die Formulierungen, welche du dir bereits gedanklich zurechtgelegt hast, erzeugen keinen Druck! Du musst es nur tun, dann wird es von Mal zu Mal einfacher werden." "Du hast gut reden", meldete sich die Angst wieder. "Was ist, wenn sie das Thema gar nicht interessiert?" "Dann bemerkst du es aber erst, wenn du es mit ihr besprochen hast. Vielleicht interessiert es sie ja doch und sie ist dankbar, weil du sie darauf gebracht hast", entgegnete der Mut. "Ich weiß nicht", meinte die Angst und ließ mich weiter zögern. "Wenn du es nie versuchst, wirst du keine Erfolge erzielen!", versuchte sich der Mut einzumischen, doch ich konnte ihn kaum noch hören, da die Angst mit jeder Sekunde lauter wurde, bis sie den Mut ganz verdrängte. "Ich versuche es heute lieber nicht", denke ich dann jedes Mal. "Vielleicht morgen." Solchermaßen zufriedengestellt, verschwand die Angst, aber da ich mir einredete, es an einem anderen Tag zu versuchen, schwieg der Mut jetzt ebenfalls.

Genauso geht es mir immer, wenn ich Freunde anrufen möchte, mit welchen ich schon lange nicht mehr telefoniert habe. Obwohl ein Teil von mir es tun will, ist die Angst meist stärker. "Was ist, wenn ich sie gerade störe? Vielleicht schläft sie ja gerade, und ich wecke sie mit meinem Anruf?" "Wenn sie nicht kann, wird sie das Telefon nicht abheben", erwiderte der Mut dann jedes Mal. "Denke nicht für Andere", fügte er hinzu, was ich auch schon von anderen Menschen stets als Rat erhalten habe. Dennoch hat es noch kein Rat geschafft, die Angst zu durchbrechen. Der Kampf zwischen Angst und Mut geht meistens so aus, dass der Mut dabei verliert. Nur manchmal schaffe ich es dann doch, diesen Freund oder Freundin anzurufen. Die eigentliche Angst ist nicht, mit einem Freund reden zu müssen. Nicht der Kontakt selbst ist es, welcher mir Angst macht, sondern die Konsequenzen meines Tuns, wenn ich einen ersten Schritt gehe, denn in diesem Moment bin ich der Reaktion meines Gegenübers vollkommen ausgeliefert. In einer Fantasy-Geschichte würde ich es so beschreiben, dass der Charakter nicht weiß, ob er mit dem nächsten Schritt einem Feind oder einem Verbündeten gegenübersteht. Natürlich weiß ich, dass Freunde niemals Feinde sind, aber sobald ich auf Ablehnung stoße, und sei es nur derzeit keine Zeit oder Interesse, dann fängt das Gedankenkarussell an, welches dann schwer abzustellen ist. "Habe ich richtig gehandelt? Hätte ich ihn vielleicht nicht anrufen sollen? Hätte ich das Thema nicht aufgreifen sollen? Warum habe ich nicht zu einer anderen Zeit angerufen, jetzt fühlt sich der Betreffende vielleicht gestört. Beim nächsten Mal lasse ich es lieber." "Aber du kannst nur wissen, ob es richtig war, wenn du es versuchst! Nur, weil jemand keine Zeit oder Interesse an etwas hat, bedeutet das nicht, dass dein Vorgehen grundlegend falsch war."

