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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Marianne Lubos.
Veröffentlicht: 11.06.2026. Rubrik: Unsortiert


Orientierungssin, was ist das?

Orientierungs-Sinn, was ist das?
Ohne Orientierung zu leben, ergibt keinen Sinn. Ist es
wirklich so? Das Leben ist voller Überraschungen und es
kommt meistens anders, als man denkt. Aber das Leben
läuft auch manchmal ohne Orientierung, nur chaotischer
und eventuell spannender.
Im Laufe des Lebens geben uns anderen Menschen
Hinweise und eventuell Ratschläge, wohin der Weg füh-
ren sollte. Herauszufinden, was für einen selber einen
Sinn macht, ist nicht so einfach. Das Schöne war, in den
jungen Jahren haben wir uns ausprobiert, ohne Orien-
tierung, waren mutiger, ohne zu wissen, welche Konse-
quenzen die Entscheidung haben könnte. Diese Zweifel
kamen erst später mit den positiven und auch negativen
Erfahrungen. Zu lernen, auf seinem Bauch zu hören, da-
von habe ich zum Glück genug, war sicher hilfreich, aber
machte manchmal wenig Sinn, da die objektiven Bedin-
gungen andere waren. Der Spruch „wenn du die Bedin-
gungen nicht ändern kannst, dann ändere deine Einstel-
lung.“ Hört sich super an! Aber ließ bei mir auch bisweilen
Wut im Bauch zurück.
Nach einer gewissen Zeit, irgendwann kam meine Ori-
entierung zurück, nämlich die auf mich.
In meinem bisherigen Leben habe ich Entscheidungen
getroffen, bei denen mir die Orientierung völlig abhanden
gekommen schien. So zum Beispiel habe ich zweimal den
gleichen Mann geheiratet, was für eine Farce. Das ist
jedoch eine andere Geschichte. Offensichtlich habe ich
überhaupt keine Orientierung, bezogen auf das Finden
von Orten! Entweder fehlt mir diese Gehirnzelle oder eine
andere Vermutung, dass es mit meiner Geburt zusam-
men hängt. Ich hatte den Ausgang nicht gefunden.
Das lag daran, es war dunkel im Mutterbauch und
nirgends war ein Hinweisschild zum Verlassen der
Gebärmutter.
Trotz meiner Altersweisheit hat mich eher die Orientie-
rungslosigkeit noch stärker ereilt. In der Urgesellschaft,
wäre mein Stamm mit meiner Verantwortung in den Wäl-
dern nach Beeren zu suchen, sicher verhungert.
Eine Straßenkarte ist heute immer noch für mich wie
das Schnittmuster eines Kleidungsstückes.
So kam es, wie es kommen musste. Es war das Jahr
1995. Zusammen mit meiner Mutter fuhren wir mit dem
Auto nach Kolberg. Also, ich bin gefahren. Fünf A4 Seiten
druckte ich aus und befestigte sie in der Höhe der Ablage.
Dann fuhren wir los. Ich muss dazu sagen, meine Mut-
ter war eine tolerante und entspannte Beifahrerin. Zum
Glück!
Nach mehreren Stunden sprach sie leise zu mir: „Ich
glaube, ich habe Kolberg schon vor einer ganzen Weile
hinter uns gesehen. Wir entfernen uns immer mehr.“
„Niemals“ sagte ich bestimmend und versuchte auf
meinen Zetteln irgendetwas zu deuten.
Dann kamen wir an polnische Feldern und Wiesen vor-
bei. Plötzlich sah ich einen einsamen polnischen Bauern
stehen. Wir hielten an und ich rannte auf ihn zu und sagte
lautstark meine einzigen polnischen Vokabeln „Dob-
sche Dobsche trallala Kolberg“. Er verdrehte die Augen
und zeigte mit dem Finger in einer hinter uns liegenden
Richtung und sagte gebrochen „sehr sehr weit“. Nach
Stunden kamen wir irgendwann in die richtige Stadt mit
einem Kreisverkehr. Nachdem wir das vierte Mal um den
Kreis gefahren sind, sagte meine tolle Mutter leise zu mir:
„Wenn du noch einmal herumfährst muss ich brechen“.
Wir kamen an und hatten eine tolle Woche zusammen.
Die zweite Episode war, meine Mutter und ich fuhren
zusammen nach Dresden in die Semperoper. Diesmal
schon mit einem Navitationsgerät. Für die Rücktour gab
ich ihre Wohnadresse ein, die in Marzahn war. Nach ge-
fühlten vier Stunden landeten wir in Reinickendorf und die
sympathische Navi Stimme sprach deutlich „sie haben ihr
Ziel erreicht.“ Meine Mutter kurbelte das Fenster herunter
und sagte verwundert. „Hier wohne ich aber nicht.“ Dar-
aufhin antwortete ich: „Besonders im hohen Alter können
Veränderungen für einen aktiven Geist nützlich sein.“ Wir
haben zusammen einen Lachanfall bekommen.
Während meiner aktiven Zeit als Autofahrerin suchte
ich des öfteren mein geparktes Auto. Es gab Tränen und
Panik und viel Zeitverschwendung.
Eine Situation gab es, ich hatte einen Auftritt im nirgend-
wo. Habe mich verfahren und rannte in eine Tankstelle.
Ich war schon spät dran. Da ich schon in der Verkleidung
als Serviererin mit Perrücke war, fiel ich schon auf. Ein
einsamer LKW Fahrer war mein Opfer.
Ich brüllte: „Wo ist der Ort sowieso?“ Seine Antwort er-
zeugte bei mir Schweißausbrüche. Darauf hin schrie ich:
„Sie müssen jetzt mit ihrem LKW vor mir her fahren und
ein Zeichen geben, wann ich abbiegen muss!“ Der Fahrer
sagte verschüchternd: „Ich habe Feierabend!“ „Jetzt nicht
mehr.“ Er fuhr tatsächlich vor meinem Auto und hupte an
der richtigen Stelle. So bin ich doch noch fast pünktlich zu
meinem Auftritt gekommen.
Humor ist für mich eine glückliche Fügung und ein
Erbstück von meinen Eltern. In den Situationen, bei denen
mir die Orientierung fehlte, rettete mich oft der Humor und
über sich selber lachen zu können, sehe ich inzwischen
als Stärke. Besonders in Situationen, in denen Menschen
gereizt und orientierungslos mit einem diskutieren, ent-
schärft es die Anspannung.
Fazit aus allem für mich: ich entscheide für mich, was
Sinn macht und muss mit den Konsequenzen leben, auch
wenn ich dabei orientierungslos wirke. Ich liebe ein har-
monisches Zusammenleben, aber nicht um jeden Preis,
d.h. meine Lebensmaxime aus den Augen zu verlieren,
würde für mich bedeuten, die Orientierung und die Sinn-
haftigkeit meines Daseins infrage zu stellen. Was jedoch
auch manchmal Sinn macht!

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Catarina am 11.06.2026:

Liebe Marianne
ein schöner Text - besonders der letzte Absatz: ich entscheide für mich, was
Sinn macht und muss mit den Konsequenzen leben und Harmonie-nicht um jeden Preis.

Viele Grüße
Karin


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