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3xhab ich gern gelesen
geschrieben von Marianne Lubos.
Veröffentlicht: 18.07.2026. Rubrik: Unsortiert


Ein neues Schlafzimmer muss her!

Ein neues Schlafzimmer muss her!
Hurra wir haben eine Wohnung mit mehreren Zimmern
bezogen. Es war das Jahr 1996 und wir brauchten ein
Schlafzimmer. Schon in den Jahren davor war das
gemeinsame Einkaufen von Möbelstücken eine Ka-
tastrophe. Es ging nicht nur um unseren Geschmack. Die
Kriterien für einen Einkauf waren bei uns sehr unter-
schiedlich. Er, mein Liebster, betonte die Zweckmäßig-
keit, passende Maße und den Preis. Dazu kam, dass er
sehr viel Zeit brauchte, um eine Entscheidung zu treffen.
Meine Kriterien waren: hübsch-schön und hübsch.
Es ist leicht gesagt, sich in der Mitte treffen. Wo ist die
Mitte? Immerhin waren wir uns einig, wir brauchen ein
größeres Doppelbett und zwei Kleiderschränke.
Die letzten Jahre haben wir gemeinsam auf einem Bett
mit einer Breite von 1,20 m nicht so viel geschlafen. Wir
waren jung, dynamisch und aktiv.
So fuhren wir in ein Möbelcenter. Nach Stunden fan-
den wir nichts, was unsere Kriterien erfüllte. Also ab ins
nächste Möbelhaus. Mein Partner wollte schon die Tour
beenden aber ich setzte mich durch. Dann kam der Mo-
ment. Da stand das fertige Schlafzimmer aus Naturholz-
bastmaterial in der Farbe Honig. Die vorderen Seiten der
Kleiderschränke waren geflochten, umrandet von blauen
Leisten. Ich hatte Tränen in den Augen und mein Kampf-
geist meldete sich sofort bei mir. Mit zitternen Händen
umschlang ich die Pfosten vom Bett.„Dieses Schlafzim-
mer muss es sein.“ Die Maße waren ideal.
Wir suchten nach einer passenden Schlafzimmerver-
käuferin. Da stand sie. Mit ihrer zärtlichen Stimme hauchte
sie: „Was kann ich für sie tun?“ Dazu hatte sie diesen
Schlafzimmerblick. Wahnsinn, nach welchen Kriterien
die Fachverkäuferin hier eingestellt wurde.
Es muss erwähnt werden. Mein Mann ist nicht geizig,
aber sparsam. Er liest auch meistens das Kleingedruckte,
im Gegensatz zu mir.
Hurra, ihm gefiel das Bett mit den zwei Schlafzimmer-
schränken auch.
Nachdem er mehre Male die Betten und die Schränke
ausgemessen hatte. Das Holz abklopfte. Nach Holzwür-
mern suchte, sich auf das Bett immer mal wieder fallen
ließ und dabei obszöne Geräusche von sich gab. Mich
aufforderte, sich auch auf das Bett zu legen.
Fragte ich ihn mit lauter Stimme: „Falls du die Absicht
hast, den Innenraum der Schränke zu testen, schließe ich
dich ein.“
Die Verkäuferin bat ihn dann viel zu schüchtern, ob er
noch Fragen hätte.
Inzwischen schaute ich mich um und da standen sie.
Die passenden zwei Nachtschränke in Honigfarbe. Ich
sah es vor mir. Auf jeder Seite des Bettes eine Nacht-
tischlampe. Schließlich werden wir zukünftig mehr im Bett
lesen. Dann kam der Moment, der fast schon schicksal-
haft war. Ich sah ihn, diesen passenden Wäscheschrank
natürlich auch in Honigfarbe. Nicht so hoch wie die
Kleiderschränke, aber natürlich alles passend für Bett-
wäsche und Handtücher. Die Verkäuferin war froh,
meinen Mann von den Betten weg zu bekommen. Ich
winkte ihr hektisch zu und zeigte auf die ergänzenden
drei Möbelstücke. Da ahnte sie jedoch nichts von einem
Konflikt, der dann ausbrach.
Ich drückte meinen Rücken durch und sprach selbstbe-
wusst: „Ich möchte zwei Nachtschränke und den Wäsche-
schrank dazu.“ In kürzester Zeit wurde es im Verkaufs-
raum kälter. Ein Schweigen breitete sich aus. Das
Deckenlicht fing an zu flattern.
Dann kam die Stimme meines Mannes aus dem Hin-
terhalt: „Nein, das ist nicht im Budget, entweder zwei Bet-
ten, zwei Kleiderschränke, zwei Nachtschränke oder ein
Wäscheschrank und einen Nachtschrank.“
Die nette Verkäuferin schaute etwas unsicher in die
Runde. „Was, schrie ich. Nur einen Nachtschrank? Auf
welcher Seite soll er stehen? Wage es dann nicht, dein
Buch auf meinem Nachtschrank zu legen.“
Daraufhin sprach er mit einem aggressiven Ton. „Wir
haben uns im Vorfeld eine Summe als Ziel vorgenom-
men und dabei bleiben wir jetzt auch.“ Jetzt kam von mir
eine nicht ganz höfliche Frage: „Bist du bescheuert?“ Die
Verkäuferin versuchte sich als Mediatorin und wollte uns
einen Kompromiss vorschlagen. Ich unterbrach sie mit
einem eindeutigen „Stopp“ und holte mein Handy aus der
Tasche. Seine Mutter war am Telefon und ich schilderte
ihr die Situation. „Ich liebe deinen Sohn, aber jetzt brau-
che ich deine Hilfe“.
Schon nach einer Minute sagte sie zu mir: „Du kaufst
alle Möbel: zwei Betten, zwei Kleiderschränke, einen
Wäscheschrank und zwei Nachtschränke und den einen
davon bekommst du von mir geschenkt!“
Was für eine tolle Schwiegermutter, und ich schrie: „Hurra,
bitte packen Sie alle Möbel ein. Die Verkäuferin war auch
sichtlich erleichtert und wischte sich ihren Angstschweiß
von der Stirn.
Nach gefühlten vier Stunden war es vollbracht. Die Ver-
käuferin begleitete uns zur Kasse. Ich bedankte mich für
Ihr Verständnis und Ihre unendliche Geduld. Wir würden
zeitnah auch gerne eine Couch kaufen wollen. Wann
wären Sie wieder im Dienst?“
Sie wurde blass und meinte, in den nächsten Jahren
würde sie viel im Urlaub sein. Komisch!
Das Schlafzimmer haben wir immer noch. An meinem
Nachttisch steht ’gesponsort von Schwiegermutti.’ Mit
passenden honigfarbenen Vorhängen und einer Über-
decke ist das Schlafzimmer komplett.

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