Eine Angst konnte ich inzwischen ablegen, die Angst davor, Ärzte oder Behörden zu kontaktieren. "Ärzte sind für ihre Patienten da", sagte der Mut mir jedes Mal. "Sie würden sich selbst damit schaden, wenn sie sich von Anrufen so sehr gestört fühlen würden, wie du es immer denkst." Das und die Tatsache, dass ich dies in letzter Zeit öfter tun musste, haben mir die Angst davor genommen. Daher weiß ich vom Verstand sehr wohl, dass nur durch Tun die Angst verschwinden kann, aber es ist bei mir noch nicht richtig angekommen. Vielleicht kennt ja jemand von euch diese Ängste ebenfalls.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Angricolan am 06.07.2026:
Kommentar gern gelesen.
Ist es wirklich Angst oder nur Vorsicht bei etwas Unbekanntem?
Menschen sind unberechenbar, überraschen einen selbst wenn...
Ich schreibe oft von Lebenslinien, mich trennen von Menschen die mir nicht gut tun. Ich schreibe oder sage es ihnen bevor ich den Schritt gehe.
Angsträume, fremde Situationen, ein Gegenüber von dem man zu wenig weiß wie sie/er reagiert da wartet man auf dessen Worte, Gesten und schaut ihr/ihm ins Gesicht. Es gibt kein *muss nur ein kann. Jeder kann es unterlassen, abwarten.
Meine Worte klingen altbacken, sind allerdings nach einem langen Leben Erfahrungen die junge Menschen noch selbst machen müssen. Ärzte sind keine Übermenschen die alles wissen. Da gibt es auch schwarze Schafe, sei es menschlich oder nur mit Blick zu den Euros die dann zu ihnen fließen. Der Beispiele gibt es genug auch in meinem Umfeld.
Geh mit Mut an alles ran, einen Versuch ist es immer Wert.




geschrieben von Rika am 06.07.2026:

Hallo Angricolan, ja Vorsicht bei etwas Unbekannten kann es natürlich auch sein. Wobei ich diese Unsicherheit auch bei Dingen habe, welche mir bereits bekannt sind, wobei das dann dennoch leichter geht. Ich habe zum Beispiel immer noch Schwierigkeiten, Menschen, welche ich gut kenne, um Hilfe oder einen Gefallen zu bitten. Das kostet mich sehr viel Überwindung, obwohl das schon besser geworden ist. Mir geht es nicht darum, dass ich eine negative Reaktion nicht ertragen würde, sondern, dass dann mein Gedankenkarussell eben wieder losgeht. Wenn jemand nein sagt, denke ich mir dann immer, ob ich ihn vielleicht genervt habe und vor der Frage denke ich, dass ich niemandem Umstände machen möchte. Alles nicht so einfach...




geschrieben von Angricolan am 06.07.2026:
Kommentar gern gelesen.
Nichts ist einfach im Leben Rika. Einer mir bekannten Autistin, noch Schülerin, schenkte ich ein Glas, sie sprach da zum ersten Mal mit mir, ging mit ins Haus was ihre Mutter sehr verwunderte. Ich zeigte ihr Teile meiner Sammlung und schenkte ihr dann ein Glas mit polierten Mineralien worüber sie sich sehr freute. Bei unserer nächsten Begegnung sprach sie kein Wort mit mir, nur mit sich selbst. Ich ließ sie in Ruhe, lächelte sie nur an.
Sie hat heute Angst sagte ihre Mutter, spricht selbst mit mir nicht, wenn ich sie frage.
Alte Menschen leben oft auch nur noch in ihrer Welt, sagen dann zu allem: Es interessiert mich schon lange nicht mehr. Sie wollen nur noch ihre Ruhe haben.
Hast du schon einmal einen perfekten Menschen getroffen?




geschrieben von Rika am 06.07.2026:

Vor dem Reden selbst habe ich gar keine Angst, zum Glück. Sonst könnte ich meinen Hauptjob gar nicht ausüben. Ich bin eigentlich sehr kommunikativ, solange es nicht darum geht, um Hilfe zu bitten oder auf ein Thema anzusprechen, wo ich nicht weiß, ob denjenigen das überhaupt interessiert. Oder eben Freunde anzurufen, die ich entweder noch nicht gut kenne oder mit denen ich schon lang nicht mehr telefoniert habe. Die meisten meiner Freunde treffe ich zum Glück oft, sodass ich bei denen kein Problem mehr damit habe.

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